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15.06.2000

14:33 Uhr

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Elektro-Industrie freut sich über Wachstum und klagt über Personalmangel

Der deutschenElektroindustrie geht es so gut wie seit dem Vereinigungsboom der frühen 90er Jahre nicht mehr. Deshalb wird die Branche erstmals seit neun Jahren wieder ihre Belegschaften aufstocken - wenn sie kann.

dpa FRANKFURT/MAIN. Den kräftigen Aufschwung der Branche könnten indes Engpässe beim Personal bald abschwächen. Bis Ende 2000 werde die Zahl der Stellen wieder auf 880 000 klettern, prognostizierte der der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) am Donnerstag in Frankfurt. Das entspreche einem Zuwachs von 33 000 gegenüber dem Tiefstand im Sommer 1999 und einem Plus von 25 000 im Jahresverlauf.

Auf der Suche nach geeignetem Personal stoße die Branche zunehmend auf einen "Mangel an qualifizierten Ingenieuren, Informatikern und IT-Fachleuten", beklagte der ZVEI-Präsident Dietmar Harting. Dies entwickele sich "in praktisch allen Bereichen unserer Industrie als ernsthafte Wachstums- und Innovationsbremse".

Neben dem florierenden Export erhält die Elektroindustrie erstmals seit der deutschen Vereinigung inzwischen auch wieder kräftige Impulse aus dem inländischen Geschäft. Deswegen hat der ZVEI seine ohnehin sehr optimistische Acht-Prozent-Prognose noch einmal nach oben korrigiert: Nun rechnet der Verband mit einem Umsatzplus von rund zehn Prozent, womit zum ersten Mal die 300-Milliarden-DM - Schwelle überschritten wird. Rund drei Prozentpunkte gehen dabei nach ZVEI-Einschätzung auf das Konto des schwachen Euro.

Abhängigkeit von schwachem Euro nicht allzu groß

"Auch bei einer moderaten Aufwertung des Euro" erwartet die Branche daher keine gravierenden negativen Folgen für die Konjunktur. Die Produktion wird sich nach ZVEI-Prognose um bis zu sechs Prozent erhöhen. "Die gegenwärtige Lage ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die Kapazitätsauslastung mit knapp 87 Prozent erstmals wieder den Stand vom Wiedervereinigungs-Boom des Jahres 1991 erreicht hat."

Zu der brummenden Weltkonjunktur als Treibstoff, dem schwachen Euro als weitere Hilfe sowie der verbesserten Ertragslage der Unternehmen gesellen sich ein als "konjunkturgerecht" empfundener Tarifabschluss 2000 und ein Lob für die wirtschafts- und steuerpolitische Richtung der Bundesregierung. Unter dem Strich hätten sich damit "die Bedingungen für nachhaltige Investitionstätigkeit am Standort Deutschland verbessert, wodurch die notwendigen Voraussetzungen für mehr Beschäftigung eingetreten sind."

Elektronische Bauelemente sind besonders gefragt

Entscheidende Stütze der Elektrokonjunktur ist nach wie vor das Auslandsgeschäft. Die Exporte legten im ersten Quartal 2000 um fast 24 Prozent auf mehr als 45 Mrd. DM zu. "Noch kräftiger wuchsen die Auftragseingänge von ausländischen Kunden mit einem Plus von über 30 Prozent in den ersten vier Monaten", berichtete Harting. "Zusehends gewinnt jedoch die Binnenkonjunktur an Schwung." Umsatz und Auftragseingang seien hier zu Lande binnen Jahresfrist um rund 15 Prozent geklettert. Daraus leitet die Branche die Hoffnung ab, dass der bereits kräftige Aufschwung lange Zeit anhalten könnte.

Besonders kräftige Zuwächse verzeichnet die Elektroindustrie zurzeit bei elektronischen Bauelementen. "Für das Gesamtjahr rechnen wir hier mit einem Wachstum des deutschen Marktes von 17 Prozent", sagte Harting. "Ausgesprochen günstig verläuft die Konjunktur auch in der Informations- und Kommunikationstechnik und in Teilsegmenten der Automation." Dagegen ist die Entwicklung in der Energietechnik wegen der drastisch reduzierten Investitionen der Energieversorger schleppend. Positiv schlagt dagegen zu Buche, dass auch die inländische Konsumkonjunktur allmählich anspringt. Neue Gebrauchsgüter wie mobile Kommunikationsendgeräte, DVD-Abspielgeräte oder Fernseher im Format 16:9 stießen "auf reges Interesse der Verbraucher".

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