Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2003

08:16 Uhr

Eigenständigkeit des Instituts soll beibehalten werden

M.M. Warburg setzt auf neue Struktur

Das Hamburger Bankhaus M.M.Warburg & CO hat eine Holdinggesellschaft gegründet. Damit will die zweitgrößte deutsche Privatbank eine bessere Risikoabgrenzung zwischen den Geschäftsfeldern erreichen.

lip HAMBURG. Die Privatbank M.M. Warburg & CO KGaA bekommt eine neue Struktur. Rückwirkend zum 1. Januar 2002 hat sie eine Holding unter dem Namen M.M. Warburg Gruppe KGaA gegründet. Der gesellschaftsrechtliche Umbau der Bank wurde am 28. Dezember 2002 von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) genehmigt.

Dies erklärte Erwin Möller, neuer Aufsichtsratsvorsitzender der M.M. Warburg-Gruppe, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der ehemalige Vorstand des Haftpflichtverbandes der Deutschen Industrie (HDI) und langjähriges Aufsichtsratsmitglied der Hannover Rück hatte vor einigen Monaten den Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert abgelöst. Gellert ist derzeit als Treuhänder für die Aktien von Gerhard Schmid, Firmengründer der Mobilcom AG in Büdelsdorf, im Gespräch.

M.M.Warburg will mit dem strukturellen Umbau eine klarere Risikoabgrenzung zwischen ihren Geschäftsfeldern vornehmen. So werden das Bankgeschäft, die Immobilien- sowie die Schiffsaktivitäten künftig jeweils getrennt als eigene Gesellschaften geführt. Damit sollen möglicherweise entstehende Haftungsrisiken beispielsweise aus dem Immobiliengeschäft nicht auf den Bankbetrieb durchschlagen. Zudem erleichtert das Institut der BaFin die Arbeit. "Wenn die Bankenaufsicht Routinekontrollen macht, kann diese leichter unterscheiden, was echtes Bankgeschäft und was sonstiges Geschäft ist", betont Möller.

Die Eigentümerstruktur wird durch die neue Dachgesellschaft nicht verändert. "An der Holding sind die selben Eigentümer beteiligt wie an der bisherigen M.M. Warburg & Co KGaA", erklärt Möller. Welche Anteilseigner aber in welcher Höhe an der Privatbank beteiligt sind, wollte er nicht sagen. Nach Informationen des Handelsblatts gehören neben Christian Olearius sowie Max Warburg, beide persönlich haftende Gesellschafter, unter anderem auch Otto Gellert, eine Schweizer Großfamilie sowie weitere namhafte vermögende Hamburger Privatleute zu den Eigentümern.

Auch an ihrer Eigenständigkeit will die Privatbank offenbar weiter festhalten. In Hamburger Finanzkreisen wird allerdings vermutet, dass durch die Holding Veränderungen im Aktionärskreis erleichtert werden sollen, falls möglicherweise kleinere Anteilseigner aussteigen wollen.

Damit will Inhaber Christian Olearius seine Macht in dem vor mehr als 200 Jahren gegründeten Bankhaus weiter stärken. Er gilt seit Jahren als die Triebfeder des Instituts. So hatte der nicht aus dem Warburg-Clan stammende Manager in den vergangenen Jahren die Ausrichtung des Bankhauses auf die Vermögensbetreuung und-verwaltung wohlhabender in- und ausländischer Familien maßgeblich vorangetrieben. Dabei erlebte M.M. Warburg Anfang 2000 aber einen herben Rückschlag: So parkten die beiden Söhne des nigerianischen Ex-Diktators Sani Abacha Staatsgelder auf Konten der Luxemburger M.M. Warburg-Tochter. Im Mai des Jahres wurde das Geld von der Staatsanwaltschaft eingefroren. Damals tauchten Gerüchte auf, dass Teile des Abacha-Kapitals aus dem Ausland auch auf Konten der Hamburger Konzernzentrale geflossen sein sollen. Christian Olearius hat dies aber immer vehement bestritten. Der Fall hat möglicherweise den gesellschaftsrechtlichen Umbau des Bankhauses beschleunigt: Olearius soll danach von den zuständigen Behörden gedrängt worden sein, deutlich klarere Strukturen zu schaffen, um der BaFin die Kontrollen zu erleichtern. Auch dies wird allerdings von der Bank zurückgewiesen.

M.M. Warburg hatte in 2001 einen deutlichen Rückgang im Ergebnis hinnehmen müssen. So sank der Jahresüberschuss auf 30,8 (46,8) Mill. Euro.

Quelle: Handelsblatt

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×