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14.07.2000

16:58 Uhr

Durch die globale Ausrichtung könnte Vodafone Airtouch überdurchschnittlich vom UMTS-Boom profitieren - vorausgesetzt, die Technik setzt sich durch

Wird Vodafone Airtouch zum UMTS-Gewinner?

VonUlf Sommer

HANDELSBLATT Chris Gents Probleme würde Telekom-Chef Ron Sommer vermutlich gerne übernehmen. Während der Deutsche bislang vergeblich nach allem greift, was auf dem Markt noch zu haben ist, muss der Vodafone-Chef alles daransetzen, um aus seinen vielen Mobilfunkfirmen in 24 Ländern ein einheitliches Imperium zu erschaffen. Nach der Eroberung Mannesmanns steht Gent vor einer neuen Situation. Bisher zog er erfolgreich eine Minderheitsbeteiligung nach der anderen an Land. Doch jetzt muss er mehr Verantwortung übernehmen. Die Düsseldorfer sind kein kleiner Nebenerwerb, sondern ein dicker Brocken, der erst einmal integriert sein will. In dem locker organisierten, britischen Konzern muss sich eine einheitliche Struktur herauskristallisieren. Nur ein europaweit integriertes Netz unter einem Markennamen bringt Kostensenkungen. "Spannend ist, ob Vodafone das Mobilfunkgeschäft in Deutschland so gut weiterführt wie Mannesmann", sieht Vontobel-Analystin Petra Nix die Briten vor einer schweren Aufgabe.

Kaum ein Experte zweifelt aber daran, dass Gent auch dieses Problem meistern wird. Nach der Übernahme Mannesmanns haben die Briten weltweit knapp 50 Millionen Kunden - mehr als jeder Konkurrent. Für Analysten ist dieser Vorsprung die beste Voraussetzung für einen erfolgreichen Start in die dritte Mobilfunkgeneration UMTS.

Die Meinung der Analysten

"Als großer Wettbewerber muss Vodafone bei UMTS dabei sein", meint Christian Lenke von der BHF-Bank. Wer in diesen Monaten die meisten Lizenzen ersteigert, danach den schnellsten Netzaufbau organisiert und anschließend die besten und optisch ansprechendsten Produkte anbietet, bekommt die höchsten Marktanteile. Experten sind sich darin einig, dass es sich nur kleinere Nischenanbieter leisten können, auf die teure UMTS-Technologie zu verzichten. Als "Big Player" wird Vodafone in Deutschland wohl ebenso zum Zuge kommen wie in Großbritannien, Spanien und Italien. Über ihren Kooperationspartner Vivendi werden die Briten vermutlich auch in Frankreich erfolgreich bieten können. "Vodafone wird bei der anstehenden Versteigerung in Deutschland alles zahlen, um dabei zu sein", sagt Nix.

Die zweifellos hohen Kosten für die UMTS-Lizenzen haben schon im Frühjahr den Aktienkurs belastet. Experten wie das Investmenthaus Lehman Brothers glauben allerdings, dass die hohen Ausgaben das Geschäft nicht negativ beeinflussen werden. Vodafone werde auch keine Probleme mit der Finanzierung haben, falls man - wie gewünscht - in mehreren europäischen Ländern zum Zuge kommt. Der Grund: Allein mit den 43 Milliarden Euro aus dem Verkauf der ehemaligen Mannesmann-Tochter Orange an die France Télécom lassen sich die teuren Lizenzen schon fast bezahlen. Und wenn bei der Versteigerung in Deutschland die Preise niedriger ausfallen als kalkuliert, spart Vodafone bares Geld. Zusätzliche Einnahmen winken aus den geplanten Veräußerungen und Börsengängen alter Mannesmann-Geschäftsfelder. Den Anfang machte die Automotive- und Engineering-Sparte Atecs, die für knapp zehn Milliarden Euro an Siemens und Bosch ging.

"Kauf" oder gar "Starker Kauf" urteilen deshalb fast alle Analysten in- und ausländischer Bankhäuser. Zwar werden die Gewinne vor dem Hintergrund der teuren UMTS-Technik auf Jahre hinaus schmal ausfallen. Doch Vodafone werde die Kosten durch die Erlöse aus den Veräußerungen kompensieren können, sind sich die Experten sicher.

Chancen und Risiken liegen bei kaum einem anderen Blue Chip nach Meinung der Branchenexperten so dicht beieinander: Einerseits entfacht der zu erwartende UMTS-Handy-Boom Kursphantasien. Andererseits gilt: "Die UMTS-Lizenzen und der Netzaufbau kosten viel Geld. Niemand weiß, ob und wie die neuen Handys sich in Zukunft durchsetzen werden. Doch wenn sie ein Erfolg werden, ist Vodafone auf Grund seiner vielen Beteiligungen und weltweiten Präsenz überall mit dabei", meint André Buse von der Hamburgischen Landesbank.

Der Analyst empfiehlt den Wert mit einem Kursziel von 400 Pence. Sein Urteil: "Kauf - aber nur mit dem Zusatz: sehr spekulative Investition."

Die Risiken

Vodafone bietet in allen europäischen Kernländern um die begehrten UMTS-Lizenzen mit. Sollte das Unternehmen wie erwartet zum Zuge kommen, entstehen Kosten von rund 50 Milliarden Euro. Hinzu kommen hohe Ausgaben für den Aufbau der Infrastruktur. Experten glauben, dass es 20 oder 30 Jahre dauert, ehe sich der finanzielle Aufwand rechnen wird.

Frühestens im Jahr 2002 wird es in Europa die ersten Hochleistungshandys geben. Ungewiss ist, wie stark die Verbraucher die neue Technik nutzen werden. Die Konkurrenz unter den Anbietern wird zu Preiskämpfen führen, was wiederum die Firmenergebnisse belastet. Vodafone hat Beteiligungen in 24 Ländern. Das Geflecht ist unübersichtlich. Eine einheitliche Struktur ist noch in weiter Ferne. Umsatz- und Gewinnprognosen sind kaum möglich.

Die Chancen

Als weltweit agierender Konzern kann Vodafone von der UMTS-Technik stärker profitieren als seine Wettbewerber. Kursphantasie birgt die Chance, dass bei der Lizenz-Versteigerung in Deutschland die Preise niedriger ausfallen als kalkuliert. Vier Interessenten haben sich aus dem Bieterkreis vorzeitig verabschiedet. Ein Kaufrausch wie in London ist deswegen unwahrscheinlich.

Die Kosten für die UMTS-Lizenzen und den Aufbau der Infrasturktur finanziert Vodafone mit dem Verkauf der Mannesmann-Tochter Orange und der Veräußerung weiterer Geschäftsfelder.

Während der Deutschen Telekom ein internationales Konzept fehlt, ist Vodafone global ausgerichtet. Nach dem Mannesmann-Deal wurde mit der Beteiligung an Airtel ein weiterer wichtiger Fleck auf der Telekom-Landkarte erobert: Spanien ist die Eintrittskarte für Lateinamerika.

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