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10.07.2000

19:17 Uhr

Durch E-Commerce steigt die Macht der Einkaufsverbände

Andersen-Studie erwartet große Auswirkungen auf die Hausgeräte-Industrie

Hausgeräte-Hersteller, die nicht am elektronischen Handel teilnehmen, verlieren bis zum Jahr 2008 rund zwei Drittel des Weltmarktes, so eine neue Studie von Andersen Consulting.

gil DÜSSELDORF. Am E-Commerce führt kein Weg vorbei. Bis zum Jahr 2008 riskieren Hersteller zwei Drittel ihres Umsatzes, wenn sie sich dem Geschäft über das Internet verweigern. Dies ist die zentrale Aussage einer Studie von Andersen Consulting zu den Auswirkungen des elektronischen Geschäftsverkehrs auf die weltweite Hausgeräte-Branche.

Andersen Consulting hat im ersten Quartal dieses Jahres an Hand von Befragungen und eigenen Untersuchungen die Einstellung und Auswirkungen des elektronischen Geschäftsverkehrs auf die Hausgeräte-Branche untersucht. Die Beratungsfirma erwartet eine wachsende Bedeutung des Internets für die Branche. Lief 1998 erst 6 % des Umsatzes über elektronische Kanäle, so wird im Jahr 2003 dieser Anteil nach der Studie bereits 30 % betragen und ein Volumen von 47 Mrd. $ ausmachen, wobei Andersen nur Verkäufe der Hersteller an den Handel und direkt an Endverbraucher betrachtet und nicht Rationalisierungen über elektronischen Einkauf in der Produktion. "Durch E-Commerce steigt die globale Reichweite der Marken und werden neue Absatzkanäle erschlossen", so Hans-Dieter Lochmann, Geschäftsführer bei Andersen Consulting.

Die Studie erwartet die größten Auswirkungen im sogenannten B2B-Business, also dem Umsatz der Hersteller mit dem Handel, weniger im B2C-Business, dem direkten Absatz der Hersteller an die Privatkunden. Den Anteil des E-Business mit Privatkunden sieht die Studie in den USA und auch in Europa für das Jahr 2003 lediglich bei 8 %, dagegen werde 92 % mit dem Handel getätigt. "Der Trend zum E-Business wird in der Hausgeräteindustrie vom Handel getrieben", betont Andreas Bienert, Berater bei Andersen. Er erwartet, dass sich die großen Händler zu Handelsmarktplätzen zusammenschließen und starke Marktmacht ausüben. "Es wird ein Wiedererstarken der Einkaufsverbände durch E-Commerce geben", betont der Manager.

In den USA haben sich Anfang des Jahres zwei große Internet-Marktplätze im Handel gebildet, Netxchange und Retailexchange, in denen 16 große Handelsketten zusammen geschlossen sind mit einem Einkaufsvolumen von 475 Mrd. $. Sie haben angekündigt, offen für weitere Mitglieder zu sein. Gleichzeitig schließen sich in den USA aber auch in Deutschland kleinere Händler in elektronischen Verbünden wie Brandsource oder Ieq zusammen, die sich direkt an die Konsumenten wenden.

Einen Direktvertrieb der Hausgeräte-Hersteller über das Internet erwartet Andersen nicht. Hier sei die Gefahr für die Hersteller zu groß, den Handel zu verärgern und ausgelistet zu werden. Ansätze gebe es aber bereits. So verkaufe Bosch-Siemens in Hongkong direkt über das Internet, nicht aber in Deutschland. Andersen erwartet aber, dass die Hersteller das Internet verstärkt zur Information und für den Service nutzen werden.

Für den Handel bedeutete B2B ein erhebliches Rationalisierungspotential, das Andersen auf rund 20 % der Beschaffungskosten schätzt. Besonders beim Service und beim Bezug der Ersatzteile biete das Internet große Einsparungsmöglichkeiten. Dies wird laut Andersen den Konzentrationsdruck im Handel verstärken. Im deutschen Hausgerätemarkt gab es laut Studie 1998 über 4 000 unabhängige Händler, die 66 % des Umsatzes auf sich vereinigen. Für 2003 erwartet Andersen, dass der Umsatzanteil der unabhängigen Händler auf 33 % fallen wird, während weniger als 100 große Handelsketten knapp 70 % des Einkaufsvolumens beherrschen.

Im Einsatz von E-Commerce liegen amerikanische Hausgeräte-Hersteller nach den Ergebnissen der Studie noch weit vor den Europäern. "Die Europäer holen aber schnell auf", erwartet Lochmann von Andersen. Der Einsatz von E-Commerce bringe erhebliche Marktchance, wer nicht teilnehme, werde Marktanteile verlieren.

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