Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2003

16:35 Uhr

Einigung zeichnet sich ab

Verwirrung um Eon ist perfekt

Im Verfahren zur Ruhrgas-Übernahme durch den Eon-Konzern hat sich am Donnerstag überraschend doch eine außergerichtliche Einigung mit den Fusionsgegnern abgezeichnet.

Reuters DÜSSELDORF/BERLIN. "Wir sind auf gutem Wege. Unterschrieben ist aber noch nichts", sagte der Vorstand des Bensheimer Energieunternehmens GGEW AG, Peter Müller, der dpa. GGEW gehört zu den Gegnern der 10 Milliarden Euro teuren Übernahme.

In Branchenkreisen hieß es nahezu übereinstimmend, die Parteien seien optimistisch, dass es eine Einigung geben werde. Allerdings führe Eon noch Gespräche mit dem finnischen Energieunternehmen Fortum. Mit dem Berliner Energiehändler Ares, der am Mittwoch eine Vereinbarung noch ausgeschlossen hatte, habe sich Eon bereits verständigt. Die Berliner Zeitungen "Tagesspiegel" und "Die Welt" berichteten vorab, die Einigung sei bereits gelungen. Eon lehnte eine Stellungnahme ab. An der Börse legten die Aktien von Eon und die im Rahmen des Kaufangebots der RAG bereits angedienten Degussa-Aktien deutlich zu.

Der Berliner Stromhändler Ampere sagte am Donnerstagnachmittag eine Pressekonferenz für den Abend wieder ab, die er erst wenige Stunden zuvor angekündigt hatte. Auf ihr sollte über die "Einigung im Eon-Ruhrgas-Verfahren" berichtet werden. In Branchenkreisen wurde dies als Rückzieher und Zeichen dafür gewertet, dass die ganze Einigung noch nicht unterschriftsreif sei.

Der "Tagesspiegel" berichtete weiter, für den Durchbruch bei den Verhandlungen habe eine besondere Vereinbarung über Lieferung und Durchleitung von Erdgas durch das Ruhrgasnetz eine besondere Rolle gespielt. Die "Welt" berichtete, Eon werde die Einigung spätestens am Freitag bekannt geben.

Noch Gesprächs-Bedarf

In den Branchenkreisen hieß es dagegen, es gebe noch Bedarf für Gespräche mit der finnischen Fortum, die zu der Gruppe der Beschwerdeführer gegen die Ruhrgas-Übernahme vor Gericht gehört. Man sei bei Eon und den gegnerischen Parteien aber insgesamt optimistisch, dass es zu einer Einigung kommen werde. Zuvor hatte Reuters aus Branchenkreisen erfahren, dass auch mit dem bis zuletzt schwierigen Verhandlungspartner Ares eine Einigung gefunden worden sei. "Mit Ares ist offenbar der Durchbruch gelungen", hieß es in den Kreisen. Details des vereinbarten Kompromisses waren zunächst nicht zu erfahren. Ares-Chef Andreas Rose hatte noch am Vortag am Rande des Hauptsacheverfahrens vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf eine außergerichtliche Einigung abgelehnt.

Bei dem zuständigen Düsseldorfer Oberlandesgericht war bis zum frühen Donnerstagabend noch keine der neun Beschwerden gegen die Fusion zurückgezogen worden. Ziehen alle Beschwerdeführer ihre Anträge zurück, wird das Verfahren eingestellt. Das müsste nach Auskunft eines Gerichtssprechers bis zum vom Gericht für Freitagmittag angesetzten Verkündungstermin geschehen sein. Eon könnte dann die per Ministererlaubnis genehmigte Fusion mit Ruhrgas, die bislang per Gerichtsbeschluss blockiert ist, vollziehen. Nach ablehnenden Entscheidungen in den Eilverfahren gehen Branchenbeobachter davon aus, dass das Gericht die Ruhrgas-Übernahme auch im jetzigen Hauptsacheverfahren ablehnen wird.

Degussa-Deal ebenfalls betroffen

Im Fall einer Einigung kann auch RAG (früher Ruhrkohle) die Eon-Tochter Degussa übernehmen. Diese Übernahme ist eng mit dem geplanten Ruhrgas-Kauf durch Eon verzahnt, da die RAG diese Übernahme etwa zur Hälfte mit dem Erlös aus dem Verkauf ihrer Ruhrgas-Beteiligung an Eon finanzieren will. Das Kaufangebot der RAG an die Degussa-Aktionäre in Höhe von 38 Euro je Aktie ist bis Freitag befristet.

An der Börse weiteten die Eon-Aktien und die bereits der RAG angedienten Degussa-Aktien im Tagesverlauf ihre Kurszuwächse wegen der Aussichten auf eine außergerichtliche Einigung im Eon-Ruhrgas-Verfahren deutlich aus. Die Eon-Aktie legte am Nachmittag bis zu 4,4 Prozent zu. Im späten Geschäft verlor sie einen Teil der Gewinne wieder und notierte mit 40,20 Euro um 2,29 Prozent höher. Die angedienten Degussa-Aktien wurden für 34,50 Euro und damit fast um ein Viertel teurer als zum Vortagesschluss gehandelt. Am Abend notierten auch sie mit 33,40 Euro unter ihren Höchstständen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×