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28.03.2003

19:40 Uhr

Einschätzung des Ex-Bundeswehrgenerals Reinhardt

"USA müssen für längere Zeit in Irak bleiben"

Die USA werden sich nach Einschätzung des früheren Bundeswehrgenerals Klaus Reinhardt auch nach Ende des Krieges für längere Zeit in Irak engagieren müssen.

Reuters BERLIN. Im Gegensatz zu früheren Konflikten könnten die USA die Aufgabe der Friedenssicherung nicht anderen Ländern überlassen, sagte der frühere Kommandeur der Kosovo-Friedenstruppe (KFOR) am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Das sei gegenwärtig in Afghanistan und teilweise auch auf dem Balkan der Fall. Nach dem militärischen Erfolg über die Taliban-Regierung 2001 hatten sich die USA auf die Bekämpfung des El-Kaida-Netzwerks des Moslem-Extremisten Osama bin Laden konzentriert und Ländern wie Deutschland die Friedenssicherung überlassen. Die Bundeswehr stellt mit 2500 Soldaten das größte Kontingent der 4500 Mann starken ISAF-Friedenstruppe.

"Ich glaube fest daran, dass die Amerikaner ihre Truppen in Irak lassen müssen", sagte Reinhardt. In welchem Umfang andere Länder an der Friedenssicherung beteiligt werden sollten, sei eine politische Frage, sagte der Ex-General, der von Oktober 1999 bis April 2000 die KFOR befehligt hatte.

Reinhardt äußerte sich zugleich überzeugt, dass die US-geführten Truppen den am Donnerstag voriger Woche begonnenen Irak-Krieg gewinnen werden, auch wenn er länger als erwartet dauern sollte. Risiken für die Nachkriegszeit sehe er im Konflikt zwischen sunnitischen und schiitischen Moslems sowie möglicherweise in Rebellengruppen, die sich nicht ergeben hätten. Dies erfordere eine starke Friedenstruppe mit Kampferfahrung. Ohne ein robustes Mandat für die Truppe lasse sich weder eine neue Regierung aufbauen noch die wirtschaftliche Lage stabilisieren.

Reinhardt sagte, die Herausforderung in Irak sei ungleich größer als die, die er als KFOR-Chef im Kosovo erlebt habe. Dort sei es hauptsächlich um die Befriedung der überwiegend von Albanern bewohnten serbischen Provinz und die Entwaffnung der Kosovo-Befreiungsarmee gegangen. Der NATO-geführten Kosovo-Truppe hatten ursprünglich etwa 50 000 Soldaten angehört, derzeit ist sie 27 000 Mann stark. Die USA stellen 3500 bis 4000 Soldaten.

Die Dauer des Einsatzes der Irak-Friedenstruppe hängt nach Reinhardts Einschätzung davon ab, wie schnell sie die Unterstützung der irakischen Bevölkerung gewinnt. Das werde nur gelingen, wenn rasch humanitäre Hilfe herangeschafft und die Bevölkerung überzeugt werde, dass dies eine bessere Zukunft sichere.

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