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20.07.2000

15:56 Uhr

Walter Deuss muss gehen

Walter Deuss muss gehen

ap DÜSSELDORF. Es war ein schwarzer Tag für Walter Deuss. Der 65-jährige Chef des Handelsriesen Karstadt-Quelle musste am Donnerstag nicht nur die Macht bei Deutschlands größten Warenhaus und der Nummer zwei unter Europas Versandhäusern abgeben. Er musste auch noch zusehen, wie die Börse über seinen Abgang jubilierte.

Um rund zehn Prozent schoss nach der Ankündigung, Deuss werde den Vorstandsvorsitz Ende September an den früheren Metro-Vorstandssprecher Wolfgang Urban übergeben, die KarstadtQuelle-Aktie in die Höhe.

Der 65-jährige Deuss gilt als Urgestein der deutschen Warenhauskultur. Seit 33 Jahren ist er Mitglied des Karstadt-Vorstandes, seit 18 Jahren steht er an der Spitze des Essener Konzerns. In dieser Zeit prägte er die deutsche Einzelhandelslandschaft entscheidend mit. In seine Vorstandszeit fiel die Übernahme der Neckermann Versand AG und der Hertie-Warenhäuser durch Karstadt.

Er brachte die Karstadt-Reisetochter NUR in den zusammen mit der Deutschen Lufthansa gegründeten Touristikkonzern C&N ein, die derzeitige Nummer zwei auf dem deutschen Reisemarkt. Und er führte Regie bei der Aufnahme der Quelle AG in den Karstadt-Konzern.



Aktionäre verloren die Geduld

Doch zuletzt verlies den Manager seine Fortune und die Aktionäre die Geduld. Zu viel hatte er den Aktionären bei der Fusion von Karstadt und Quelle versprochen und zu wenig gehalten. Um gut 200 Mill. DM (102,26 Mill. Euro) lag das Betriebsergebnis des Einzelhandelsriesen 1999 unter den Versprechungen. Und auch in diesem Jahr - das steht schon fest - wird das Unternehmen die damals verkündeten ehrgeizigen Ziele nicht annähernd erreichen. Erst im Jahr 2003 würden die damals geweckten Hoffnungen voraussichtlich erfüllt, musste Deuss auf seiner letzten Hauptversammlung als Konzernchef einräumen.



Heftige Kritik an Deuss

Doch die Aktionäre warfen dem Konzernchef nicht nur Fehler bei der Zusammenführung von Karstadt und Quelle vor. Sie machen den Manager auch für das schlechte Abschneiden des Handelsriesen in den gesamten 90er Jahren verantwortlich. Das von den Konkurrenten Horten und Kaufhof entwickelte erfolgreiche Themenhaus-Konzept sei vom Essener Warenhauskonzern viel zu spät und zu zögerlich aufgegriffen worden. Der erste Einstieg in den E-Commerce mit dem Internet-Warenhaus "My World" sei ein Reinfall gewesen, kritisierten Aktionäre.

"Deuss hat das Unternehmen geprägt und ist nicht vorangekommen", urteilte Rolf Drees von der Fondsgesellschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken, Union Investment. In den 90er Jahren sei Karstadt jährlich zehn Prozent hinter dem DAX zurückgeblieben. Dies lasse sich auch nicht durch Hinweise auf das schlechte Konsumklima entschuldigen. "Da ist jede Bundesanleihe besser gewesen", höhnte der Analyst auf der Hauptversammlung.

Die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jella Benner-Heinacher, warnte, Karstadt drohe am Ende der Ära Deuss der Rausschmiss aus dem DAX, der Abstieg von der Bundesliga in die Landesliga.

So harsch fiel die Kritik an Deuss aus, dass ein Aktionär dem Vorstandschef zur Seite sprang: "Herr Deuss. Eigentlich haben sie das einfach nicht verdient." Doch ein wirkliches Lob bekam Deuss an diesem schwarzen Tag nur von Aufsichtsratschef Hans Meinhardt. Der würdigte die "herausragenden Verdienste" des Managers um sein Unternehmen.



Interesse galt vor allem dem Nachfolger

Das Interesse der Aktionäre galt da aber längst dem designierten Nachfolger Wolfgang Urban. Urban war Mitte der 90er Jahre einer der Vorstandsprecher der Metro und wechselte später zum KarstadtQuelle-Großaktionär Schickedanz. Seit Juni 1999 ist er Mitglied des Vorstandes der Karstadt AG und in Personalunion Vorstandsvorsitzender der Karstadt Warenhaus AG. An ihn appellierte DSW-Sprecherin Benner-Heinacher: "Es gibt viel zu tun, packen Sie es an."



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