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20.06.2000

15:30 Uhr

Einstimmige Entscheidung

Vivendi, Canal Plus und Seagram bestätigen Fusion

Reuters PARIS. Der französische Mischkonzern Vivendi will mit seiner Fernsehtochter Canal Plus und der kanadischen Medien- und Getränkegruppe Seagram zu einem neuen Giganten in der weltweiten Unterhaltungs- und Kommunikationsbranche fusionieren. Durch die Verschmelzung werde der international tätige Konzern Vivendi Universal mit einem Börsenwert von etwa 100 Mrd. $, entstehen, teilten die drei Firmen am Dienstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Paris mit.

Vivendi

-Chef Jean-Marie Messier werde die neue Gruppe leiten, hieß es weiter. Sein Stellvertreter solle Seagram-Chef Edgar Bronfman werden, der sich für den Ausbau des kanadischen Traditionskonzerns zum Unterhaltungskonzern eingesetzt hatte. Die neue Gruppe werde einen Jahresumsatz von rund 55 Mrd. $ und ein Vorsteuerergebnis (Ebitda) von sieben Mrd. $ erwirtschaften. Vivendi Universal werde als erstes Unternehmen Medien- und Unterhaltungsinhalte über modernste Techniken wie digitale Kanäle anbieten, sagte Messier. Zudem werde Vivendi Universal über eine hohe Kunden- und Teilnehmerzahl verfügen. Messier und Bronfman rechnen mit keinerlei Schwierigkeiten dabei, die Fusion auf dem Weg zu bringen. Eine mögliche Untersuchung der EU-Kommission über den Zusammenschluss werde voraussichtlich "sehr gut" verlaufen, sagte Messier.

Mit der Fusion baut der ehemalige Versorger Vivendi seine Stellung als eines der weltweit führenden Kommunikations- und Medienunternehmen massiv aus. Als weiterer Schritt in dieser Strategie gilt die gemeinsam mit dem britischen Mobilfunkanbieter Vodafone AirTouch Plc für Montag geplante Einführung des Internet-Portals "Vizzavi". Das Gemeinschaftsprojekt will durch ein "Multi Access Portal" (MAP) seinen Kunden den Zugang zum Internet über Mobilfunktelefone, Fernseher und Computer ermöglichen. Über die Vivendi-Mobilfunktochter Cegetel, den Sender Canal Plus und vor allem Vodafone AirTouch könne Vizzavi auf ein Potenzial von 80 Mill. Kunden zurückgreifen, hieß es.

Die drei Firmen betonten, dass sich die Gruppe strategisch auf die Bereiche Telekommunikation, Medien, Unterhaltung und neue Technologien wie vor allem das Internet konzentrieren wolle, und dass daher die Getränkesparte von Seagram keine strategische Bedeutung habe. Neben dem Musik- und Filmgeschäft verkauft Seagram nach wie vor Spirituosen wie den Whiskey "Chivas Regal" oder "Absolut Vodka" sowie zahlreiche Weine. Branchenkenner rechnen mit einem Erlös durch einen möglichen Verkauf der Getränkesparte von bis zu sieben Mrd. $ für diesen Bereich.

Die verkündete Fusion ist faktisch eine Übernahme Seagrams durch Vivendi über einen Aktientausch. Der französische Telekommunikations-, Medien- und Versorgungskonzern biete bei einem Kurs der Vivendi-Aktie von unter 96,69 $ 0,8 eigene Aktien und bei einem Kurs von über 124,30 $ 0,622 eigene Aktien für je ein Seagram-Papier. Dies entspricht nach den Angaben einem Kaufpreis von insgesamt 34 Mrd. $ (umgerechnet rund 69,4 Mrd. DM) beziehungsweise 77,35 $ je Aktie. Am Montag hatte die Seagram-Aktie an der New Yorker Börse mit rund 63 $ geschlossen. Die Aktionäre des börsennotierten Pay-TV-Senders Canal Plus, an dem Vivendi bereits rund die Hälfte der Anteile besitzt, sollen für je einen Anteilsschein zwei Vivendi-Aktien bekommen.

Der Pariser Aktienmarkt reagierte auf die Ankündigung der Dreierfusion mit massiven Kursabschlägen: Die Aktie von Vivendi büßte am Nachmittag mehr als sieben Prozent auf 89,50 Euro ein, Canal Plus verloren sogar zehn Prozent auf 182,6 Euro. Es gebe große Unsicherheiten über die Zukunft von Canal Plus im Rahmen der Fusion, sagte ein Händler zur Begründung der Kursverluste. Da keine Zahlen genannt worden seien, sei es schwierig, den Wert für den Pay-TV-Sender auszumachen, sagte ein anderer Börsianer. Vivendi-Chef Messier maß den Kursschwankungen indes keinerlei Besorgnis erregende Bedeutung bei.

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