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05.01.2007

16:25 Uhr

E-Mail von der Wall Street

Stille Erfolge gibt es nicht

VonTorsten Riecke

In seiner E-Mail an den Gründer der Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts, Henry Kravis, schreibt Torsten Riecke über das Misstrauen gegenüber der Branche und die Frage, wie man es schafft, 35 Firmen aus unterschiedlichen Branchen gleichzeitig zu führen.

NEW YORK. Erfolg und Heimlichtuerei vertragen sich auf Dauer nicht. Sie, lieber Henry Kravis, bekommen das im Moment besonders zu spüren. Alle Welt redet von Ihnen als „Mr. Private-Equity“, aber keiner kennt Sie wirklich. Seit fast 30 Jahren kaufen und verkaufen Sie Unternehmen. Insgesamt waren es 145. Morgen werden Sie 63 Jahre alt – und sind offenbar kein bisschen müde. Im Moment hat Ihre Gesellschaft KKR gerade 35 Firmen mit einem Umsatz von 95 Mrd. Dollar und 540 000 Mitarbeitern unter ihren Fittichen.

Angesichts dieser Zahlen ist es kein Wunder, dass immer mehr Leute Ihre Branche misstrauisch beäugen. „Die Öffentlichkeit will wissen, wer Corporate America aufkauft“, hat der legendäre Investmentbanker Felix Rohatyn kürzlich in den USA erklärt. Auch hier zu Lande fragen viele, wer sich hinter geheimnisvollen Namen wie KKR, Cerberus, Carlyle oder Blackstone verbirgt. Die Beschäftigten von Pro Sieben Sat 1 würden sicher gerne wissen, wie Sie so ticken als ihr neuer Chef, Herr Kravis. Und vor allem, wie Sie es schaffen, 35 Firmen aus unterschiedlichen Branchen gleichzeitig zu führen.

Das wachsende Misstrauen bringt die verschwiegenen Firmenjäger allerdings in eine Zwickmühle. Gründet sich ihr Erfolg doch vor allem darauf, dass sie in aller Stille wirken. Entsprechend schwer tun sich die Geheimniskrämer mit der ungewohnten Neugierde. Cerberus belässt es bei einer Webseite, Sie plaudern hin und wieder mal mit einem Reporter, und Ihr Kollege Stephen Schwarzman von Blackstone warnt öffentlich vor zu großen Einkommensunterschieden. Das wirkt ziemlich amateurhaft. So professionell wie Ihre Finanztransaktionen ist Ihre Öffentlichkeitsarbeit nicht.

Wenn Ihre Branche jetzt jedoch mit dem ersparten Geld von Pensionären Großunternehmen mit Milliardenerlösen und Tausenden von Mitarbeitern aufkauft, dann pochen Politiker und Aufsichtsbehörden zu Recht auf mehr Transparenz. Das haben inzwischen offenbar auch Sie und Ihre Kollegen gemerkt. So ist zu hören, dass demnächst in Washington die erste Lobby-Gruppe der Private-Equity-Branche ihre Arbeit aufnehmen wird. Das riecht allerdings mehr nach Kontrolle als nach Offenheit. Wenn Sie es wirklich ernst meinen, Herr Kravis, müssen Sie Ihre Tür schon etwas weiter aufmachen.

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