Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.01.2003

12:47 Uhr

Einweg läuft nicht gut

Dosenpfand: Umweltverbände zufrieden

Die Einführung des Dosenpfands ist am ersten Geschäftstag im neuen Jahr nach Angaben von Umweltverbänden und Getränkefachhandel nahezu reibungslos verlaufen. Der Einzelhandel klagte jedoch auch über teils heftige Beschwerden von Verbrauchern.

Das Dosenpfand ist da. Foto: dpa

Das Dosenpfand ist da. Foto: dpa

Reuters BERLIN. "Unsere Testkäufe haben ergeben, dass in praktisch allen Geschäften das Pflichtpfand auf Einweggetränke erhoben wird", sagte Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe am Donnerstag in Berlin. Weit über 95 % der Getränke seien korrekt mit Pfand belegt. Das im Einzelhandel vielfach erwartete Chaos sei ausgeblieben. Selbst an Kiosken und Tankstellen sei das Pfand Stichproben zufolge fast überall erhoben worden. Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) bestätigte die nahezu flächendeckende Umsetzung des Pfands. Einige Geschäfte hätten jedoch auch von Verwirrung und Verärgerung der Kunden berichtet. Nach der Einführung der Pfandpflicht sind nach Einschätzung des Bundesumweltministeriums offenbar die Chancen für eine Novellierung der Verpackungsverordnung gestiegen.

Nach Angaben des Getränkefachhandels ist seit Weihnachten die Nachfrage nach Getränken in Mehrwegverpackungen deutlich gestiegen. Die mittelständischen Privatbrauereien werden nach Angaben ihres Verbandschefs Roland Demleitner in diesem Jahr Investitionen in neue Mehrweganlagen zielstrebig angehen. Die Aktien des europäischen Marktführers für Rücknahmeautomaten, Tomra Systems, lagen am Mittag rund drei Prozent im Plus. Seit dem 1. Januar wird auf Dosen und Einwegflaschen für Bier, Mineralwasser, und kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke wie Limonaden je nach Verpackungsgröße ein Pfand von 25 oder 50 Cent erhoben. Die Umwelthilfe hat nach eigenen Angaben seit Jahresanfang bundesweit zwischen 500 und 1000 Testkäufe gestartet, um die Einführung des Pflichtpfands zu kontrollieren.

Resch: Deutlich höhere Nachfrage nach Mehrweg

Der einzige negative Ausreißer bei den Handelsketten sei am Donnerstagmorgen die Plus-Warengruppe gewesen, sagte Resch. Testkäufe hätten ergeben, dass der Kunde bei Plus das Pfandgeld gegen Vorlage der Pfandmünze erhalte, ohne die Einwegverpackung zurückzubringen. Der Umweltverband habe dem Unternehmen daher mit Ordnungswidrigkeitsverfahren gedroht. Plus habe daraufhin ein Einlenken signalisiert. Eine Firmensprecherin sagte auf Anfrage, Plus habe am Donnerstag alle 2700 Filialen angewiesen, das Pfand nur gegen Rücknahme der Dosen auszuzahlen.

Die Testkäufe ergaben zudem, dass die Einwegregale in vielen Supermärkten leer geräumt waren. "Es gibt eindeutig mehr Mehrweg, die Lenkungswirkung ist da", sagte Resch. "Wir haben sei den Tagen vor Weihnachten erhebliche Zuwachse beim Mehrweg", sagte auch Wolfgang Brügel vom Verband des Deutschen Getränkeeinzelhandels. Die Prognose von zehn Prozent Umsatzzuwachs bei Mehrweg werde sicher eintreten.

Einzelhandel: Absatz von Einweg läuft nur schleppend an

Der HDE erklärte, der Absatz bepfandeter Einweggetränke sei am Donnerstag nur sehr schleppend angelaufen. Viele Verbraucher seien überrascht, dass neben Bierdosen auch Mineralwasser und Limonaden in Einwegverpackungen von dem Pfand betroffen seien. "Einige Kunden nehmen das Pfand auf Einweg offenbar als massive Preiserhöhung wahr, während andere den Unterschied zwischen pfandpflichtigen und weiterhin pfandfreien Produkten nicht verstehen", hieß es in der Erklärung weiter. HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr betonte im WDR, das Pfand werde den Einzelhandel Milliardeninvestitionen für ein neues Rücknahmesystem kosten. Die Wirtschaft werde versuchen, die Kosten an die Verbraucher weiterzugeben. Die betroffenen Getränke könnten sich um bis zu zehn Prozent verteuern.

Mit der Pfandpflicht ist nun offenbar auch die von Rot-Grün seit Jahren geforderte Novellierung der Verpackungsverordnung in greifbare Nähe gerückt. "Es hat in den letzten Tagen Stimmen gegeben, dass auch die Ministerpräsidenten bereit sind zu einer Reform. An uns wird das nicht scheitern", sagte Umwelt-Staatssekretär Rainer Baake im ARD-Morgenmagazin. Im Sommer 2001 war Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) im Bundesrat noch mit seinem Vorhaben gescheitert, ein Pfand auf alle ökologisch nachteiligen Getränkeverpackungen zu erheben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×