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06.01.2003

10:44 Uhr

Duchblutung des Herzens verbessert

Stammzellen erneuern Herzgewebe nach Infarkt

Nach einem Herzinfarkt könnten Stammzellen aus dem eigenen Knochenmark möglicherweise geschädigtes Gewebe erneuern. Über die Behandlung von Infarktpatienten mit Knochenmark- Stammzellen berichten zwei Forschergruppen aus Deutschland und Hongkong unabhängig voneinander im britischen Fachjournal "The Lancet".

dpa LONDON/HONGKONG.Die beiden Teams verfolgten verschiedene Ansätze: Die Rostocker Wissenschaftler um Gustav Steinhoff spritzten die Stammzellen direkt ins Herz von sechs Infarkt-Patienten, während die Chirurgen um Hung-Fat Tse von der Universität von Hongkong die Zellen mit Hilfe eines Katheters in das beschädigte Herzgewebe von acht Patienten implantierten. Die Mediziner beobachteten nach eigenen Angaben eine Verbesserung der Durchblutung des Herzens sowie auch eine bessere Herzfunktion.

Die Hongkonger Ärzte werten ihre Beobachtungen als Nachweis, dass die Knochenmark-Stammzellen geschädigtes Gewebe erneuern können. Sie planen nun weitere Studien mit größeren Patientengruppen. Darüber hinaus müsse erforscht werden, welche Stammzellen-Typen aus dem Knochenmark zur Wiederherstellung von geschädigtem Gewebe beitragen könnten. Die Stammzell-Behandlung mit Hilfe des Katheters dauere nur einen Tag und könne bei lokaler Betäubung erfolgen.

Steinhoff zufolge hatten fünf der sechs Rostocker Patienten nach dem Eingriff eine wesentlich bessere Durchblutung des Herzens. Allerdings sei auch bei allen ein Bypass gelegt worden, wodurch die alleinige Effektivität der Stammzell-Behandlung nicht genau zu bemessen gewesen sei, betonte der Forscher. Gezielte Studien zur Rolle der Stammzell-Transplantation bei der möglichen Herzmuskel- Erneuerung seien nötig.

Düsseldorfer Ärzte hatten bereits im Frühjahr 2001 einen Herzinfarktpatienten mit eigenen Stammzellen behandelt. Sie spritzten dem Mann die Knochenmark-Zellen in die Herzarterie. Der Rostocker Spezialist Steinhoff hatte Anfang Juli 2001 einem Herzinfarktpatienten den Brustkorb geöffnet und die Stammzellen direkt in das Muskelgewebe gespritzt. Ein Vorteil körpereigener Stammzellen ist, dass sie vom Körper nicht abgestoßen werden wie etwa ein Spenderorgan oder die - auch ethisch umstrittenen - embryonalen Stammzellen.

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