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08.01.2003

07:55 Uhr

Einkaufstour türmt Schuldenberg auf

RWE stopft Bilanzlöcher mit Stromgeschäft

Das gute Geschäft mit dem Strom hat im vergangenen Jahr beim Essener Versorgungskonzern RWE einen massiven Gewinneinbruch verhindert. Das Geschäftsfeld Strom habe beim Betriebsergebnis um mehr als 45 % gegenüber dem Vorjahreswert zugelegt und über die Hälfte zum Konzernergebnis beigetragen, berichtete die RWE AG am Mittwoch bei der Veröffentlichung vorläufiger Zahlen. Insgesamt lag der Jahresüberschuss dennoch etwa 22 % unter dem Vorjahreswert und damit bei rund 1,05 Mrd. ?.

dpa/rtr ESSEN. Gründe für den Rückgang seien nach zahlreichen Firmenübernahmen vor allem Abschreibungen, Finanzierungskosten, ein schwaches Nicht-Kerngeschäft sowie Sonderbelastungen.

Auf Grund von Abschreibungen in Milliardenhöhe nach den vielen Firmenzukäufen der Vergangenheit hatte RWE bereits Ende Dezember für das neue Geschäftsjahr 2003 einen drastischen Rückgang des Nettogewinns angekündigt. In der am Mittwoch verbreiteten Firmenveröffentlichung verzichtete RWE daher auf einen Ausblick für das laufende Jahr.

Der Betriebsgewinn stieg indes um mindestens 12 % auf rund 4,38 Mrd. ?. In den Kerngeschäftsfeldern habe das Betriebsergebnis insgesamt um mindestens 30 % zugelegt. Ausschlaggebend seien neben dem Aufwärtstrend im deutschen Stromgeschäft die erstmalige Einbeziehung des britischen Energieversorgers Innogy und der tschechischen Gasaktivitäten (Transgas) gewesen. Während die Essener bei Strom, Gas und Wasser jeweils ein zweistelliges Prozentplus verbuchten, belastete der Bereich Umwelt die Bilanzen. Hier brach das Betriebsergebnis um mehr als 33 % ein. Ursache seien geringere Gewinnspannen wegen des starken Wettbewerbs auf dem deutschen Entsorgungsmarkt.

Nach dem Kauf zahlreicher Unternehmen sorgten beim Jahresüberschuss Abschreibungen auf Firmenwerte und die Finanzierungskosten für einen Rückgang. Hinzu gekommen seien Rückstellungen angesichts der operativen Verschlechterungen im Geschäftsfeld Umwelt und bei der Mehrheitsbeteiligung Heidelberger Druckmaschinen. Die negativen Effekte seien bis auf die Abschreibungen jedoch durch den Gewinn aus dem Verkauf des RWE-Anteils an dem Gemeinschaftsunternehmen Shell & Dea Oil zum größten Teil kompensiert worden, hieß es. Insgesamt bezeichnete RWE den Jahresabschluss als "erfolgreich".

Im Kerngeschäft stieg der Umsatz vor allem durch die erstmalige Einbeziehung von Innogy und Transgas um 27 % auf rund 35,0 Mrd. ?. Der erhebliche Umsatzrückgang in den anderen Bereichen habe damit jedoch nicht vollständig ausgeglichen werden können. Insgesamt ging der Umsatz um rund sechs Prozent auf 47,2 Mrd. ? zurück. Die Umsatzzahlen enthalten dabei aus dem Energiehandel erstmals nicht mehr die Brutto-Werte, sondern nur noch die Werte der Handelsmargen. RWE wende damit eine US- Bilanzierungsregel an, sagte eine Sprecherin. Genaue Zahlen will der Konzern am 17. März vorlegen.

RWE hat in den vergangenen anderthalb Jahren eine in seiner Firmengeschichte einmalige Einkaufstour absolviert. Zukäufe wie beispielsweise das tschechische Gasunternehmens Transgas, der brititsche Versorger Innogy oder American Water Works haben außer hohen Firmenwertabschreibungen vor allem den Schuldenberg aufgetürmt. Er beläuft sich nach RWE-Angaben vom Dezember auf 26 Mrd. ? netto.

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