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02.07.2000

15:58 Uhr

Einigung beim Transrapid rückt offenbar näher

Chinas Ministerpräsident nennt Deutschland wichtigsten Partner in Europa

China setzt für seine politische und wirtschaftliche Entwicklung auf eine engere Zusammenarbeit mit Deutschland. Das machte der chinesische Ministerpräsident Zhu Rongji am Wochenende in Gesprächen mit deutschen Politikern deutlich. Bei einem Treffen mit Bundespräsident Johannes Rau am Samstag würdigte Zhu Deutschland als Chinas wichtigsten Partner in Europa. Im Mittelpunkt der Gespräche stand der Ausbau der Wirtschaftskontakte.

dpa/rtr/ap BERLIN/HANNOVER. Nach dem Besuch der Transrapid-Teststrecke im niedersächsischen Lathen (Emsland) äußerte sich Zhu optimistisch über einen Einsatz der Magnetschwebebahn in China. Eine Machbarkeitsstudie, für die Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt (SPD) eine Mitfinanzierung des Bundes zusagte, soll dem Vernehmen nach bis Jahresende vorliegen. Das Transrapid-Konsortium aus Thyssen, Adtranz und Siemens rechnet sich gute Chancen aus. Der Vertriebschef des Konsortiums Transrapid International, Manfred Wackers, sagte: "Ich denke, dass es nach dem Besuch Zhu Rongjis sehr bald zu weiteren Vereinbarungen kommt." Auch Siemens-Chef von Pierer zeigte sich zuversichtlich, dass der Transrapid in wenigen Jahren in Shanghai fahren werde. "Die wollen diese Strecke wirklich haben", sagte von Pierer.

Zhu zeigte sich nach einer knapp halbstündigen Fahrt mit der Magnetschwebebahn beeindruckt vom Stand der deutschen Technik. "Nun müssen die Techniker in unseren beiden Ländern die Fahreigenschaften noch verfeinern", sagte er. Die Millionenmetropole Schanghai will ihren neuen Flughafen und das neue Stadtzentrum mit einem Hochgeschwindigkeitszug verbinden. In der ersten Ausbaustufe sollen auf dem Airport 20 Millionen Passagiere im Jahr abgefertigt werden. "Dafür brauchen wir eine leistungsfähige Infrastruktur", sagte Zhu.

Transrapid muss für Großauftrag japanische Konkurrenz abhängen

Die Kosten für die rund 42 Kilometer lange Strecke belaufen sich nach Expertenangaben auf rund 1,4 Mrd. DM. Davon entfallen 60 % auf den Fahrweg und 40 % auf Fahrzeuge und Leittechnik. Von deutscher Seite müssten rund 500 Mill. DM finanziert werden. Nach Angaben von Verkehrsminister Klimmt sind der Bund und die deutsche Industrie zur Beteiligung bereit.
Sollte sich die Demonstrationsstrecke bei Schanghai bewähren, plant China nach den Worten seines Ministerpräsidenten auch eine Transrapid-Verbindung zwischen der Hafenmetropole und der Hauptstadt Peking. Eine Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Magnetschwebebahn mindestens 505 Stundenkilometer fährt, fügte er hinzu. "Damit sie schneller ist als das japanische Konkurrenzprodukt", sagte Zhu. Eine solche Geschwindigkeit sei kein Problem, versicherten Techniker am Rande des Staatsbesuches.

Ministerpäsident von deutschem Bausparsystem beeindruckt

Im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der größten deutschen Bausparkasse Schwäbisch Hall, Alexander Erdland, unterstrich Zhu das Interesse Chinas am deutschen Bausparsystem. Für Erdland spielt das private Bausparen eine Schlüsselrolle bei der Reform der bisher staatlichen chinesischen Wohnungswirtschaft. China will nach Angaben der Bausparkasse das bisherige System der staatlichen Verteilung von Wohnungen zu Gunsten eines verstärkten Verkaufs an Privatpersonen umgestalten. Beide Seiten sprechen von wichtigen Abkommen

Mit den zwischen Deutschland und China geschlossenen Verträgen über wirtschaftliche Zusammenarbeit und mit dem Rechtsabkommen werde die Reihe von Vereinbarungen zur Verbesserung der Zusammenarbeit fortgesetzt, sagte Zhu. In dem Rechtsabkommen werden auch Menschenrechtsfragen angesprochen. Bundespräsident Rau betonte, dieses Abkommen habe eine große Bedeutung im Hinblick auf die Rechtsstaatlichkeit. Rau versicherte, dass Deutschland an der "Ein-China-Politik" - keine offiziellen Kontakte zu Taiwan - festhalte.

Treffen mit den Altkanzlern Schmidt und Kohl

Auf dem Berlin-Programm des chinesischen Politikers stand auch Treffen mit Altbundeskanzler Helmut Kohl und der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. Am Sonntag frühstückte er zusammen mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD).

Am Nachmittag reiste Zhu zu einem Rundgang auf der Expo mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nach Hannover.

Aus Anlass des Deutschland-Besuchs des chinesischen Gastes forderte die internationale Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" den Bundeskanzler auf, das Thema Pressefreiheit anzusprechen und sich für die Freilassung in China inhaftierter Journalisten einzusetzen. Die Organisation wies darauf hin, dass seit 1989 mindesten 55 Journalistinnen und Journalisten wegen ihrer Meinungsäußerungen oder Publikationen inhaftiert worden seien.

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