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07.06.2000

13:55 Uhr

Einige Stürmer sind nur im Werbe-Spot im EM-Kader

Neuville und Preetz in der Nationalmanschaft?

Telekom und Bitburger nehmen Neuville und Preetz mit zur EM. Ribbeck tut das leider nicht.

Reuters BERLIN. Kurz vor der Europameisterschaft denkt kaum jemand noch an die deutschen Spieler, die nicht dabei sein werden. Michael Preetz von Hertha BSC Berlin und Oliver Neuville von Bayer 04 Leverkusen etwa sind sehr sauer, dass Teamchef Erich Ribbeck sie nicht berücksichtigt. Dennoch werden sie während der EM präsent sein: Im Werbe-Spot der Deutschen Telekom haben die beiden Pechvögel den Bundesadler auf der Brust und das offizielle Handy in der Hand. Sollten Bierhoff, Jancker und Co. also in den Niederlanden und Belgien nicht die gewünschten Leistungen bringen, werden die Fernsehzuschauer immer wieder daran erinnert, wer sie ersetzen könnte.

Und das, obwohl die Telekom wegen des Trainerwechsels von Uli Stielike zu Horst Hrubesch den Spot extra überarbeiten ließ. Die Münchner Werbeagentur Dornier, Wetzel, von Büren hat jedoch nur die Szenen, in denen Stielike auftrat, mit Hrubesch nachgedreht. Es sei ärgerlich, dass Preetz und Neuville im Spot zu sehen seien, doch wegen der Zeitnot habe man keine andere Möglichkeit gehabt, sagte eine Sprecherin der Agentur. Hrubesch habe nur an einem Tag Zeit gehabt, und deshalb habe man nicht bis zur Nominierung am 22. Mai warten können, sagte Telekom-Sprecher Stefan Broszio. Dass Preetz und Neuville im Handy-Spot fehl am Platz sein könnten, kann Broszio nicht finden. "Sie gehören zum Kreis der Nationalmannschaft, das reicht."

Preetz ließ über den Hertha-Sprecher Hans-Georg Felder ausrichten, es sei ihm "schnurzpiepegal", dass er bei der EM nur als Werbefigur auftrete. Er habe bei der Ausmusterung "die Faust in der Tasche geballt", doch das heiße nicht, dass er die finanziellen Vorteile nicht gerne mitnehme. Die Höhe des Entgelts schätzt Felder auf einen sechsstelligen Betrag. "In jeder Halbzeitpause klingelt es bei ihm in der Kasse, das tröstet über einiges hinweg", meint Felder. Preetz wolle nun seinen Urlaub genießen und nur ab und zu die Mailbox seines Handys abhören. Das muss er auch, schließlich könnte Ribbeck ihn bei einer Verletzung eines Stürmers noch nachnominieren.

Über den Anteil, den die einzelnen Nationalspieler aus dem Werbe-Topf bekommen, schweigen sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Sponsoren aus. Dass Preetz und Neuville in dem Spot dabei sind, ist auch für den DFB nichts Besonderes. Auch früher sei es schon vorgekommen, dass ein Spieler bei der Aufnahme einer WM-Langspielplatte mitgesungen und sich dann verletzt habe. Deswegen habe man die Scheiben noch lange nicht eingestampft, sagte DFB-Sprecher Michael Novak.

Nicht nur im Werbespot der Telekom, sondern auch beim Bierbrauer Bitburger ist ein kleiner Schönheitsfehler passiert: Auch hier sieht man Neuville, wie er den Anweisungen des Teamchefs lauscht. Doch Unternehmenssprecher Dietmar Henle gibt sich gelassen: "Sport kann man nicht programmieren, da müsste man ja ständig neu drehen". Außerdem sei der Spot nicht nur für die EM bestimmt gewesen. Neuville ist derzeit im Urlaub und hält sich nach Presseberichten im Tessin mit Lauftraining für eine eventuelle Nachnominierung fit.

Die EM beginnt am Samstag in Brüssel mit der Begegnung Schweden gegen Gastgeber Belgien. Die deutsche Mannschaft greift erstmals am Montag mit dem Spiel gegen Rumänien ins Geschehen ein.

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