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26.01.2007

11:31 Uhr

E-Mail von der Wall Street

Was kostet die Welt?

VonTorsten Riecke

Das waren Zeiten, als die Erbsenzähler der Bundesbank die umlaufende Geldmenge fest im Griff hatten. Heute glauben nur die monetaristischen Gralshüter bei der Europäischen Zentralbank, dass man die monetäre Flut noch kontrollieren kann.

Torsten Riecke ist Korrespondent des Handelsblatts in New York. Quelle: Handelsblatt

Torsten Riecke ist Korrespondent des Handelsblatts in New York.

an: ben.bernanke@fed.org.

Der Rest, wie Sie lieber Ben Bernanke und ihre Kollegen von der US-Notenbank, hat das Zählen längst aufgegeben. Kein Wunder, schwimmt die Weltwirtschaft doch in einem Meer von Liquidität. Geld ist heute zu einem billigen, allseits verfügbaren Rohstoff geworden. Private-Equity-Firmen werden mit dem Geld ihrer Investoren überschwemmt. Was ihnen noch zur Finanzierung milliardenteurer Firmenkäufe fehlt, besorgen sie sich ohne Probleme auf den Kreditmärkten. Den Hedge-Fonds geht es ganz genauso. Sie können sich inzwischen ihre Investoren aussuchen und weisen auch schon mal betuchte Geldgeber ab. Für ihre riskanten Spekulationen können auch sie sich aus dem scheinbar unerschöpflichen Kredittopf der Banken bedienen.

Die Geldschwemme hat Ihren Kompass als Notenbanker ganz schön durcheinander gebracht. Sind die langfristigen Zinsen niedriger als die kurzfristigen, deutet das normalerweise auf eine Rezession hin. Heute sind aber nicht nur die Zinsen für lang laufende Staatsanleihen niedrig, sondern auch die Kreditkosten für Unternehmen und Länder mit aufstrebenden Volkswirtschaften. Das heißt eigentlich: Es geht aufwärts. Der Grund für diese Schizophrenie der Märkte: Die Anleger kaufen alles, was auch nur die kleinste Rendite verspricht. Sie, Chairman Bernanke, haben dieses Phänomen mit einer „globalen Flut von Ersparnissen“ erklärt.

Mit der Geldschwemme lässt sich die Standfestigkeit der Weltwirtschaft ebenso erklären wie die ungetrübte Laune an den Börsen. Auch die globale Fusionswelle unter den Unternehmen wird zum großen Teil aus dem Liquiditätsmeer gespeist. Zugleich tauchen aber neue Fragen auf: Wer bremst den Wagemut risikofreudiger Investoren, wenn niemand mehr finanzielle Verluste fürchten muss? Die Antwort: Der nächste Crash. In der Natur des Geldes liegt es nämlich, dass es quasi über Nacht versiegen kann. Finanzkrisen sind zwar seltener, dafür aber umso gefährlicher geworden. Ruhiger schlafen können Sie, lieber Ben Bernanke, deshalb nicht.

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