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04.01.2008

08:59 Uhr

E-Mail von der Wall-Street

Rätselhaftes Vorbild

VonTorsten Riecke

Seit Jahrzehnten rätseln Investoren rund um den Globus, nach welcher Erfolgsformel Sie Ihr Geld anlegen. Die aufstrebenden Asiaten und die im Geld schwimmenden Ölscheichs haben die Gelegenheit bereits genutzt und sich in die Wall Street eingekauft.

Torsten Riecke ist Handelsblatt-Korrespondent in New York. Quelle: Handelsblatt

Torsten Riecke ist Handelsblatt-Korrespondent in New York.

an: warren.buffett@berkshire.com

Schlau geworden ist bislang niemand aus Ihnen, Mr. Buffett. Da wartet die Finanzwelt seit Monaten darauf, dass sie mit ihren 45 Mrd. Dollar in der Kriegskasse von Berkshire Hathaway eine angeschlagene Bank oder ein wackliges Brokerhaus zum Schnäppchenpreis kaufen. Die aufstrebenden Asiaten und die im Geld schwimmenden Ölscheichs haben die Gelegenheit bereits genutzt und sich in die Wall Street eingekauft. Und was machen Sie? Sie kaufen für 4,5 Mrd. Dollar die Mehrheit an dem Industriekonglomerat Marmon. Damit investieren sie in Tankwagen und Abflussrohre. Getreu nach dem Motto: ich investiere nur in Firmen, deren Produkte ich auch verstehe.

Auch ihren zweiten Schachzug zum Jahreswechsel hatte niemand erwartet. Viele hatten erwartet, dass Sie als Assekuranz-Profi einen der am Boden liegenden Kreditversicherer aufsammeln würden. Der Kurs des Marktführers MBIA ist schließlich um mehr als 70 Prozent gefallen. Statt billig zuzugreifen starten sie jedoch lieber einen eigenen Bondversicherer, der nun den angeschlagenen Platzhirschen das Geschäft abjagen soll.

Ihr dritter Deal hat die Finanzwelt ebenfalls verblüfft. Für 300 Mill. Euro übernehmen Sie den Rückversicherer NRG von der holländischen Großbank ING. Das ist zwar auf den ersten Blick sinnvoll, da Ihre Holding Berkshire bereits stark im Rückversicherungsgeschäft engagiert ist. Zugleich hat NRG jedoch zahlreiche Asbestklagen am Hals, die ein hohes Schadensersatzrisiko bergen. Warum belasten Sie sich mit solchen Unwägbarkeiten?

Die Antwort findet sich in der Bilanz von NRG. Dort stehen nämlich 575 Mill. Euro, angelegt in Staatsanleihen. Wie bereits bei einem ähnlichen Deal mit Lloyds of London setzen Sie auch diesmal darauf, dass Sie mit den zurückgelegten Mitteln kurz- und mittelfristig mehr Geld verdienen können als die Schadensersatzansprüche Sie langfristig kosten werden.

Solide Industriewerte, mutiges Unternehmertum und riskante Versicherungswetten - auf welche Formel lässt sich das bringen? Wer die Suche nach Ihrem Erfolgsgeheimnis aufgibt, kann sein Geld immer noch in Aktien von Berkshire anlegen.

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