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14.07.2000

09:34 Uhr

Eine Internet-Reise zu den Technologietiteln

Wachstumsbörsen im World Wide Web

VonFRIEDERIKE STORZ

Die besten High-Tech-Stocks aus Hongkong, die größten Verlierer an der Nasdaq oder die am meisten gehandelten Aktien am Neuen Markt in Frankfurt - wer sich über die Technologietitel informieren will, dem hilft das Internet. Ein paar Klicks mit der Maus, und schon reist man rund um die Welt der Wachstumswerte.

Nicht nur in Frankfurt, Manhattan und Paris, auch in Asien entwickeln sich neben den Standardmärkten neue Wachstumsbörsen. Daneben entstehen neue, grenzüberschreitende Märkte wie das europäische Dreierbündnis "Euronext" oder die London-Franfurter Börse "iX".

Mit der wachsenden Aufmerksamkeit sind auch die Börsenseiten im Netz besser geworden. Von blanken Zahlenwüsten haben sie sich zu gut aufbereiteten Informationsangeboten gemausert: Mit Informationen zu Kursen und Hintergrundwissen gehen die Technologiemärkte auf die Bedürfnisse der Anleger ein. Ein Relaunch jagt dabei den nächsten.

Auch der Neue Markt in Frankfurt hat seinen Webauftritt gerade überarbeitet. Die Seite wurde im Design der Deutschen Börse (www.exchange.de) angeglichen. "Mit weniger Klicks ist jetzt mehr erreichbar", verspricht Volker Fischer, der für den Internetauftritt des Neuen Marktes zuständig ist. Noch in diesem Monat kommt als neue Funktion ein Portfolio dazu, mit dem Anleger verfolgen können, wie die Kurse ihrer Aktien stehen. Gleichzeitig haben die Frankfurter auch in Hardware investiert: Für zirka eine Million Abrufe täglich stehen in Frankfurt jetzt fünf Server bereit.

Viele Technologiebörsen sind, wie der Neue Markt in Frankfurt, eingebunden in den Internetauftritt der jeweiligen Standardmärkte. Dabei wird ihnen unterschiedlich viel Platz eingeräumt. Das reicht vom kleinen Eckchen (beim "Nieuwe Markt" in Amsterdam) oder Link (bei der Schweizer Wachstumsbörse) bis zu eigenen Seiten wie beim Neuen Markt in Frankfurt.



Anforderungen an Börsenwebsites sind hoch

Die Anforderungen an die Börsenwebsites sind hoch: Wollen sie die Finanz-Surfer an sich binden, müssen sie neben aktuellen Kursen auch Nachrichten und Hintergrundinformationen liefern. Auch eine klare Navigation und eine Kursabfrage auf der Homepage sind aus Sicht der Anleger klare Pluspunkte. Kurslisten der notierten Unternehmen, Informationen zu Indizes und Börsenregeln sowie Umsätzen des Marktes gehören ebenfalls zum Grundprogramm, das auch die meisten Wachstumsmärkte im Web bieten.

In vielen Bereichen gibt es aber durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten. Noch strapazieren lange Ladezeiten Nerven und Portemonnaie. Denn, während die Börsenseiten am Computer geladen werden, vergeht kostbare Zeit. Die Telefonrechnung und der Provider schicken ihre Rechnungen pünktlich. Das Warten vor dem PC vertreibt der Netscape-Browser mit einem ganzen Sternschnuppenhagel, der auf die "Netscape-Erde" niederprasselt. Bei Microsoft dreht sich die Weltkugel auf der Suche nach den Börsenseiten hilflos im Kreis. Lange Ladezeiten für Seiten aus Hongkong mögen noch akzeptiert werden - immerhin wird die Anfrage um den halben Globus geschickt. Bei europäischen Seiten kommt Ungeduld auf. Denn beim Aktienhandel ist Zeit schließlich Geld.



Mit Echtzeitkursen wird gegeizt

Auch mit Aktienkursen in Echtzeit (Realtime-Kurse) geizen die Börsenseiten weiterhin. Stattdessen erscheinen die Aktienkurse mit 15- bis 30-Minuten Verzögerung auf dem Bildschirm. Kurse in Echtzeit sind nach wie vor nur bei vielen Direktbrokern zu haben.

Auch hinsichtlich der Quantität bleiben Unterschiede, die aber nicht auf technische Probleme zurückzuführen sind. Die Kurslisten der verschiedenen Wachstumsmärkte sind unterschiedlich lang: Am Swiss New Market sind derzeit nur 14 Aktien notiert. Über Monate hinweg war das US-Biotech-Unternehmen Biomarin sogar der einzige Wert. Nur acht Werte tummeln sich am frisch gestarteten Nasdaq-Markt im japanischen Osaka. Aber auch in Frankfurt hat der Neue Markt 1997 mit 17 Werten klein angefangen. Heute wird er von bald 300 Unternehmen geradezu überschwemmt.



ADRESSEN

www.neuer-markt.de

Da könnte man fast ins Träumen kommen: In schimmerndem blauem Licht geben sich Bulle und Bär auf der Seite der deutschen Technologiebörse ein Stelldichein. Die fixe Kurssuche holt einen jedoch schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Auch die Xetra-Preise der Neue-Markt-Werte und der Nemax-50-Titel samt Tops und Flops hält die Deutsche Börse auf einen Klick bereit. Bei welcher Aktie sich etwas bewegt, erfahren die Surfer unter "Meist gehandelte Werte". Die Neuemissionen der letzten vier Wochen stehen sortiert nach IPO-Datum und mit Zusatzinformationen parat. Die Anzahl der gelisteten Unternehmen am Neuen Markt ändert sich fast täglich und ist auf der Homepage nachzulesen. Eine Indexgrafik führt zu aktuellen und auch zu den historischen Daten wie Monats-, Jahres- sowie 52-Wochenhoch- und - tiefständen. Profis können ihre Aktien mit dem Portfolio-Trader (Java muss aktiviert sein) analysieren.

www.londonstockexchange.com Ein Klick auf den "Techmark" in der Navigationsleiste der London Stock Exchange oder ein Aufrufen der Internetseite www.londonstockexchange.com/techmark bringt den Surfer zum britischen Wachstumsmarkt. Dieser ist am 4. November 1999 mit 190 Werten gestartet. Grüne Bits und Bites weisen hier den Weg zu News und Neuemissionen. Die Webseiten sind dick bepackt mit Kursen und Informationen zu den gelisteten Unternehmen. Über praktisch zu bedienende Suchinstrumente lassen sich alle gehandelten Werte sortiert nach Namen und Branchen auflisten. Wie sein "großer Bruder", der FTSE 100 ("Footsie"), ist der Index der Londoner Technologie-Werte unter der Rubrik "Share Prices" (FTSE-Techmark 100) zu finden. Ein Klick auf den "Refresh"-Button aktualisiert den Indexstand. Die Einzelwerte der Londoner Börse sind nach Aufsteigern ("risers") und Absteigern ("fallers") sortiert. Bis zu zehn Aktien können Anleger mit Hilfe des "Stock Monitoring" beobachten. Interessantes bietet auch die Brokersuche.

www.nasdaq.com Die amerikanische Internetseite bietet Aktieninformationen der Superlative - was manchmal allerdings etwas auf Kosten der Übersicht geht. Hat man sich jedoch erst einmal seinen Weg durch die Navigationsleisten gebahnt, sind eine Fülle gut aufbereiteter Börseninformationen zu finden. Schnelle Surfer können direkt auf der Homepage die Kurse von zehn Nasdaq-Aktien gleichzeitig abfragen oder sich die ganze Nasdaq-Liste von A bis Z samt den Indizes Nasdaq 100 und Nasdaq Composite anzeigen lassen. Im Bereich "Market Activity" finden Anleger unter anderem die meistgehandelten Werte und die größten Gewinner. Die Daten sind verlinkt mit Unternehmensnachrichten, die die Kurse bewegt haben könnten. Wie die deutschen User die Nasdaq-Seite beurteilen, will die US-Technologiebörse mit einer Befragung vor Ort herausfinden - und kommt dazu am 24./25. Juli nach Frankfurt. Wer will, kann sich auf der Nasdaq-Homepage zu einem einstündigen Interview anmelden.

www.nasdaq-japan.com Der Rettungsanker im Dschungel der japanischen Schriftzeichen: ein kleiner Button auf der Homepage oben rechts. Er zeigt den schnellen Weg zur englischsprachigen Version der neuen asiatischen Internetseiten. Bei der japanischen Nasdaq können Anleger bis zu fünf Kurse gleichzeitig abfragen. Mit zwei Klicks ist allerdings das ganze Angebot abgedeckt, denn an Nippons Nasdaq, die in Kooperation mit der Osaka Securities Exchange betrieben wird, werden bis jetzt lediglich acht Titel gehandelt. Entsprechend steht für die Präsentation der einzelnen Unternehmen sehr viel Platz zur Verfügung - und der wird auch genutzt. Kurs, Webseite, Kontaktadresse, die Namen der Vorstandsmitglieder sowie eine kurze Beschreibung der Produktpalette sind hier zu finden. Der Statistikteil (Menüpunkt "Infoquotes") zeigt Intraday-, Wochen- und Monatscharts. Die Monatscharts sind allerdings noch nicht komplett - das Segment für die japanischen Wachstumswerte existiert erst seit dem 19. Juni 2000.

www.nouveau-marche.fr Bei der Pariser Börse sollten Surfer Croissant und Milchkaffee bereit stellen - bis sich die Seiten von der Seine aufgebaut haben, können ein paar Sekunden vergehen. Im Gegensatz zu der überladenen Seite der französischen Börse präsentiert sich der "Nouveau Marché" angenehm nüchtern. Für Nicht-Frankophone gibt es die Seite auch auf Englisch. Unter dem Menüpunkt "Organisation" können sich Anleger über das Marktsegment informieren. Bis vier Jahre zurück reichen die PDF-Files mit Neuemissionen. Die Fülle der Daten kann verständlicherweise nur mit Minischrift bewältigt werden - mit der mitgelieferten Lupe wird man aber bald fündig. Als Download werden Informationen über ein Going Public am Nouveau Marché bereit gestellt.

www.borsaitalia.it Lebendig wirkt die italienische Seite vor allem wegen der blinkenden Eigenwerbung. Ganz oben ist der obligatorische Get-Quote-Button (Kurssuche) platziert. In der Rubrik "Facts & Quotes" findet der User unter "Todays Market" die aktuellen Kurse der 17 Werte am Nuovo Mercato, dem italienischen Neuen Markt. Per Klick auf die einzelnen Unternehmen erhält man unter anderem Tages- und Jahreshöchstkurse. Mehr Informationen zu Mailands Wachstumsmarkt stehen unter "The Markets". Der Link zu den Neuemissionen funktioniert noch nicht. Dafür werden auf der Homepage der italienischen Börse Nachrichten der italienischen Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 ore" angeboten. Wer kein Italienisch kann, findet die englische Version links auf der Homepage.

www.swx.com Der Hotlink auf der Schweizer Börsenseite führt Anleger zum Internetangebot des Swiss New Market. Die Schweizer Anbieter dieser Kursseiten sichern sich ab und stellen klar: "Die Informationen sind keine Aufforderung, Investitionen zu tätigen". Das Angebot informiert dreisprachig (deutsch, englisch und französisch) über die Schweizer Kotierungsregeln. Auch Kursgrafiken, Kurzporträts der Unternehmen sowie Geschäftsberichte (als PDF-Datei) stehen bereit. Aus dem Navigationsdschungel hilft allerdings manchmal nur der Back-Button wieder heraus. Die Kursliste ist kurz. Am Swiss New Market sind nur 14 Werte notiert. Dass nur zwei Börsenneulinge angekündigt werden, liegt nicht an der Technik, sondern am Mangel an Emittenten.

www.easdaq.com Der paneuropäische Aktienmarkt erscheint auf schwimmbadblauen Web-Seiten. Ganz oben ist der EASI-Chart (Easdaq All Share Index) platziert, darunter Nachrichten und Ad-hoc-Meldungen der Easdaq-Unternehmen. Über die alphabetische Suchmaske am linken Seitenrand gelangt der User zu Bilanzzahlen und Unternehmensporträts der rund 90 Wachstumswerte. Die Schlusskurse der letzten vier Wochen werden als Excel-Tabelle angeboten, ausführliche Marktstatistiken können mit Hilfe des Acrobat-Readers herunter geladen werden - auf einem gewöhnlichen Bildschirm aber leider nur mit der Lupe zu lesen. Nützlich ist auch die Liste mit Telefonnummern von Brokern, die mit Easdaq-Werten handeln (für Deutschland: Bayerische Hypo- und Vereinsbank).

www.hkgem.com Sind das Sojasprossen, die da neben den chinesischen Schriftzeichen aus der Erde sprießen? Die zarten Pflänzchen scheinen auf jeden Fall schnell zu wachsen, denn die Bedingungen für ein Listing an der Hongkonger Wachstumsbörse sind nicht sehr streng. Wegen des hohen Risikos sind die Werte am Hongkonger Markt für Wachstumswerte ("Growth Enterprise Market") auch nur etwas für "gut informierte Investoren", wie die Börsenwebseite selbst sagt. Neben High-Tech- und Internetaktien aus Asien findet man hier auch Papiere von den Cayman-Inseln (z.B. den chinesischsprachigen Content-Provider tom.com). Gut bestückt ist der Download-Bereich. Dort sind z.B. wichtige Marktnachrichten zu finden. Die Infos über Neuemissionen sind dagegen eher spärlich.

www.kasdaq.or.kt Der koreanische Markt für Technologietitel macht Lust zum Spielen: Die Homepage des Kosdaq Stock Market sieht aus wie ein Gameboy. Ein Druck auf die Navigationsbuttons führt aber schnell zu einem nüchternen Numerikteil mit Kursen im Zehn-Minuten-Rhythmus (Realtime-Kurse nur mit Password) und Gewinner/Verlierer-Liste. Einen Klick weiter ("About Kosdaq") lächelt einem der Chef der Börse freundlich entgegen und präsentiert weitere Informationen zu dem 1996 gegründeten Handelsplatz für Technologiewerte. Die Liste der koreanischen Startups ist derzeit noch eine (Internet-)Baustelle. Dafür bieten die Koreaner die Möglichkeit zur Personalisierung der Seite. Im Börsenforum diskutieren Anleger, Broker und Analysten.

www.euronm.com > Keine große Anziehungskraft besitzt bei Anlegern und Analysten offenbar bislang der Nieuwe Markt, der Wachstumsmarkt für High-Tech-Unternehmen in Amsterdam. Von den anvisierten 20 Werten ist die Börse noch weit entfernt. Die meisten Technologietitel wie Baan oder KPN sind am Hauptmarkt AEX notiert und nicht im Amsterdamer Nmax. Die niederländische Wachstumsbörse ist über die Webseite des europäischen Börsenverbunds www.euronm.com zu erreichen - die "Domain" www.nmax.nl, die besser zu dem Index passen würde, ist derzeit "te huur" (zu vermieten). Auf den Seiten der Amsterdam Exchange (AEX) wird dem Nieuwe Markt ein verstecktes Plätzchen (unter "Listings") eingeräumt. Charts und Kurse gibt's nur im Pop-up-Fenster.

www.wse.com.pl Der polnische High-Tech-Index (http://www.wse.com.pl/gpw/techen.htm) ist das jüngste Kind unter den Wachstumsmärkten in Europa. Die Warschauer Börse (Warsaw Stock Exchange) hat ihren Tech WIG-Index erst am 19. Mai dieses Jahres gestartet. Das größte Marktgewicht besitzt die polnische "T-Aktie" Telekomunikacja Polska S.A., an der auch die France Telecom beteiligt ist. Die Warschauer Seite bleibt wohl selbst nach mehreren Gläschen Wodka eine nüchterne Angelegenheit mit insgesamt eher lieblos präsentiertem Zahlenmaterial. Neben den Intraday-Charts zu den insgesamt 14 gelisteten Aktienwerten können Anleger, die es genau wissen wollen, die Formel nachschauen, nach der der Tech WIG-Index berechnet wird.



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