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29.01.2005

12:51 Uhr

Eine Chance im Kampf gegen Produktpiraterie

Chinas Einzelkinder bestimmen Konsumtrends

VonDirk Hinrich Heilmann

Die chinesischen Kunden werden gleichzeitig immer kaufkräftiger und immer markenbewusster. Diese Entwicklungen treiben vor allem die jungen Menschen unter 30 Jahren, wie Teilnehmer einer Diskussionsrunde über die Konsumtrends in China berichten.

DAVOS. "Die Ein-Kind-Politik der chinesischen Regierung hat eine Generation heranwachsen lassen, die eine gute Bildung genossen hat und jetzt den entscheidenden Einfluss auf die Konsumausgaben der Familien hat", sagte Wang Sing, Vorstandschef der Medien- und Werbegruppe Tom aus Hongkong.

Das Freizeitverhalten dieser Käufergruppe werde den Trend zu Shopping-Malls mit angeschlossenen Cafés und Kinos verstärken, sagte Michelle Guthrie, Chefin des Fernsehkonzerns Star Group, voraus. Sie entsprächen einfach dem Lebensstil dieser Generation. "Die jungen Chinesen wohnen meist bis zur Heirat bei den Eltern in oft beengten Verhältnissen, darum verbringen sie einen großen Teil ihrer Freizeit außer Haus." Sie seien es, die Moden bestimmten und Marken zum Durchbruch verhelfen könnten.

Chips mit Zitronen- und Fischgeschmack

"Chinesen sind sehr kritische und qualitätsbewusste Kunden", sagte Hans-Joachim Körber, Chef des Handelsriesen Metro. Der moderne Handel mit seinen durchorganisierten Lieferketten werde sich auch hier durchsetzen. Mit steigenden Einkommen werde auch der momentan noch niedrige Durchschnittseinkauf größer werden. Dem pflichtete Wang bei: "Die ausländischen Handelsketten werden siegen, weil sie es sich auch leisten können, ein paar Jahre Geld zu verlieren."

China habe heute bereits eine Ober- und Mittelschicht von 50 bis 60 Millionen Menschen, die sich ausländische Marken leiste und Luxusgüter kaufe. Zwei Drittel der Bevölkerung sei für Massenkonsumprodukte aus dem Westen zu erreichen. Aber auch einheimische Marken gewönnen immer mehr an Bedeutung. Das werde auch das Problem der Produktpiraterie mildern, denn Chinesen seien sehr markentreu. Noch sei den Fälschungen schwer beizukommen, schilderte Körber. "Es kann sein, dass in einem Fünferpack, das wir geliefert bekommen, zwei Teile gefälscht sind", sagte er. Das einzige Mittel dagegen seien konsequente Qualitätskontrollen und eine bessere Ausbildung der Lieferanten.

Entscheidend sei es in China, genau die Bedürfnisse der Kunden zu erforschen, waren sich die Diskussionsteilnehmer einig. "Speziell für China haben wir Chips mit Zitronengeschmack und mit Fischgeschmack entwickelt", erzählte Michael White, Chef von Pepsico International. "In anderen Ländern war das allerdings kein Erfolg." Für die ärmeren Käuferschichten biete der Konzern kleinere Pepsi-Packungen an. Mit steigender Kaufkraft sei auch der Marktanteil ausländischer Softdrinks gewachsen. "Doch eins ist klar", resümierte er, "China ist kein Markt für Kleinmütige."

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