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16.04.2003

15:16 Uhr

DSF-Beteiligung soll Selbstläufer werden

Karstadt-Quelle kommt nun in die gute Stube

Deutschlands fünftgrößter Einzelhändler Karstadt-Quelle will mit einem starken Fernseh- und Internetauftritt die Verbraucher in den eigenen vier Wänden als Kunden gewinnen.

NEUSS/MÜNCHEN. Der Essener Konzern übernimmt mit Partnern das bisher zum Kirch-Imperium gehörende Deutsche Sportfernsehen (DSF) sowie die Online-Plattform Sport1. "Wie das Internet findet das Fernsehen den Weg bis in die Wohnungen unserer Kunden", sagte Karstadt-Quelle-Chef Wolfgang Urban am Mittwoch bei der Vorlage des Geschäftsberichts 2002 in Neuss. Für Karstadt-Quelle ist das DSF die zweite direkte Medienbeteiligung. Der Konzern hält bereits rund 10 Prozent an der Home Shopping Europe AG.

Der Einkauf vom Fernsehsessel und heimischen Computer aus gelten als besonders bequem und nehmen deshalb gegen den Branchentrend zu. Dafür ist keine Parkplatzsuche nötig und im Internet gibt es keine Ladenschlusszeiten. Neben den Discountern sind die Versandhäuser die Gewinner in der schwersten Krise des deutschen Einzelhandels seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Für die Karstadt-Quelle AG war dieser Trend 2002 ein wichtiger Lichtblick. Das Versandgeschäft mit den Flaggschiffen Quelle und Neckermann steigerte den Umsatz um gut 5 Prozent sowie den betrieblichen Gewinn um fast ein Drittel. Dabei half auch Günther Jauch, der für Quelle TV-Werbung macht.

Dagegen bekamen die 190 Warenhäuser und fast 300 Fachgeschäfte mit einen Umsatzrückgang von 9,1 Prozent und tiefroten Zahlen die Kaufzurückhaltung der deutschen Verbraucher 2002 heftig zu spüren. Vor ertragsabhängigen Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBTA) schlug im Geschäftsbereich stationärer Handel ein Verlust von 130 Millionen Euro zu Buche. In den ersten drei Monaten 2003 sank der Konzernumsatz nach vorläufigen Zahlen um rund ein Prozent auf 3,7 Milliarden Euro. Urban kündigte an, dass das Sortiment der Warenhäuser gestrafft werde. Nicht nur bei Kaffeekannen und Hemden soll mit weniger ausgewählten Artikeln mehr Umsatz und Gewinn gemacht werden. Teppiche gebe es nur noch in Ausnahmen. Rund 20 Warenhäuser würden zu Shoppingcentern mit vermieteten Fachgeschäften umgebaut.

Stärker als die meisten deutschen Handelsriesen ist Karstadt-Quelle von der Inlandskonjunktur abhängig. Bislang werden nur 10 Prozent des Umsatzes außerhalb des Heimatlandes erzielt. Eine Auslandsexpansion allein könne die Probleme aber nicht lösen, betonte Urban. Wie der Düsseldorfer Konkurrent Metro will sich Karstadt-Quelle ein größeres Stück vom schrumpfenden Umsatzkuchen der Branche abschneiden. Dabei setzten die Essener stärker auf TV und Internet als Vertriebskanäle.

Bei Metro hat bisher die Warenhaustochter Kaufhof eine Werbesendung im Regionalfernsehen Kabel NRW. Neben der Beteiligung am führenden deutschen Teleshoppingkanal ist die Karstadt-Quelle-Gruppe bei Tele 5 aktiv. Die Reisetochter Neckermann hat dort eine Verkaufssendung.

Vor allem Kinder und Jugendliche informierten sich über TV und Internet, betonte Urban. Keine Frage, dass dabei Superstars eine Rolle spielen. Die Schuhe oder das Trikot der Idole sind ein großes Geschäft. Auch die Möglichkeit einer dreistündigen Dauerwerbesendung reizte die Essener, beim DSF-Kauf mitzuspielen. Die Beteiligung soll zudem so etwas wie ein Selbstläufer werden. Schon im zweiten Jahr würden operativ schwarze Zahlen angepeilt, hieß es. Dabei sei der Kaufpreis für das Konsortium, zu dem auch der Mehrheitsaktionär des Ski-Herstellers Völkl, Hans-Dieter Cleven, und EM.TV gehören sollen, mit einem niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag überschaubar.

Bis zur Pleite von Kirch-Media verdiente der Lebensmittelhändler Rewe durch verschiedene Beteiligungen im Fernsehgeschäft mit. Eine direkte Vernetzung von TV und Kerngeschäft gab es dabei nicht.

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