Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.01.2007

11:28 Uhr

E-Mail von der Wall Street

Comeback eines Spielers

Handelsblatt-Korrespondent Torsten Riecke schreibt an Nick Maounis. Der Manager hat zwar mit seinem Hedge-Fonds Amaranth vor wenigen Monaten negative Schlagzeilen gemacht, arbeitet jedoch bereits an einem neuen Projekt.

an: nick.maounis@amaranth.com

Hut ab. Vier Monate nachdem Sie, lieber Nick Maounis, mit ihrem Hedge-Fonds Amaranth gut sechs Milliarden Dollar innerhalb weniger Tage versenkt haben, planen sie bereits, eine neue Investmentfirma zu gründen. Das zeugt von Mut - oder besser gesagt von Chuzpe. Sind doch die Altlasten von Amaranth noch gar nicht abgearbeitet. Aufsichtsbehörden untersuchen noch und düpierte Investoren denken über eine Klage nach. Möglich ist so ein Comeback wohl nur in Amerika.

Nun sind Sie nicht der erste, der nach einer Pleite auf die Füße gefallen ist. Auch John Meriwether, dessen legendärer Hedge-Fonds Long Term Capital Management (LTCM) die Welt 1998 an den Rand einer Finanzkrise brachte, ist schon seit Jahren „back in business“ und verwaltet heute 2,6 Mrd. Dollar für betuchte Großanleger. Meriwether begann ebenfalls schon wenige Monate nach dem Zusammenbruch von LTCM, neue Gelder einzusammeln. Kürzlich wurde er von einer Fachzeitschrift für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Jeder muss zwar selbst wissen, wem er sein Geld anvertraut. Aber wundern muss man sich schon, wie kurz das Gedächtnis mancher Anleger ist.

Man sollte meinen, dass Sie beim zweiten Anlauf besonders vorsichtig sein werden, nachdem Sie sich mit Amaranth so die Finger verbrannt haben. Dass Sie Ihre neue Firma womöglich „Continuum“ nennen wollen, lässt allerdings schon Böses erahnen. Klingt doch mehr nach „weiter so“ als nach einem Neuanfang. Dafür spricht auch, dass Sie, lieber Herr Maounis, das Risikomanagement von Amaranth trotz der Milliardenverluste immer noch über den grünen Klee loben und es jetzt gar anderen Hedge-Fonds anbieten wollen. Schuld für die Pleite, so sagen Sie, sei vielmehr ein unerwarteter Rückgang der Gaspreise gewesen. Und ich dachte immer, dass ein effektives Risikomanagement den Schaden genau in solchen Fällen begrenzen würde.

So bleibt nur zu hoffen, dass Sie sich nicht wieder mit Ihrem früheren Gashändler Brian Hunter verbünden, der Amarnath mit seinen riskanten Wetten in den Abgrund gerissen hat. Auch Hunter sucht nach einem neuen Job. Zunächst will er jedoch erst einmal einen längeren Insel-Urlaub machen. Das sollten Sie besser auch tun, lieber Nick Maounis.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×