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25.01.2001

18:43 Uhr

MADRID/BERLIN. Nach dem Rückzug des spanischen Mobilfunkers Telefónica Móviles aus Frankreichs Ausschreibung für den Mobilfunk der dritten Generation (UMTS) gerät die europäische Strategie der Telefónica-Mobilfunktochter wieder stärker in das Blickfeld von Analysten und Marktbeobachtern. Jacobo Pascual, Analyst bei Dresdner Kleinwort Benson in der spanischen Hauptstadt, sprach von einer richtigen Entscheidung von Telefónica Móviles S.A., Madrid, da mit UMTS hohe Kosten verbunden seien. Das Unternehmen sei auch ohne eine Lizenz in Frankreich gut in Europa positioniert, sagte Pascual. Die Spanier hatten am Mittwoch gemeinsam mit dem Konsortialpartner Suez Lyonnaise S.A. ihren Ausstieg aus Frankreichs UMTS-Ausschreibung verkündet.

Die Entscheidung kam überraschend. Telefónica Móviles hatte unter Führung von Luis Lada Frankreich stets als einen der strategischen Märkte für die eigene Entwicklung in Europa bezeichnet. Deshalb hieß es auch im Umfeld Telefónicas, der französische Partner Suez habe zum Rückzug gedrängt. Gerüchte, dass sich das Konsortium nach einem Rückzug von Bouygues doch noch an der Ausschreibung beteiligen werde, wurden von Telefónica nicht bestätigt. Bisher hat Telefónica Móviles UMTS-Lizenzen in Deutschland, Spanien, Österreich, Italien, in der Schweiz und in Marokko.

Deutschland ist für Telefónica Móviles eigenen Aussagen zufolge der wichtigste Markt in Europa, um ehrgeizige Expansionspläne außerhalb von Spanien und Lateinamerika zu verwirklichen. Das Unternehmen hat weltweit 23,2 Millionen Kunden. Davon leben 13,7 Millionen in Spanien, der Rest hauptsächlich in Lateinamerika. In beiden Regionen ist Telefónica Marktführer. Der Einstieg in neue Märkte gestaltet sich jedoch schwieriger als zunächst geplant. Ursprünglich wollte Telefónica Móviles bis Ende November vergangenen Jahres den Standort für die UMTS-Deutschlandzentrale bestimmen und mit dem Aufbau der deutschen Tochter beginnen.

In der Zentrale in Madrid hüllt man sich bei diesem Thema in Schweigen - Informationen zum vermeintlichen Schlüsselmarkt lassen auf sich warten. Aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete lediglich, dass Anfang kommender Woche München endgültig als Firmensitz angekündigt und der Deutschland-Geschäftsführer bekannt gegeben werden soll.

Auch in Spanien kommt das UMTS-Geschäft nicht recht voran. Der geplante Start 2001 sei unwahrscheinlich, meldete die spanische Wirtschaftszeitung "Cinco Días" und berief sich auf Unternehmensquellen. Begründung: UMTS-Terminals böten vor 2003 keine ausreichende Qualität.

Für Analyst Pascual sind diese Verzögerungen kein Nachteil, weil die Technologie auch für die Wettbewerber nicht verfügbar sei. Er glaubt nicht, dass Telefónica seine UMTS-Strategie grundlegend ändern werde. Auch die fehlende Kundenbasis in Deutschland ist für ihn nicht Besorgnis erregend: Alle Unternehmen müssten sich ihre UMTS-Kunden erst suchen, sagte er gegenüber dem Handelsblatt.

Unterdessen verstärkt der Konzern seine Aktivitäten in Lateinamerika. Jüngster Deal: Ein Joint-Venture mit Portugal Telecom (PT), Lissabon, in dem alle Mobilfunk-Aktivitäten der beiden Unternehmen mit 9,3 Millionen Kunden in Brasilien zusammengefasst werden sollen. Der erwartete teure Konkurrenzkampf der beiden Wettbewerber auf diesem Markt bleibt damit aus.

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