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23.01.2002

08:01 Uhr

Edzard Reuter legt Amt nieder

Bank Berlin will Rückstellungen auflösen

Die angeschlagene Bankgesellschaft Berlin erwägt Aufsichtsratskreisen zufolge die Auflösung von Rückstellungen, um für das Jahr 2001 ein etwa ausgeglichenes Ergebnis vorzulegen.

rtr BERLIN. Die Bank gehe davon aus, dass ein möglicher operativer Verlust durch die Auflösung von Rückstellungen ausgeglichen werden könnte, verlautete am späten Dienstagabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrats aus den Kreisen. Dies habe der Vorstand als mögliche Entwicklung des Jahresabschlusses 2001 dargestellt. "Es gibt eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt", hieß es. Details und konkrete Zahlen habe der Vorstand aber nicht genannt. Das Führungsgremium habe zudem seine Sanierungspläne weiter konkretisiert.

Die Angaben aus den Aufsichtsratskreisen bestätigten Presseberichte, wonach Rückstellungen für den Immobilienbereich von 249 Mill. ? wegen der vom Land Berlin angekündigten Abschirmung der Immobilien-Altrisiken aufgelöst werden könnten. Die Bank hatte bereits Ende des vergangenen Jahres angekündigt, wegen der Risikoabschirmung rechne sie für 2001 mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Vor allem wegen Verlusten im Immobiliengeschäft hatte die Bankgesellschaft 2000 einen Fehlbetrag von 1,65 Mrd. ? ausgewiesen.

Der Berliner Senat, der als Mehrheitseigner rund 81 % der Bankgesellschaft hält, hatte beschlossen, die Immobilien-Altrisiken der Bank zu übernehmen. Dem muss noch die EU-Kommission zustimmen, der bis zum 28. Januar ein Sanierungskonzept für die Bank vorliegen muss. Der Vorstand ließ den Kreisen zufolge in der Aufsichtsratssitzung ein von der Boston Consulting Group erarbeitetes Papier zur geplanten Sanierung erläutern. Demnach sollen in den kommenden Jahren im Zuge der Umstrukturierung bis Ende 2005 voraussichtlich rund 100 Geschäftsstellen der Bankgesellschaft geschlossen werden. Für den gleichen Zeitraum sehen die Sanierungspläne der Bank bereits den Abbau von rund 4000 Stellen vor und die Senkung von Personal- und Sachkosten um 450 Mill. ?.

Der Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrats, Edzard Reuter, kündigte den Kreisen zufolge in einem Schreiben an, er werde sein Amt niederlegen. Während der Aufsichtsratssitzung hatte das Gremium zudem beschlossen, mit sofortiger Wirkung die Verträge zweier ehemaliger Vorstandsmitglieder zu kündigen. Die Dienstverträge von Thomas Kurze und Lothar Wackerbeck seien aus wichtigem Grund außerordentlich gekündigt worden, teilte die Bank mit, ohne Gründe oder Details zu nennen. Wackerbeck und Kurze hatten zuvor im Gespräch mit Reuters in der Presse bekannt gewordene Vorwürfe zurückgewiesen, sie hätten unangemessenen Einfluss auf einen Fonds der Bank ausgeübt. Kurze und Wackerbeck waren Ende November aus dem Vorstand der Bank ausgeschieden, hatten aber nach eigenen Angaben bis zuletzt noch laufende Verträge bis Ende 2002.

Der neue Berliner Wirtschaftssenator Gregor Gysi (PDS) räumte unterdessen ein, einen Immobilienfonds der Bank gezeichnet zu haben. Einige der Fonds gelten als umstritten, weil sie Ausschüttungen auch bei unzureichenden Einnahmen garantieren. Gysi sagte dem "Tagesspiegel", bei der Zeichnung im August 2001 habe er ausdrücklich nachgefragt, ob es sich um ein Steuersparmodell handele, was er abgelehnt hätte. Ein Sparkassen-Angestellter habe ihm versichert, dies sei nicht der Fall. Gysi sagte der Zeitung weiter, er habe die Bank am Sonntag angewiesen, seinen Fonds-Anteil zurückzugeben, "um auch nur den Anschein einer Interessenkollision zu vermeiden".

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