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01.02.2008

17:06 Uhr

E-Mail von der Wall Street

Kapitalisten wider Willen

VonTorsten Riecke

Es ist still geworden in Amerika. Seit große Wall-Street-Banken händeringend nach ausländischem Kapital suchen, um ihre Subprime-Verluste aufzufangen, hört man keinen Pieps mehr von den Protektionisten im US-Kongress. "Wir haben gar keine andere Wahl", sagte dazu erst kürzlich der US-Senator Charles Schumer.

Es ist noch nicht lange her, da brandmarkte der Demokrat den Betrieb von US-Häfen durch eine staatliche Gesellschaft aus Dubai als nationales Sicherheitsrisiko. Die Amerikaner sind eben sehr pragmatisch.

Nur Sie, lieber Larry Summers, haben kürzlich in Davos vor dem wachsenden Einfluss ausländischer Staatsfonds auf die Branche gewarnt: Die Investoren aus den Ölstaaten und Asien könnten ihre Beteiligungen für politische Zwecke missbrauchen. Aber ist das wirklich die größte Gefahr, die von den bislang so stillen Teilhabern des westlichen Finanzkapitalismus ausgeht? Oder ist es nicht gerade die selbst auferlegte Zurückhaltung dieser Investoren, die den US-Banken langfristig schadet?

Nach dem skandalösen Versagen des Risikomanagement an der Wall Street brauchen die Finanzhäuser keine schweigenden Teilhaber, sondern aktive und aggressive Aktionäre. Ohne den Druck der eigenen Anteilseigner, werden die Finanzprofis ihre Subprime-Sünden unter den Teppich kehren. Dort findet sie vielleicht das FBI. Aber das kann nicht im Sinne der Banken sein. Wenn die Branche vom Staat nicht an die Kette gelegt werden will, muss sie sich aus eigenen Kräften aus dem Morast der Hypothekenkrise ziehen. Das geht nur, wenn kritische Aktionäre das Management unter Druck setzen.

Um kein politisches Misstrauen zu wecken, haben die Kapitalgeber aus Fernost jedoch auf jegliche Einflussnahme verzichtet. Nicht einmal einen Sitz im Verwaltungsrat (Board) wollen sie. Kein Wunder, dass Banker sie mit offenen Armen empfangen. Geld her und Klappe halten, heißt die Parole. Stellen Sie sich vor, die Staatsfonds würden sich als echte Kapitalisten gebärden und den Bankern Feuer unter dem Hintern machen. Das wäre für die Wall Street ein Segen. Und der Kongress bekäme einen unverhofften Verbündeten bei den Aufräumarbeiten nach der Subprime-Krise. Ob die Öl-Scheichs und Kommunisten in Peking bereit sind, mehr Kapitalismus zu wagen?

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