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05.06.2000

17:53 Uhr

DSW: Neuer Eigentümer Vodafone braucht Geld für UMTS-Lizenzen

Kleinaktionäre verabschieden Esser mit Kritik

Der scheidende Mannesmann-Chef hat den Erwerb und Wiederverkauf des britischen Mobilfunkunternehmens Orange verteidigt...

ap DÜSSELDORF. Mit scharfen Angriffen haben die Aktionäre den scheidenden Mannesmann-Chef Klaus Esser auf der letzten Hauptversammlung des Traditionskonzerns verabschiedet. Der neue Haupteigentümer des Düsseldorfer Unternehmens, die britische Vodafone, habe "alles verkauft, was nicht niet- und nagelfest ist", kritisierte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jörg Pluta. Ein Kleinaktionär warf der Mannesführung vor rund 300 Anteilseignern vor, im Abwehrkampf gegen Vodafone seien teilweise "Dilettanten" am Werk gewesen.

Esser verwies dagegen darauf, dass die erfolglose Abwehrschlacht gegen Vodafone den Mannesmann-Aktionären allein in den letzten 13 Wochen der Auseinandersetzung eine Wertsteigerung von 100 Mrd. Euro (195 Mrd. DM) beschert habe. Zudem rechtfertigte er den Erwerb und Wiederverkauf des britischen Mobilfunkunternehmens Orange. Das Geschäft habe den Aktionären einen Gewinn von neun Mrd. Euro eingebracht. Der Verkauf sei wegen Wettbewerbsauflagen der EU-Kommission zwingend notwendig gewesen. "Orange ist keine Geldbeschaffungsaktion", betonte der Vorstandschef. Allerdings habe das Mannesmann-Management den Wünschen der Vodafone-Führung entsprechen müssen und nicht frei handeln können, räumte er ein.

Zugleich rechtfertigte Esser auch den Verkauf der Industriesparte Atecs an Bosch und Siemens für gut 18 Mrd. DM, den die Aktionäre mit breiter Mehrheit absegneten. Die Übernahme biete ein überzeugendes Konzept für die Zukunft von Atecs, sagte Esser.

Offenbar brauche Vodafone dringend Geld, um kostspielige UMTS-Lizenzen zu zahlen, kritisierte dagegen Pluta. "Der Wert des Mannesmann-Konzerns wird abgeschöpft." Das laufe den Interessen der Kleinaktionären zuwider. Der Aktionärsvertreter forderte eine Barabfindung für Kleinanleger und eine außerordentliche Hauptversammlung, in der über den Verkauf der britischen Mobilfunktochter Orange an die France Telecom entschieden werden müsse.

Nach Essers Angaben erzielte die Telekom-Sparte von Mannesmann in den ersten vier Monaten dieses Jahres ein Umsatzplus von 142 % auf 4,4 Mrd. Euro. Mannesmann D2 habe seit Jahresanfang monatlich mehr als 600 000 Neukunden gewonnen. Demnach telefonierten nun mehr als 13 Mill. Kunden im D2-Netz.

Esser, der mit Ablauf der Hauptversammlung aus dem Vorstand ausschiedt, nannte das Aktionärstreffen eine "Hauptversammlung des Abschieds". Mittlerweile seien 99 % der Mannesmann-Aktionäre durch Aktienumtausch oder durch Verkauf ihrer Papiere ausgeschieden.



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