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20.01.2003

19:09 Uhr

Einrichtung einer Nachlasspflegschaft beschlossen

Kunstsammlung Rau liegt vorerst auf Eis

Das Kinderhilfswerk Unicef darf die auf mehrere hundert Millionen Euro geschätzte Kunstsammlung des Stuttgarter Sammlers und Arztes Gustav Rau vorerst doch nicht verwerten. Dies hat der 14. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Karlsruhe im Wege der einstweiligen Anordnung am Montag in Freiburg entschieden. Rau war schwer krank am 3. Januar 2002 fast 80-jährig gestorben. Er hatte mehrere sich widersprechende letztwillige Verfügungen und einen Erbvertrag hinterlassen.

HB/dpa FREIBURG. Am 19. Dezember 2002 hatte das Landgericht Konstanz nach einer Beschwerde der Unicef-Stiftung und einer weiteren Beteiligten die Nachlasspflegschaft für die fast 750 Kunstwerke aufgehoben; dem Gericht erschien die Testierfähigkeit des Verstorbenen zum Zeitpunkt des Abschlusses des Erbvertrags vom 26. Oktober 1999 und damit dessen Wirksamkeit nicht zweifelhaft. Demnach hätte die Unicef über die Rau- Sammlung verfügen können, denn in dem Vertrag hatte der Sammler die Unicef-Stiftung in Köln zum alleinigen und unbeschränkten Erben eingesetzt. Rau hatte die Sammlung dem Kinderhilfswerk am 4. September 2001 übergeben. Bis zur Rechtskräftigkeit dieses Urteils wollte Unicef nach Aussage eines Sprechers jedoch keine Kunstwerke der Sammlung veräußern.

Das Oberlandesgericht Karlsruhe beschloss nun am Montag wieder die Einrichtung einer Nachlasspflegschaft bis zur Entscheidung über die weitere Beschwerde einer anderen testamentarisch Begünstigten in der Hauptsache. Damit wolle man Zeit für eine eingehende Prüfung der komplexen und schwierigen Sache haben, teilte das OLG mit (Az: 14 Wx 3/03).

Rau hatte 1970 die elterliche Fabrik verkauft und war für 15 Jahre als Kinderarzt nach Afrika gegangen, wo er im heutigen Kongo ein Krankenhaus gründete. Daneben widmete er sich der Kunst. Die mehr als 700 Objekte umfassende Sammlung wird von Experten zu den bedeutenden Privatsammlungen ihrer Art gezählt und ihr Wert auf bis zu einer halben Million Euro geschätzt.

Zu ihr gehören Gemälde und Skulpturen von Paul Cezanne, Auguste Renoir, August Macke, Claude Monet, Max Liebermann, Lucas Cranach dem Älteren und Edvard Munch. Der Streit um die Kunstsammlung dauert schon Jahre. Rau hatte seine Privatsammlung 1997 zunächst der "Crelona"-Stiftung in Liechtenstein und der mit ihr verbundenen "Stiftung Rau für die Dritte Welt" in der Schweiz versprochen. Kurz bevor der greise Arzt das Testament zu Gunsten von Unicef unterschrieb, hatte ihn ein Gericht für "nicht zurechnungsfähig" erklärt.

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