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02.02.2001

11:16 Uhr

Ein Jahr früher als bisher geplant

Codon will durch Börsengang schneller auf US-Markt

Das Biopharmazeutik Codon AG-Unternehmen will den Erlös aus dem für den 14. Februar angestrebten Börsengang an den Neuen Markt für eine schnellere Internationalisierung nutzen und ein Jahr früher als bisher geplant an den US-Markt gehen.

Reuters FRANKFURT. Das im Bereich Züchtung menschlichen Gewebes aus körpereigenen Zellen (Tissue Engineering) tätige Unternehmen hat laut Vorstandschef Karl-Gerd Fritsch bereits eine Produktzulassung bei der US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA (Federal Drug Administration) beantragt. Es biete sich nun die reelle Chance auf eine schnelle Verkaufsfreigabe für ihr Knorpelzelltransplantat, um bereits ab 2002 statt wie zuvor geplant ab 2003 auf dem US-Markt präsent zu sein, sagte Fritsch.

Ursprünglich war der Gang an den Kapitalmarkt schon für den 8. Dezember 2000 geplant gewesen, jedoch wegen der schlechten Börsensituation verschoben worden. Zum Hintergrund der jetzt forciert betriebenen Emission sagte der Vorstandschef, die FDA sei dem deutschen Unternehmen seit dem Wiederauflammen der Diskussion um die Rinderseuche BSE positiv gesinnt. Schließlich biete Co.don als einziger Anbieter am Markt verpflanzungsfähiges menschliches Gewebe aus körpereigenen Zellen an, das sonst aus fötalem Tierserum gezüchtet werde. Die endgültige Entscheidung über die FDA-Zulassung werde in den nächsten drei bis sechs Monaten erfolgen, sagte Fritsch.

Der Vorstandschef wies darauf hin, dass ein vom US-Konkurrenten Genezyme aus fötalem Kälberserum hergestelltes Konkurrenzprodukt bereits auf der Leistungsliste aller US-Krankenkassen stehe. Damit würden die Kosten für eine entsprechende Behandlung uneingeschränkt von allen Kassen, auch von denen mit mehrheitlich sozial schwachen Mitgliedern, bezahlt, unterstrich der Vorstandschef. Fritsch sagte, Codon könne sein Produkt aber rund zehn Prozent günstiger anbieten als der US-Konkurrent und habe selbst dann "noch Luft".

Ausbau der Niederlassung in Singapur

Der Vorstandschef sagte weiter, mit den Börsengangserlösen werde zudem der Ausbau der Niederlassung in Singapur als Zentrale für die Region von Südostasien bis Hongkong beschleunigt vorangetrieben. Insgesamt sollen etwa 70 % der Börsengangserlöse für die Internationalisierung verwendet werden. Die restlichen 30 % sollen zu einem Großteil in Zukäufe, den Unternehmensausbau sowie in das Marketing in Europa investiert werden.

Codon lag den Angaben zufolge im Jahr 2000 nach vorläufigen Zahlen mit einem Umsatz von 1,5 Mill. DM geringfügig über Plan und erwirtschaftete nach Unternehmensangaben einen deutlich unter den Vorgaben liegenden Vorsteuerverlust. Beim Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebit) sei für 2000 ursprünglich ein Minus von 5,2 Mill. DM eingeplant worden, tatsächlich habe sich der Fehlbetrag jedoch auf rund 4,3 Mill. DM belaufen, sagte der Finanzchef. In diesem und dem nächsten Jahr sollen sich die Umsätze auf 3,5 beziehungsweise zwölf Mill. DM erhöhen und der Vorsteuerverlust auf 13 Mill. DM (2001) und zwölf Mill. DM (2002) steigen. Mit Abschluss der Internationalisierungsmaßnahmen im Jahr 2003 plant das Brandenburger Unternehmen dann einen Umsatz von 36,7 Mill. DM und ein positives Ebit von 0,35 Mill. DM.

Beim Gang an die Börse sollen 1,2 Mill. Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie 0,1 Mill. Papiere aus Altaktionärsbesitz ausgegeben werden. Weiterhin stehe eine Mehrzuteilungsoption (Greenshoe) von 0,2 Mill. Anteilsscheinen aus einer Umplatzierung zur Verfügung. Damit wird sich der Streubesitz bei maximal 32 % bewegen.

Über die erwarteten Erlöse aus dem Börsengang wollten sich die Vorstände nicht äußern. Aus Analystenkreises war zu hören, der faire Wert der Aktie bewege sich zwischen 13 bis 20 Euro. Dies würde einen Gegenwert der Emission von 19,5 bis 30 Mill. Euro bedeuten. Die Lock-Up-Frist für die vom Management gehaltenen Aktien belaufe sich auf 24 Monate, hieß es aus dem Unternehmen. Begleitet wird der Börsengang von der Baden Bank-Württembergischen als Konsortialführer sowie der Bankgesellschaft Berlin.

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