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07.08.2000

09:30 Uhr

EEX-Vorstand sendet einen Tag vor Börsenstart Kooperationssignale aus

Frankfurter Strombörse möchte mit Leipziger Konkurrenz fusionieren

Einen Tag vor dem Start der zweiten deutschen Strombörse hat der Vorstand der Frankfurter Strombörse EEX , Hans Schweickhardt, der bereits im Markt etablierten Konkurrenz von der Leipziger Strombörse LPX Avancen gemacht. Im Gespräch mit Handelsblatt.com zeigte sich LPX-Geschäftsführer Carlhans Uhle von dem Kooperationsangebot überrascht. Vor intensiven Verhandlungen muss die Konkurrenz aus Frankfurt seiner Auffassung nach zunächst unter Beweis stellen, dass auch ihr Konzept praxistauglich ist.

jgo BERLIN/LEIPZIG. Die Tageszeitung "Die Welt" hatte EEX-Vorstand Schweickhardt mit den Worten zieitert: "Zwei Strombörsen in Deutschland sind unnötig." Hierdurch entstünden lediglich Kosten, die letztlich die Marktteilnehmer tragen müssten. Auf Anfrage sagte LPX-Geschäfftsführer Uhle, er nehme an, dass die Erfolge des Leipziger Modells die Konkurrenz aus Frankfurt dazu bewegt habe, Kooperationsbereitschaft zu äußern. Es sei aber falsch zu glauben, die Leipziger Strombörse sei entbehrlich gewesen. "Ohne uns gäbe es keine Liberalisierung des Strommarktes, und ohne uns hätte Frankfurt auch nicht sein Handelssystem umgestellt", sagte Uhle.

Frankfurt habe ursprünglich nur einen Strommarkt mit physischer Lieferung anbieten wollen und keinen echten Spotmarkt, sagte Uhle. "Ich würde um einen Kasten Champagner wetten, dass die nach unserem Vorbild nun auch einen Spotmarkt bringen werden", sagte Uhle.

Ein EEX-Sprecher sagte Handelsblatt.com hingegen, das Modell sei völlig unabhängig entwickelt worden. "Die europäische Energiewirtschaft hat sich dafür entschieden, dass wir beides, Blockhandel und Stundenhandel, bieten", sagte der Sprecher. "Wir haben fortlaufenden Handel, Leipzig nicht. Unser Ansatz ist ganz anders, also nicht vergleichbar", fügte der Sprecher hinzu. Auch sei das Wort "Fusion" derzeit nicht angebracht. Die Interviewaussagen des EEX-Vorstandes sollten nicht überinterpretiert werden.

LPX-Geschäftsführer Uhle sagte, er wisse nicht, ob es sich bei dem Angebot aus Frankfurt um eine Drohung oder Kooperationsbereitschaft handele. "Wir haben immer gesagt: Unsere Tür steht offen. Jetzt muss Frankfurt unter Beweis stellen, dass deren Konzept auch tauglich ist", fügte Uhle hinzu.

Gehandelte Strommenge hat sich seit dem Start mehr als vervierfacht

Die Mitte Juni gestartete Strombörse hat sich nach seinen Worten sehr gut entwickelt. Die durchschnittlich am Tag gehandelte Strommenge sei von 2000 Megawattstunden auf mittlerweile 9000 Megawattstunden gestiegen; die Resonanz der Marktteilnehmer sei schon jetzt sehr positiv. Allerdings werde es noch bis etwa Ende nächsten Jahres dauern, bis von einem wirklich liberalisierten Markt gesprochen werden könne. "Wenn Sie jahrelang Monopolist gewesen sind, dann fällt es Ihnen schwer, sich auf eine Börse einzustellen", sagte Uhle.

Die Leipziger Strombörse, die sämtliche Transkationen über das Internet abwickelt, will sich In den nächsten Jahren zum Handelsplatz für ein Fünftel des gesamten deutschen Strombedarfs entwickeln. Gestartet wurde zunächst mit einem Spotmarkt. Später soll ein Terminmarkt folgen, bei dem sich die Marktteilnehmer mit Derivaten, beispielsweise Optionen und Futures gegen Preisschwankungen absichern.

Auch die European Energy Exchange (EEX) hat angekündigt, vergleichbare Serviceleistungen anzubieten. Zum Sportmarkt soll im vierten Quartal ein Terminmarkt hinzukommen.

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