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14.01.2003

19:00 Uhr

Einschätzung der Deutschen Bank

Konjunkturerholung ab Jahresmitte erwartet

Die Konjunktur in der Euro-Zone wird nach Einschätzung der Deutschen Bank in diesem Jahr zu einer mäßigen Erholung ansetzen. Bei großer Unsicherheit und gedämpften Wachstumsaussichten werden den Bankanalysten zufolge Anleihen im Vergleich zu Aktien wie schon im vergangenen Jahr die bessere Wahl sein.

Reuters FRANKFURT. "Wegen der herrschenden hohen Unsicherheit sind die Prognosen in diesem Jahr schwieriger als in der Vergangenheit", sagte der Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, am Dienstag in Frankfurt. Die Wirtschaft in der Euro-Zone werde noch einige Monate schwach bleiben, dann aber zu einer Erholung im zweiten Halbjahr ansetzen.

Für die Euro-Zone erwartet die Deutsche Bank einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent nach schätzungsweise 0,8 Prozent im vergangenen Jahr. Dabei rechnen die Bankanalysten für Deutschland nur mit 0,6 Prozent und einer "Mini-Rezession" im Winterhalbjahr. Grundlage der Prognose ist die Annahme, dass es im ersten Quartal zu einem Irak-Krieg kommt. "Dieser wird aber kurz und erfolgreich sein nach dem Modell des Golf-Kriegs Anfang der 90er Jahre", sagte Mayer. Als Quelle für das Wachstum setzt er auf den privaten Konsum. Auf Anstöße aus dem Ausland könne sich die Wirtschaft in Deutschland und Europa nicht länger verlassen.

Die Finanzpolitik - insbesondere Anstrengungen der deutschen Regierung, das strukturelle Haushaltsdefizit zu reduzieren - werde die Konjunktur dämpfen, aber nicht abwürgen. "Vielleicht überrascht uns die Schröder-Regierung sogar positiv mit Reformen." Die Europäische Zentralbank (EZB) habe mit der Senkung des Leitzinses im Dezember auf 2,75 Prozent einen Beitrag für eine Konjunkturbelebung geleistet. Im Unterschied zu den Finanzmärkten, an denen bereits die nächste Zinssenkung eingepreist wird, geht Mayer von unveränderten Leitzinsen aus. "Die EZB könnte nur noch etwas tun, wenn das Wachstum schlechter ausfällt als wir jetzt erwarten."

Dies könnte Mayer zufolge der Fall sein, wenn es zu einem lang anhaltenden Irak-Krieg käme, der einen Ölpreis- und einen Wechselkursschock zur Folge hätte. So ließ am Dienstag die Nachricht, die UNO-Waffeninspektoren hätten im Irak Schmuggel von waffenrelevanten Gütern aufgedeckt, den Preis für Nordsee-Öl auf mehr als 31 Dollar oder den höchsten Stand seit Dezember 2000 schnellen.

In Anbetracht der verhaltenen Wachstumsaussichten, hoher Unsicherheit und der aktuellen Bewertung stehen nach Einschätzung von Jamil Baz, Chef-Rentenanalyst der Deutschen Bank, die Zeichen gut für den europäischen Rentenmarkt. Aktien seien im Vergleich zu Anleihen teuer. Ein weiterer Kursrutsch an den Aktienmärkten, der mit einer gemäßigten Rally am Bondmarkt einhergehe, sei das wahrscheinlichste Szenario. Auch Unternehmensanleihen hätten Aussichten auf Kursgewinne, denn die Märkte hätten im vergangenen Jahr ein viel zu hohes Ausfallrisiko eingepreist.

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