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05.02.2001

16:48 Uhr

Drohung von Dschihad

Scharon sieht deutlichem Wahlsieg entgegen

Der israelische Oppositions- Chef Ariel Scharon sieht bei der Wahl zum Ministerpräsidenten am Dienstag den Umfragen zufolge einem klaren Sieg entgegen. Er führt in der Wählergunst rund 20 Prozentpunkte vor Amtsinhaber Ehud Barak.

Reusters JERUSALEM. Barak spielte jedoch die Bedeutung der Umfragen herunter: Erst die Abstimmung am Dienstag zähle, sagte er. Für viele Palästinenser ist ein Sieg Scharons gleichbedeutend mit dem Ende des Friedensprozesses. Ein Führungsmitglied der palästinensischen Fatah-Bewegung sagte, er glaube nicht, dass Palästinenser mit Scharon verhandeln würden. Die Organisation Islamischer Dschihad drohte mit Anschlägen in Israel.

Gallup-Insititut: 55 % für Scharon

Nach einer in der Zeitung "Maariv" veröffentlichten Umfrage des Gallup-Instituts würden sich 55 Prozent der Wähler für Scharon und 35 Prozent für Barak entscheiden. Die Tendenz zeigt einen wachsenden Abstand zwischen den beiden Kandidaten. Zehn Prozent der 1770 Befragten hätten angegeben, keinen der beiden Kandidaten wählen zu wollen. Die Fehlerquote wurde mit 2,3 Prozent angegeben. Ein anderes Institut sieht zwar den Abstand kleiner werden, sagte für Scharon aber trotzdem noch einen Vorsprung von 18 Prozentpunkten voraus. Am Sonntag war eine Umfrage des US-Meinungsforschers John Zogby im Auftrag von Abu Dhabi Television veröffentlicht worden, nach der Scharon sogar 26 Prozentpunkte vor Barak lag. "Während seiner kurzen Amtszeit hat es Barak geschafft, das Vertrauen eines großen Teils der israelischen Bevölkerung zu verlieren", sagte Zogby.

In der Zeitung "Jedioth Ahronoth" legten beide Kandidaten erneut ihre Positionen zu den Verhandlungen mit den Palästinensern dar. Es gehe um die Entscheidung zwischen Frieden und einem weiteren Krieg, schrieb Barak. "Wir sind aufgerufen zu entscheiden, ob zwischen uns und dem Frieden noch ein weiterer, blutiger Krieg sein wird." Am Sonntag hatte er sich besonders um die Stimmen von arabischen Israelis bemüht, die 1999 mit großer Mehrheit für ihn gestimmt hatten. Die Bevölkerungsgruppe hatte sich von Barak abgewandt, weil 13 von ihnen im Oktober bei Sympathiebekundungen für den Palästinenseraufstand getötet wurden. Barak bekundete am Sonntag sein Bedauern über den Tod der 13 Menschen. Der arabisch-israelische Abgeordnete Ahmed Tibi sagte jedoch, Barak könne jetzt nichts mehr helfen und kündigte einen Wahlboykott arabischer Israelis an. Diese würden weder für Barak noch für Scharon ihre Stimme abgeben, sagte Tibi.

Scharon hatte am Sonntag einen eher zurückhaltenden Wahlkampf geführt und eine Fernsehdebatte mit Barak abgesagt. Politische Kommentatoren sagten, er wolle Fehler vermeiden, die seinen Vorsprung gefährden könnten. In seinem Artikel in der Zeitung "Jedioth Ahronoth" schrieb Scharon, unter seiner Führung werde Israel solange nicht mit den Palästinensern verhandeln, wie die Gewalt im Westjordanland und im Gaza-Streifen anhalte.

Fatah-Führer kündigt Widerstand an

Der Fatah-Führer Marwan el Barghuthi sagte, die beste und einzige Art, mit Scharon umzugehen, sei Widerstand und die Intifada, der Aufstand der Palästinenser. Es gebe keine Möglichkeit, mit Scharon zu einer Übereinkunft zu gelangen. Israel wirft Barghuthi vor, die Gewalt gegen Israel zu schüren. Bislang sind bei den Auseinandersetzungen seit September mindestens 382 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Palästinenser.

Die radikale Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad hat nach der Tötung eines ihrer Mitglieder erklärt: "Keine Barrieren, Drahtzäune oder Sicherheitsmaßnahmen werden verhindern, dass wir unsere schmerzhaften Schläge gegen den Feind ausführen." Am Samstag hatten israelische Soldaten nach einen Palästinenser getötet, der versucht haben soll, mit einer Bombe einen Grenzzaun zwischen Israel und dem Gaza-Streifen zu überwinden. Dschihad ist gegen die Friedensgespräche mit Israel und hat schon mehrere Selbstmordattentate verübt.

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