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20.01.2004

15:00 Uhr

Edelfüller als Sammlerstück

Wie ein Füller zum Kunstwerk wird

VonUte Latzke (Handelsblatt.com)

Nicht nur Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl und Regisseur Wim Wenders haben einen, auch öffentliche Museen reißen sich um den Füller aus Grenadillholz mit Goldfeder in limitierter Auflage.

Ein Füllfederhalter mag in der heutigen digitalen Welt der Bits und Bytes altbacken wirken. Aus seltenem Grenadillholz mit Goldfeder in einer Auflage von nur 50 Stück - da wird der Edelschreiber jedoch ganz schnell zum "Must-have" für den Individualisten. Grenadill ist ein sehr seltenes afrikanisches Savannenholz, das seit rund 5500 Jahren zu Schmuck, Intarsien und Schachfiguren verarbeitet wird. Wegen seiner Härte und Ebenmäßigkeit eignet es sich ganz besonders zur Herstellung von Blasinstrumenten wie Flöten und Oboen - oder eben als Schaft für einen Füller.

Für die Verarbeitung des edlen Holzes zum Füller braucht man viel Zeit und Geduld. Und genau das ist es, was den Designer Stefan Fink reizt. Denn für ihn ist die Arbeit mit Holz kein Handwerk, sondern eine "Liebesbeziehung". So macht sich der aus 42-Jährige mit viel Hingebung an die Herstellung der gedrechselten Schönheiten: Schließlich sind rund 300 Handgriffe nötig, um aus dem Holzstück ein handgearbeitetes Unikat zu fertigen. Außerdem ist die Bearbeitung von Grenadill-Holz eine sehr aufwändige und heikle Angelegenheit. Dass Fink der "Diva" unter den Hölzern nicht auch noch gut zureden muss, überrascht fast: Erst nach drei Jahren Schönheitsschlaf im Kellerregal und zehnmaligem Wenden zum Trocknen wandern die zugeschnittenen Rohlinge in die oberste Ablage und kommen dann in die Werkstatt.

Erst dann verpasst Fink den Hölzern Bohrungen für die Mechanik, drechselt sie in Form und legt sie in ein Ölbad. Ein Woche müssen die Füllerschäfte aushärten, damit sie passgenau zugerichtet und die Metallteile aus Edelstahl eingebaut werden können. Am Ende der Produktion krönt eine achtzehnkarätige Goldfeder mit Federkorn und einer Iridiumlegierung das Kunstwerk.

Fink fertigt nicht mehr als 130 Schreibgeräte pro Jahr - und mehr sollen es auch nicht werden. Schließlich will er weiter Spaß an seiner Arbeit haben und die Qualität der edlen Füllfederhalter gewährleisten. Deshalb hat der Holzdesigner, der auch Tische und Accessoires herstellt und schon mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet wurde, seine Auflagen limitiert.

So viel Handwerkskunst hat ihren Preis:1000 Euro sollte dem Kunden ein Unikat inklusive eines handgefertigten Lederetuis schon wert sein. Und offenbar ist es das: Neben Mitgliedern des Hamburger Senats, Reedern und Staatsanwälten zählt Stefan Fink Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, Schauspieler Stefan Kurz und Filmregisseur Wim Wenders zu seinen Kunden. In Japan sind seine Edelschreiber Kultobjekte - ein Galerist brachte Fink einst mit der anspruchsvollen Kundschaft in Nippon zusammen. Designer Fink hat es mit seinen Schreibgeräten hierzulande sogar schon ins Museum gebracht. Unter anderem zeigen das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg und das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt seine Füller.

Weitere Information unter: www.handelsblatt-shop.com

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