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28.01.2003

10:20 Uhr

Einigung mit den meisten Fusionsgegnern

Eon kommt Ruhrgas-Übernahme wieder näher

Deutschlands größter Energiekonzern Eon hat sich einem Zeitungsbericht zufolge mit sieben der neun Gegner der umstrittenen Ruhrgas-Übernahme geeinigt. An der Börse führten die Hoffnungen auf eine außergerichtliche Einigung bei den Eon-Aktien am Dienstag erneut zu deutlichen Kursgewinnen.

Reuters DÜSSELDORF. Die "Financial Times Deutschland" berichtete unter Berufung auf Informationen aus Kreisen der beteiligten Unternehmen weiter, dass Eon den Fusionsgegnern eine Erklärungsfrist bis Dienstagabend gesetzt habe. Bei Eon war zunächst niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Ein Vertreter eines der Beschwerdeführer sagte, der Energiekonzern führe die Gespräche mit jedem einzelnen Fusionsgegner separat und habe darüber hinaus einen Vermittler eingeschaltet.

Bereits am Freitag hatte Reuters aus Branchenkreisen erfahren, Eon könnte sich mit den Gegnern der zehn Milliarden Euro teuren Ruhrgas-Übernahme doch noch außergerichtlich einigen. Es liefen Gespräche mit dem Ziel, die für Mittwoch angesetzte Anhörung vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht überflüssig zu machen. Bereits in den vergangenen Tagen hatte das Unternehmen jeden Kommentar zum Thema Ruhrgas abgelehnt. Auch die Fusionsgegner waren am Dienstag für eine offizielle Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

An der Börse legte die Eon-Aktie bis zum Mittag um fast vier Prozent auf 39,08 Euro zu. Die Aktie war damit der größte Gewinner im Börsenbarometer Dax, der leicht schwächer tendierte. "Bei angeblich noch zwei übrig gebliebenen Fusionsgegnern steigt die Chance auf eine außergerichtliche Einigung. Aber ein Restrisiko bleibt, da die Zeit langsam knapp wird", sagte Philip Bonhoeffer, Analyst bei der Privatbank Merck Finck mit Blick auf die Kursentwicklung der Eon-Aktie.

Wegen Fehlern im Verfahren um die zur Fusion nötige Ministererlaubnis hatte der Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf den Vollzug der Fusion im Sommer per Einstweiliger Verfügung gestoppt und diese Entscheidung Ende Dezember noch einmal bestätigt. Die Beschwerdeführer gegen die Ministererlaubnis befürchten bei einem Zusammenschluss von Eon und Ruhrgas erhebliche Behinderungen des Wettbewerbs für Strom und Gas.

Ein Vertreter einer Beschwerde führenden Partei sagte, die Verhandlungen mit Eon seien "Top secret". Der Energiekonzern führe die Gespräche mit jedem einzelnen Fusionsgegner separat und habe darüber hinaus einen Vermittler eingeschaltet. Hierbei handelt es sich nach Angaben aus Branchenkreisen um den Mitgesellschafter des Berliner Stromhändlers Ampere AG, Thomas Heilmann. Von dessen Büro wurde dies zunächst nicht bestätigt.

Ampere gehört zu den neun Beschwerdeführern gegen die Ministererlaubnis, die den Zusammenschluss von Deutschlands größtem Energiekonzern mit dem größten Gasimporteur hier zu Lande ermöglichen soll. Mit Ampere und dem ebenfalls als entschiedener Gegner des Zusammenschlusses geltenden Versorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat Eon dem "FTD"-Bericht zufolge einen Kompromiss ausgehandelt.

Rechtsexperten gehen davon aus, dass die vom Oberlandesgericht für Mittwoch angesetzte Hauptverhandlung ungeachtet einer möglicherweise am Dienstagabend zu Stande kommenden Einigung eröffnet wird. Während der Verhandlung stehe es aber allen Beteiligten frei, die Rücknahme ihrer Beschwerde zu verkünden, hieß es.

Sollte es zu keiner außergerichtlichen Einigung kommen, wird der Kartellsenat den Streit schlichten. Unklar ist dabei bislang, ob die Richter am Mittwoch eine endgültige Entscheidung treffen oder ob sie sich auf einen späteren Zeitpunkt vertagen. In Branchenkreisen wird nicht damit gerechnet, dass der Senat anders entscheiden wird als bisher. Die Aufnahme von Verhandlungen durch Eon zeige, dass dies in der Düsseldorfer Konzernzentrale wohl auch so gesehen werde.

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