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29.01.2003

08:33 Uhr

Ein Krieg im Irak könnte Wachstumsaussichten dämpfen

Rüstungsindustrie boomt

VonTHOMAS WIEDE

Die großen US-Rüstungskonzerne können auf ein fettes Jahr zurückblicken. Ein Krieg im Irak wird zum Test für neue Systeme: Im Zentrum steht die Vernetzung von Einheiten.

DÜSSELDORF. Kent Kresa, Chef des US-Rüstungskonzerns Northrop Grumman, hatte wohl das richtige Gespür: Bereits 1993 legte er eine Strategie mit dem Ziel fest, den Konzern zum Spezialisten für "Netzwerk zentrierte Kriegsführung" zu machen - für das digitale Schlachtfeld, das die US-Militärs jetzt zum ersten Mal im Irak im Einsatz erproben wollen.

In Kuwait hat bereits eine frisch ausgerüstete US-Division Stellung bezogen, die Erfahrungen im Einsatz mit der neuen Vernetzung sammeln soll: Kern ist die neueste Version der Abram-Panzer aus dem Hause General Dynamics, dessen Sensoren sowohl mit dem bewaffneten Truppentransporter Bradley und den zur Division gehörenden Apache Longbow Helikoptern zusammengeschaltet sind.

Die Truppenteile erhalten so einen Gesamt-Überblick über das Schlachtfeld. Ziele sollen schneller und besser erfasst werden. Die Vernetzung, so hoffen die Militärs, kann vor allem verhindern, dass wie im Golfkrieg 1991 ein Fünftel aller Gefallenen versehentlich von den eigenen Leuten aufs Korn genommen wurden.

Vom Trend zu mehr Vernetzung könne gerade Northrop profitieren, schätzen Analysten. Denn mit dem Kauf von TRW im vergangenen Jahr hat sich der Konzern den größten Anbieter von Sensoren und Satelliten-Techologie ins Portfolio geholt. Kresa hofft, dass unter der Führung seines designierten Nachfolgers Ronald Sugar der Konzern seinen Umsatz aus dem Jahr 2001 bis 2005 aus eigener Kraft verdoppeln kann.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Salmon Smith Barney hält Northrop für "das am besten aufgestellte Rüstungsunternehmen" in der USA. Das vergangene Jahr und vor allem das letzte Quartal war ein voller Erfolg: Der Nettogewinn stieg vor allem durch die Akquisition des Schiffbauers Newport News von 131 Mill. $ in 2001 auf 224 Mill. $, wie das Unternehmen gestern in Los Angeles bekannt gab.

Dank der gestiegenen Militärausgaben haben die Kassen auch bei der Konkurrenz geklingelt. So konnte Lockheed Martin das vergangene Jahr mit einem Gewinn von 500 Mill. $ abschließen. Raytheon verbuchte zwar einen Verlust von 587 Mill. $, im vierten Quartal legte der Umsatz des Elektronikkonzerns, der unter anderem auch die Stinger- und Tomahawk-Raketen baut, um 7 % zu. Der größte Profiteur des staatlichen Ausgabensegens war im vergangenen Jahr Lockheed Martin mit Aufträgen im Wert von 17 Mrd. $ aus der Schatulle des Pentagons, 2,3 Mrd. $ mehr als im Vorjahr, gefolgt von Boeing, die 16,6 Mrd. $ einstreichen konnten.

Und die Aussichten für die kommenden beiden Jahre bleiben gut: Wenn US-Präsident George W. Bush in der nächsten Woche den Haushalt für 2004 vorstellt, gehen Branchenkenner wie George Shapiro von Salomon Smith Barney davon aus, dass die Rüstungsausgaben für Beschaffung und Entwicklung um weitere 7 % steigen werden. Das bedeutet volle Auftragsbücher für die Konzerne, die sich so über die Verluste in ihren zivilen Bereichen hinwegtrösten können. Beispiel General Dynamics: Den Produzenten von Panzern, Kriegsschiffen und Informationssystemen drückt das schlechte Geschäft seiner Jet-Tochter Gulfstream.

Rüstungsexperten ist aber auch klar: "Wenn es zu einem Krieg im Irak kommt, ist das für die Branche insgesamt schlecht", sagt Joachim Rhode von der Stiftung für Wissenschaft und Politik, das habe schon der Golfkrieg 1991 gezeigt. Nach dessen Ende habe es keine größeren Aufträge gegeben. Bei einem Militärschlag profitieren zwar einzelne Firmen wie zum Beispiel Munitionshersteller, doch eine Besetzung des Landes bindet Mittel, die sonst für die Entwicklung neuer Waffensysteme zu Verfügung ständen.

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