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12.01.2001

11:43 Uhr

Eine der profiliertesten Politikerinnen der Grünen

Porträt: Claudia Roth

Mit Claudia Roth bewirbt sich eine der profiliertesten Politikerinnen der Grünen aus der dünn besetzten zweiten Reihe der Partei um den Vorsitz. Die 45-jährige Bundestagsabgeordnete bringt so ziemlich alles mit, was für den Frauenposten in der Doppelspitze gefragt ist: Reiche politische Erfahrung auf den verschiedensten Ebenen, Verankerung in der Partei, politisches Fingerspitzengefühl und eine blendende Rhetorik.

dpa BERLIN. Dazu kommt sie vom linken Flügel, was die erforderliche Balance zum Co-Vorsitzenden und Realo Fritz Kuhn herstellt. Dass sie außerdem fotogen und charmant ist, gehört in der Fernsehgesellschaft zu wichtigen Pluspunkten. Ihr dürfte es gelingen, als Parteivorsitzende sowohl die grüne Seele zu pflegen als auch in der Öffentlichkeit überzeugend für die grüne Sache aufzutreten.

Die aus Augsburg stammende Politikerin gehört zum Urgestein der Grünen. Sie hat alle Höhen und Tiefen der Partei seit Mitte der achtziger Jahre an entscheidenden Stellen mit erlebt und zum Teil mit geprägt. In den achtziger Jahren verlieh sie der Bundestagsfraktion als Pressesprecherin Stimme und Gesicht in Bonn. Kurz vor dem Scheitern der Grünen bei der Bundestagswahl 1990 schaffte sie den Sprung als Abgeordnete ins Europaparlament. Dort machte sie sich als Fraktionsvorsitzende und Menschenrechtsexpertin vor allem mit ihrer scharfen Kritik an der Verfolgung der Kurden in der Türkei einen Namen. 1998 kehrte sie als Abgeordnete in den Bundestag zurück, wo sie Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses ist.

Eindringliche Reden

Die gelernte Dramaturgin hat eine wichtige Rolle auf manchen Parteitagen der Grünen gespielt, wo sie mit eindringlichen Reden viele Delegierte emotional anrührte, die linke Programmatik verteidigte, aber oft auch für pragmatische Bündnisse mit den Realos wirkte. Sie gehörte schon lange zu den informellen inneren Machtzirkeln der Bündnis-Grünen. Seit der jüngsten Bundesdelegiertenkonferenz ist sie auch gewähltes Mitglied des Parteirats und damit des entscheidenden Führungsgremiums.

Vor dem Einstieg in die Parteipolitik arbeitete Claudia Roth unter anderem an den Städtischen Bühnen in Dortmund und war dann Managerin der Politrockband "Ton, Steine, Scherben". Mit ihrem möglichen künftigen Co-Vorsitzenden Fritz Kuhn verbindet die ledige Politikerin eine lange Bekanntschaft und die Liebe zum Drama: In den 70er Jahren trafen die beiden sich als Hospitanten am Theater von Memmingen.

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