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18.01.2008

08:17 Uhr

E-Mail von der Wall Street

Wall Street for Sale

VonTorsten Riecke

Als diese Woche die beiden Großbanken Citigroup und Merrill Lynch eine Finanzspritze von zusammen knapp 20 Mrd. Dollar aus dem Ausland erhielten, titelte die New Yorker Boulevard-Zeitung Daily News: "America for Sale." Solche Schlagzeilen wecken böse Erinnerungen an die 80er-Jahre.

an: henry.paulson@us-treasury. gov

Damals fürchtete Amerika ebenfalls den Ausverkauf des Landes, nachdem die japanische Mitsubishi das Rockefeller Center mitten in New York übernommen hatte. Für viele US-Bürger war das eine traumatische Erfahrung. Auch heute fühlen sich viele in ihrem Stolz verletzt, wenn Ölscheichs und asiatische Staatsfonds die Blue Chips der Wall Street aufkaufen.

Es ist noch nicht lange her, da musste Amerika während der Finanzkrise in Asien den damals am Boden liegenden Schwellenländern zur Hilfe eilen. Jetzt haben sich die Kapitalströme umgekehrt. Zuerst horteten die asiatischen Zentralbanken Dollar und kauften dann dafür massenhaft US-Staatsanleihen. Damit finanzierten sie einen Kaufrausch auf Pump in Amerika.

Jetzt, da die Subprime-Krise den irrationalen Überschwang ziemlich abrupt beendet hat, stehen die Amerikaner plötzlich blank da. Insbesondere die Banken haben sich derart verspekuliert, dass sie ohne die Kapitalhilfen aus China, Singapur, Japan, Korea, Kuwait, Saudi-Arabien und Abu Dhabi nicht überleben könnten. Den Politikern wird angesichts des Ausverkaufs an der Wall Street mulmig zumute. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton macht sich "Sorgen". Ihr Parteikollege Charles Schumer räumt derweil ein, dass die klammen US-Banken keine eine andere Wahl hätten, als die Hand aufzuhalten.

Noch liegen die Beteiligungen unterhalb der Fünf-Prozent-Marke und werden damit vom Radarschirm einer staatlichen Kontrolle nicht erfasst. Sie, lieber Hank Paulson, dürften im Wahljahr 2008 dennoch alle Mühe haben, die protektionistischen Reflexe ihrer Landsleute unter Kontrolle zu halten. Vielleicht hilft Ihnen dabei ein Rückblick auf die Hysterie vor 20 Jahren. Die Japaner hatten damals nicht nur viel zu viel für das Rockefeller Center bezahlt, sondern mussten wenige Jahre später die Kontrolle über die New Yorker Ikone wieder abgeben.

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