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26.06.2000

12:09 Uhr

Reuters BERLIN. Vor zehn Jahren starteten mehr als ein Dutzend Forschungszentren in Europa, Asien und Amerika eines der wohl spannendsten Projekte der Menschheit, das Humangenomprojekt (HGP). Ziel des internationalen Vorhabens, das mit einem Umfang von drei Mrd. Dollar (etwa 6,2 Mrd. DM) das bislang größte Projekt in der Biologie darstellt, ist es nach eigenen Angaben, "die vollständige Bauanleitung der Menschen zu entziffern". Deutschland trat im Juni 1995 diesem ehrgeizigen Forschungsvorhaben auf einem Gebiet bei, das nunmehr einen großen Schritt vorangekommen zu sein scheint.

Eine erste grobe Skizze des menschlichen Erbgutes könne inzwischen gezeichnet werden, so lauteten die Ankündigungen aus den USA. Dabei war es vor allem das US-Biotechnologieunternehmen Celera Genomics, dem offenbar ein Durchbruch auf diesem Gebiet gelungen ist. Chef des Unternehmens ist Craig Venter, der selbst jahrelang an dem Humangenomprojekt mitarbeitete. HGP- Wissenschaftler sprachen von einem "großen Schritt", der Venter gelungen sei. Eine Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Wissenschaftlern im Bereich Humangenom-Forschung bahnt sich offenbar an.

Die Wissenschaftler der beteiligten Länder haben sich zum Ziel gesetzt, die im Erbmaterial des Menschen, dem Genom, niedergelegten Informationen im Detail zu verstehen. Am Ende soll das "komplette genetische Buch" entschlüsselt sein, das alle drei Mrd. Buchstaben des Grundplanes des Menschen umfasst. Ursprünglich war geplant worden, diese riesige Aufgabe bis zum Jahr 2005 zu leiten. Nun sieht es so aus, als ob die rund 100 000 menschlichen Gene früher identifiziert werden. Die Gene steuern das Zusammenspiel, das die Entwicklung von einer befruchteten Eizelle zum erwachsenen Menschen bewirkt, wie die Koordinatoren die Basis ihrer Arbeit beschreiben. Sie beeinflussen aber auch das Aussehen und die Eigenschaften des einzelnen Menschen. Wenn die Gene nicht richtig zusammenspielen, ihre Funktion nicht erfüllen, Beschädigungen oder Veränderungen aufweisen, kann es zu Fehlbildungen und Erkrankungen kommen. Insofern stellt die Arbeit des multinationalen Projektes auch den Versuch da, im Kampf gegen eine Vielzahl von Krankheiten ein großes Stück voranzubkommen und ihnen auch vorzubeugen.

Von daher ist dieses Feld nicht nur eines, was die Erkenntnisse des Menschen über sein Sein und seine Grundlagen erweitert. Es ist auch für die Medizin und damit verbunden für die Pharmaindustrie direkt wirtschaftlich verwertbar. So arbeiten denn auch private Firmen ebenfalls im Projektumfeld, nutzen dessen bereits entwickelte Basisinformationen.

"Das Verständnis all unserer Erbinformation, des so genannten Genoms, verspricht, die Medizin auf eine völlig neue Basis zu stellen", heißt es einer Voröffentlichung des HGP. Die Entschlüsselung dieser Erbinformationen mache zielgerichtetes Vorbeugen, Diagnose und Behandlung einer Großzahl von Erkrankungen möglich. Das könnte bedeuten, dass durch die Arbeit der Wissenschaftler künftig genetisch bedingte Krankheiten wie die Zystische Fibrose eines Tages behandelt werden könnten.

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