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29.06.2000

19:00 Uhr

Die Daimler-Chrysler-Zentrale in Stuttgart sieht Jürgen Schrempp in letzter Zeit nur selten. Mal bringt er in Japan einen Deal mit Mitsubishi unter Dach und Fach, dann schlägt er wie Anfang dieser Woche in Südkorea bei Hyundai zu. Und mit Daewoo zappelt in Asien auch schon der nächste Fisch an der Angel.

Kein Zweifel, Schrempp ist auf weltweiter Einkaufstour - damit die Autos mit dem Stern wettbewerbsfähig bleiben und noch in zehn Jahren unter eigener Flagge über den Globus fahren. Was für den Daimler-Chrysler-Chef gilt, kann auch für Normalanleger nicht falsch sein: Wer seine Anlagechancen nutzen will, muss seine persönliche Globalisierungsstrategie fahren und an den Weltbörsen auf die Suche nach lukrativen Titeln gehen.

Mit international anlegenden Aktienfonds ist das am einfachsten. Dort kümmert sich ein professioneller Fondsmanager um die Anlage des Geldes und kauft Aktien in Tokio, an der Wall Street in New York oder der Börse in London.

Der Vorteil für den Anleger: Er muss sich nicht um die Auswahl der Einzeltitel kümmern. Er kann also darauf verzichten, sich ständig Informationen zu besorgen, um auf dem Laufenden zu bleiben. Die Beteiligung an einem großen Anlagevermögen, das auf viele verschiedene Märkte und Titel breit gestreut ist, federt dabei das Risiko von Kurseinbrüchen ab und begrenzt das Währungsrisiko.

Pflegeleicht sind international anlegende Aktienfonds dennoch nicht. In der Praxis verbergen sich nämlich unter einem Etikett vollkommen unterschiedliche Anlagekonzepte. Anschaulich wird das bei einem Blick auf die jüngste Auswertung dieser Fondsgruppe durch die Research-Firma S & P Fund Services.

Unangefochtener Spitzenreiter ist dort der DAC Fonds von Universal Investment. Er investiert einen Großteil seines Geldes in vergleichsweise kleine Technologietitel. Die Kursgewinne an den Wachstumsbörsen in den vergangenen Monaten haben dabei der Fondsperformance kräftigen Rückenwind verliehen. 646 Prozent in drei Jahren sind ein Ergebnis, an das die Konkurrenz nicht mal tippen kann.

Auch wenn sich der Himmel am Neuen Markt und der US-amerikanischen Nasdaq etwas verdunkelt hat, hält DAC-Berater Bernd Förtsch an seiner Strategie fest: "Wir favorisieren nach wie vor die Nasdaq und versuchen auch in Zukunft Aktien zu finden, die sich auch in schwachen Marktsituationen auf Grund Ihrer hervorragenden Perspektiven überdurchschnittlich entwickeln können."

Dabei gehören Biotechnologieunternehmen wie Morphosys oder Biogen ebenso zu seinen Favoriten wie Internet- und Softwaretitel - zum Beispiel Intershop und Juniper.

Die nahezu entgegengesetzte Strategie fährt der Acatis Aktien Global aus gleichem Hause. Er folgt dem Investmentgedanken der Börsenlegende Warren Buffet. So setzt er vornehmlich auf substanzstarke und niedrig bewertete Titel, die eine klare Strategie verfolgen und ein aktionärsfreundliches Management besitzen. Die größte Position mit einem Anteil von fast zehn Prozent bildet konsequenterweise Buffetts US-Investmentholding Berkshire Hathaway. Danach folgen mit Abstand die Technologietitel Nokia, E-Trade und Intel.

Der Performance-Erfolg der Fondsmanager, die auf Wachstumstitel setzen, bringt die Konkurrenz unter Druck. Viele bislang defensiv gemanagten Fonds werfen das Ruder herum und setzen auch auf High-Tech-Werte. Dazu gehört etwa der Adig Convest 21 VL, dessen Toppositionen sich mit Aixtron, Cybio oder EM.TV sowie Intershop oder D.Logistics wie der Kurszettel des Neuen Marktes lesen.

Wer dieses Spielchen nicht mitmacht, steht in Gefahr, in den einschlägigen Ranglisten nach hinten durchgereicht zu werden - wie zum Beispiel der Uniglobal, der sein Portfolio am MSCI-Weltindex ausrichtet, oder der Allianz Aktien International. Gerade das geringe Schwankungsrisiko macht diese Fonds aber vor allem für konservativere Anleger empfehlenswert.

Andere Fondsmanager wiederum versuchen den Spagat zwischen New und Old Economy. "Wir haben einen Mix aus Substanz- und Wachstumswerten", sagt Klaus Kaldemorgen, der bei der DWS den Deutschen Vermögensbildungsfonds I managt. "In letzter Zeit hat dabei aber eindeutig das Wachstumselement dominiert."

Kaldemorgen schaut nicht auf Indizes, sondern geht auf die Suche nach Einzelwerten und kann den Fonds sehr "frei managen". Er setzt im Moment vor allem auf Werte wie Cable & Wireless, MBNA Corp. und Zurich Allied. Seine Bilanz spricht für ihn. Im Zehn- und Fünfjahresbereich gehört der Vermögensbildungsfonds I zu den besten Angeboten seiner Zunft. Im Betrachtungszeitraum von drei Jahren schaffte es der Manager mit seinem Mix immerhin, das Schwankungsrisiko im Griff zu halten.

Auch wenn die Globalisierungsstrategie von Daimler-Chef Schrempp unter Fondsmanagern Nachahmer findet - Fans hat er dort nur wenige. Größere Posten der Aktie finden sich zurzeit in kaum einem Fondsdepot.

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