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30.03.2003

17:05 Uhr

Einschätzung von Generalstabschef Myers

"US-Streitkräfte nicht unter Zeitdruck"

Die Streitkräfte der USA und Großbritanniens können sich nach Einschätzung von Generalstabschef Richard Myers im Irak-Krieg durchaus Zeit lassen. Der härteste Teil des Krieges stehe noch bevor, sagte Myers dem britischen Fernsehsender BBC am Sonntag auf die Frage nach der Dauer des Krieges.

Reuters ZENTRALIRAK/LONDON. Unterdessen mehrten sich die Berichte von der Front, wonach der Vorstoß der alliierten Bodentruppen in Richtung Bagdad zunächst einmal unterbrochen ist. Die Militärführung hatte entsprechende Aussagen aus Militärkreisen am Vortag allerdings dementiert. In den USA bahnt sich unterdessen ein Streit über die ursprünglich Kriegsplanung an. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld soll einem US-Medienbericht zufolge mehrmals den Rat seiner Strategen ignoriert haben, mehr Soldaten und mehr Waffen für den Irak-Krieg zur Verfügung zu stellen.

Die vordersten Bodentruppen der Alliierten stehen etwa 80 Kilometer vor Bagdad, der Nachschub kommt aber aus Kuwait, rund 500 Kilometer südlich. Bei den Fronteinheiten werden Diesel-Treibstoff und Lebensmittel nach Angaben des Militärs inzwischen knapp, wobei die Wasserversorgung nicht gefährdet sein soll. Einige Soldaten bekommen nach Recherchen von Reportern aber nur noch eine Essens-Ration täglich statt der üblichen drei. Die Stimmung unter den Soldaten sinkt offenbar ebenfalls. Viele von ihnen hatten gehofft, schon Ende April kurz nach Ostern wieder zu Hause bei ihren Familien zu sein.

Soldaten heben Schützengräben aus

Reuters-Reporter, die bei den Einheiten in Zentralirak sind, berichteten, die Mannschaften würden von ihren Offizieren nun auf einen längeren Einsatz eingeschworen. Die Soldaten ihrerseits berichteten, sie müssten Schützengräben ausheben, die Zufahrten zu ihren Lagern verminen und ihre Fahrzeuge tarnen. Das sehe nach einem längeren "Aufenthalt" aus.

Offiziere einer Front-Einheit sagten ihren Mannschaften, die Unterbrechung könnte 35 oder 40 Tage dauern. In den Kreisen war Vortags von einer Pause von bis zu sechs Tagen die Rede gewesen. "Es gibt die Erkenntnis, dass wir ein bisschen leicht (in den Irak) reingekommen sind", erklärte ein Offizier seinen Soldaten. In einer anderen Einheit wurde den Soldaten bedeutet, dass sie mindestens zwei Wochen nicht weiter marschieren würden.

Die Berichte über eine Unterbrechung des Vormarsches für einige Tage waren vom Armeekommando in Katar am Samstag zurückgewiesen worden. Zugleich hatte die Armeeführung aber eingeräumt, dass die Nachschublinien noch nicht ganz gesichert sind. Schon vor einigen Tagen hatten die US-Militärs die Verlegung von zusätzlichen 100 000 Soldaten angekündigt.

Kritik an Rumsfeld

Dem Magazin "The New Yorker" zufolge, das sich auf nicht näher genannte Kreise im US-Verteidigungsministerium berief, hatte Verteidigungsminister Rumsfeld hartnäckig auf einer Reduzierung der ursprünglich von den Militärs vorgeschlagenen Truppenstärke bestanden. "Er dachte, er wisse es besser. Er war jedes Mal der Entscheidungsträger. Dies ist der Schlamassel, in den sich Rummy selbst gebracht hat, weil er keine starke Bodenpräsenz haben wollte", wurden die Kreise zitiert. Jetzt sei der Vormarsch zum Stillstand gekommen.

Rumsfeld habe auch den Rat des Oberkommandierenden, General Tommy Franks, ignoriert, hieß es in dem Bericht weiter. Franks habe vorgeschlagen, die Invasion Iraks so lange zu verschieben, bis die Truppen, die ursprünglich von der Türkei aus operieren sollten, über andere Wege ins Kampfgebiet gelangt seien. Außerdem habe Rumsfeld den Widerstand der Iraker unterschätzt. Zudem gingen den US-Streitkräften in der Kriegsregion die Vorräte an Marschflugkörpern vom Typ "Tomahawk" und an Präzisionsbomben aus.

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