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11.01.2008

08:57 Uhr

E-Mail von der Wall Street

Total verrechnet

VonTorsten Riecke

Sie gelten gemeinhin als geschickter Dealmaker und sparsamer Bankchef in einer Person, Mr. Lewis. Das ist in dieser Krisenzeit an der Wall Street durchaus keine alltägliche Kombination. Doch Ihre Investitionsrechnung sieht gar nicht mehr so gut aus.

Torsten Riecke ist Handelsblatt-Korrspondent in New York. Quelle: Handelsblatt

Torsten Riecke ist Handelsblatt-Korrspondent in New York.

an: ken.lewis@bankofamerica.com

Als Chef von Bank of America können Sie gleich eine ganze Liste von Großaquisitionen in den letzten Jahren vorweisen. Der Übernahme von Fleet Boston folgte der Kauf des Kreditkartenanbieters MBNA. Zuletzt kamen noch der Vermögensverwalter US Trust und die Lasalle Bank in Chicago dazu.

Auch Ihr letzter Deal, die Investition von zwei Mrd. Dollar in den landesweit größten Baufinanzierer Countrywide schien auf den ersten Blick ein wahrer Geniestreich. Haben Sie sich doch durch die Kapitalhilfe für den angeschlagenen Hypothekenanbieter das Recht gesichert, ihre Vorzugsaktien in Stammaktien zum Preis von 18 Dollar umzutauschen. Immerhin ein Abschlag von 26 Prozent auf den damaligen Börsenkurs. Hätten Sie damals im August vergangenen Jahres direkt zugeschlagen und getauscht, hätten sie einen Buchgewinn von 700 Mill. Dollar verbuchen können.

Inzwischen ist Countrywide immer tiefer in den Strudel der Immobilienkrise geraten. Die Zahl der Zwangsvollstreckungen und überfälligen Tilgungen steigt derart dramatisch, dass der Baufinanzierer diese Woche erneut Konkursgerüchte dementieren musste. Die Börse hat empfindlich reagiert und den Kurs in den letzten fünf Tagen noch einmal um mehr als 40 Prozent gedrückt. Ganze fünf Dollar ist das Papier heute noch wert.

Ihre Investitionsrechnung sieht jetzt gar nicht mehr so gut aus, Mr. Lewis. Von den zwei Mrd. Dollar sind nur noch etwas mehr als eine halbe Mrd. Dollar übrig geblieben. Ihr Vorkaufsrecht ist wertlos. Sie können jetzt also noch mehr Geld in die Hand nehmen und den ganzen Laden aufkaufen. Genau das haben Sie offenbar vor und führen jetzt Übernahmegespräche. Ob sich dieser Deal besser rechnet als der erste, ist jedoch offen. Sollte sich die Lage auf dem amerikanischen Immobilienmarkt nicht bald bessern, könnte Countrywide am Ende doch noch die Luft ausgehen. Das würden dann auch Ihre gebeutelten Aktionäre spüren. In den letzten drei Monaten ist der Aktienkurs Ihrer Bank ohnehin schon um mehr als ein Viertel gefallen.

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