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31.01.2002

17:04 Uhr

Ehefrau im sechsten Monat schwanger

Zeitung appelliert an Entführer von US-Reporter

Die Chefredaktion der Tageszeitung "Wall Street Journal" hat am Donnerstag an mutmaßliche moslemische Extremisten in Pakistan appelliert, einen entführten Reporter des Blattes nicht hinzurichten. Managing Editor Paul Steiger bot den Entführern an, deren Vorstellungen in der Zeitung darzustellen.

Reuters LONDON/ISLAMABAD. Die mutmaßlichen Kidnapper hatten am Mittwoch damit gedroht, den 38-jährigen Daniel Pearl innerhalb von 24 Stunden umzubringen, wenn die USA nicht die pakistanischen Gefangenen des Krieges in Afghanistan freiließen. Am Donnerstag verlängerten die Entführer ihr Ultimatum um einen Tag.

In der in London veröffentlichten Erklärung Steigers hieß es, eine Tötung Pearls werde zu nichts Gutem führen. "Ich empfehle, dass Ihr Danny (Daniel Pearl) eine detaillierte Liste mit Themen und Beschwerden gebt, die für Euch wichtig sind", fügte Steiger hinzu. "Mit dieser Information kann Danny nach seiner Freilassung vor die Welt treten und Eurer Gruppe zu der einmaligen und nicht da gewesenen Möglichkeit verhelfen, der gesamten Welt euren Standpunkt mitzuteilen." Steiger verwies auch auf den Appell von Pearls schwangere Frau, die an die Entführer appelliert hatte, das Leben ihres Mannes zu verschonen.

Sie hatte dem US-Sender CNN am Mittwoch gesagt, sie sei mit ihrem Mann nach Pakistan gekommen, um mehr über die Menschen dort zu erfahren und deren Ansichten wiederzugeben. Sie hätten beide nach Wegen zu einem Dialog gesucht. Die im sechsten Monat schwangere Frau ist auch Journalistin; sie und ihr Mann haben Interviews meist gemeinsam geführt. In der Nacht der Entführung habe sie sich krank gefühlt und sei nicht mitgekommen, sagte sie.

Warnung an US-Journalisten

Pearl war in der vergangenen Woche nach Recherchen über islamische Extremisten in Karatschi verschwunden. Er recherchierte über eine Geschichte über den Briten Richard Reid, der auf einem Flug in die USA versucht hatte, Sprengstoff in seinen Schuhsohlen zur Explosion zu bringen.

Bei US-Medien waren am Mittwoch mehrere E-Mails einer Gruppe mit den Namen "Nationale Bewegung für die Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität" eingegangen, die mit der Ermordung des Reporters drohte. Als Anhang schickten die Absender Fotos des Reporters mit gefesselten Händen. Auf einem Bild wird ihm eine Pistole an seinen Kopf gehalten. Sie werfen Pearl vor, er arbeite für den israelischen Geheimdienst Mossad. Die Zeitung wies dies zurück. In den E-Mails werden zudem alle US-Journalisten aufgefordert, Pakistan innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Unter ihnen seien viele Spione. Sollten sie dieser Aufforderung nicht nachkommen, würden sie ins Visier genommen. In einer am Donnerstag an die pakistanische Tageszeitung "Jang" gesandten E-Mail verlängerte die Gruppe ihr Ultimatum. "Wir geben euch einen Tag mehr. Wenn Amerika unsere Forderung nicht erfüllt, werden wir Daniel töten", zitierte ein Redakteur des Blattes aus der E-Mail.

Der Sprecher des pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf, Generalmajor Rashid Qureshi, sagte, es gebe eine "indische Verbindung" bei der Entführung Pearls. "Es ist sehr, sehr unglücklich. Ich kann zu diesem Zeitpunkt nicht in Details gehen, aber wir untersuchen das (die Verbindung)", sagte Qureshi. Das indische Außenministerium wies die Vorwürfe zurück. Die Vorwürfe seien durch und durch lächerlich, sagte ein Sprecher des Ministeriums. Indien und Pakistan gelten als Erzfeinde und haben dreimal gegeneinander Krieg geführt.

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