Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2003

15:51 Uhr

"Eigenkapitalausstattung der Banken ist gut"

Raiffeisenbanken rechnen mit mehr Kreditausfällen

Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken rechnen 2003 wegen der schwachen Konjunktur mit einem harten Geschäftsjahr und zunehmenden Risiken bei Kreditausfällen. Zudem schließt der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) ein Abgleiten in eine Rezession in Deutschland nicht mehr aus.

Reuters BERLIN. "Wie schwierig das Jahr 2003 nach unserer Einschätzung wird, dass mögen Sie daran erkennen, dass wir den Beitragssatz für unsere Sicherungseinrichtung relativ stark nach oben gesetzt haben - nämlich auf 1,75 Promille (des Kundenkreditvolumens)", sagte Verbandspräsident Christopher Pleister am Montag bei der Jahrespressekonferenz des BVR in Berlin. Dies seien die Risiken, die im laufenden Jahr für die genossenschaftlichen Banken zu erkennen seien. Damit trage man auch der aktuellen Konjunkturschwäche Rechnung.

2002 hatte der Beitrag der Volks- und Raiffeisenbanken für die Sicherungseinrichtung, die in etwa mit dem Einlagensicherungsfonds der privaten Banken vergleichbar ist, nur 1,1 Promille des Kreditvolumens betragen.

Ein Abgleiten der deutschen Wirtschaft in die Rezession hält der BVR nicht für ausgeschlossen. Wegen der schwachen Binnenkonjunktur, der Irak-Krise und des starken Euro könne mit einer Erholung nicht vor dem zweiten Halbjahr gerechnet werden.

Beitrag zur Sicherungseinrichtung auf 1,75 Promille erhöht

Zur Erhöhung der Beiträge der einzelnen Verbandsmitglieder auf 1,75 Promille des Kreditvolumens sagte Pleister: "Das sind die Risiken, die im Geschäft der Volksbanken und Raiffeisenbanken erkennbar sind." BVR-Vorstandsmitglied Jochen Lehnhoff sagte, es sei davon auszugehen, dass durchschnittlich 20 bis 25 der knapp 1500 Institute die Hilfe des Fonds in Anspruch nähmen. Der Verband will am 26. März die Reform seiner Sicherungseinrichtung abschließen und die Beitragszahlungen ab 2004 nach der Bonität der Mitgliedsbanken staffeln. Im Dezember war die notwendige Dreiviertelmehrheit für eine Satzungsänderung verfehlt worden.

Mit Blick auf das abgelaufene Geschäftsjahr sagte Pleister, die Eigenkapitalausstattung der Banken sei gut. Die allgemeine Ertragslage halte er für "verbesserungsnotwendig". "Wir müssen alle Anstrengungen übernehmen, um bei Vertrieb und Kosteneinsparungen besser zu werden." Die Banken hätten das Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von 0,80 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme zum Vorjahr minimal um 0,08 Prozentpunkte gesteigert. Die Zielmarke von 1 Prozent werde man auf Grund derzeit fehlender Anzeichen für ein Anziehen der Wirtschaft nicht erreichen, sagte Pleister. Der Jahresüberschuss vor Steuern sei um 0,06 Prozentpunkte auf 0,43 Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme gestiegen, die addierte Bilanzsumme um 1,3 Prozent auf 560 Milliarden Euro gewachsen.

Voraussetzung für eine leichte Erholung der deutschen Konjunktur ab dem Sommer ist nach BVR-Einschätzung, dass ein Irak-Krieg verhindert werden könne oder nur kurz dauere, damit der Ölpreis sinkt. Selbst in diesem günstigen Fall werde die deutsche Wirtschaft höchstens 0,75 Prozent wachsen. "Wir haben eine Stagnation oder eine Rezession", sagte Pleister zur aktuellen Situation in Deutschland.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×