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21.01.2008

12:16 Uhr

Elektrischer Reporter

Tschüss, Bill

VonMario Sixtus

Nun ist er weg. Mit einem müden und weitgehend humorfreien Auftritt auf der Unterhaltungselektronikmesse CES verabschiedete sich Bill Gates ins Privatleben. Der Gründer von Microsoft war der Erste, der auf die Idee kam, für Software Geld zu verlangen. Möglicherweise war er auch einer der Letzten.

Der erste, der auf die Idee kam, ausführbare Dateien gegen Münzen zu tauschen, war Bill Gates. Beim damaligen Computerriesen IBM schaute Gates in verdutzte Gesichter, als er einen fixen Betrag für jede Installation seines Betriebssystems MS-Dos verlangte. Solch ein Ansinnen war den Konzernmanagern bis dahin noch nicht untergekommen.

Erstaunlicherweise ließen sie sich auf das ungewöhnliche Geschäft ein und spülten Microsoft auf diese Weise die ersten Millionen in die Unternehmenskasse. Der Rest ist Geschichte: Auf Plastikscheiben gehandelte und mit Kopierschutz versehene Computerprogramme wurden zur Norm und die wenigen verbliebenen Freunde der freien Software galten bald als unverbesserlichere Daten-Hippies.

Doch schon länger ist das Pendel auf dem Weg in die Gegenrichtung. Ohne freie Software würde das Internet nicht so funktionieren, wie wir es kennen. Auf den allermeisten Web-Servern werkelt der so genannte LAMP-Stack vor sich hin (Linux, Apache, MySQL, Perl/PHP) – ein freies Programmpaket, das die allerorten wuchernden Web-Dienste überhaupt erst ermöglicht. Und auch auf PCs rollt diese Welle: Auf rund jedem dritten deutschen Rechner tut beispielsweise der freie Internet-Browser Firefox seinen Dienst.

Ein zweiter, paralleler Trend dürfte sich auf Dauer zu einem noch größeren Wandel in der IT-Welt auswachsen: Immer mehr Programmfunktionen wandern vom Desktop ins Web. Google bietet inzwischen ein ausgewachsenes, Web-basiertes Office-Paket an, Foto-Dienste wie Flickr erlauben heutzutage sogar Online-Bildbearbeitung, selbst mit Videoschnitt wird im Web schon herumexperimentiert. Resultat: Die Betriebssystemsorte und die Leistungsfähigkeit eines PCs werden zunehmend unwichtig.

Gut möglich, dass uns einmal rückwirkend die Zeit der Kauf-Software als merkwürdige Zwischenphase erscheinen wird, gekommen und gegangen mit einem einzigen Mann.

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