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03.01.2001

23:36 Uhr

HAMBURG. Die Abwehrfront der Musikindustrie gegen die umstrittene Online-Musiktauschbörse Napster bröckelt. Die am Neuen Markt notierte Edel Music AG, Hamburg, wird ihren Musikkatalog (u.a. Blümchen, Atemlos, Orange Blue) bei Napster einstellen, sobald es bei der Online-Musikbörse - wie angekündigt - einen geschlossenen Abonnentenservice gibt. "Wir haben mit Napster einen umfangreichen Kooperationsvertrag geschlossen", erklärte ein Sprecher des europaweit größten konzernunabhängigen Musikverlages.

Auch Andreas Schmidt, Präsident und Chief Executive Officer der Bertelsmann E-Commerce- Group (BeCG), bestätigte auf Anfrage die strategische Partnerschaft. "Für Napster ist dies ein bedeutender Schritt", meint Schmidt. Die BeCG hatte im Oktober eine Kooperation mit der US-Musiktauschbörse vereinbart und strebt eine Mehrheitsbeteiligung an Napster an.

Damit ist die Edel Music AG nach der Bertelsmann-Tochter BMG der zweite namhafte Musikverlag, der sein Repertoire zum Herunterladen im künftigen Napster - Abonnentenkreis freigibt.

Ihren Widerstand gegen die amerikanische Internettauschbörse könnte möglicherweise demnächst auch die Emi Music aufgeben. Denn Bertelsmann strebt eine Übernahme des britischen Musikkonzerns an. Sollte dies den Güterslohern gelingen, rechnen Branchenexperten damit, dass die Emi ebenfalls mit Napster kooperieren wird.

Zum Hintergrund: Die Bertelsmann AG versucht seit längerem in intensiven Verhandlungen, die großen Musikproduzenten dazu zu bewegen, ihre Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen gegen Napster zurückzuziehen.

Sollte die Klagefront weiter bröckeln, ist mit einem baldigen Einstieg des Gütersloher Mediengiganten bei der Online-Musiktauschbörse zu rechnen. Bertelsmann hat bislang lediglich eine Option auf die Napster-Mehrheit vereinbart, um nicht in die Rechtsstreitigkeiten von Napster mit den US-Musikmultis verwickelt zu werden. Die Internettauschbörse hatte vor kurzem angekündigt, ihr Geschäftsmodell zu ändern. Danach sollen die Mitglieder künftig gegen eine Monatsgebühr pauschal die Musikstücke der angeschlossenen Labels untereinander abrufen. Napster verfügt über 45 Millionen Nutzer, die die Musikstücke per Internet bislang kostenlos austauschen können. Mit der Kooperation an Napster konzentriert sich Edel verstärkt auf das Kerngeschäft. Das Unternehmen will sich nach Informationen aus Bankenkreisen von seinem Aktienanteil an dem am Neuen Markt notierten Musiksender Viva AG trennen.

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