Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.05.2000

16:10 Uhr

EM.TV-Chef Haffa und Kloiber einig

Tele München geht an die Börse

Den Neuen Markt erwartet ein neues Schwergewicht aus der deutschen Medienbranche: Die Tele-München-Gruppe plant für spätestens Frühjahr 2001 den Gang an die Börse.

MÜNCHEN. Die Tele-München-Gruppe (TMG), hinter der Kirch-Gruppe der zweitgrößte Filmrechte-Händler in Deutschland, hat sich nun doch für die Börse entschieden. TMG plane für Ende 2000 oder spätestens für Frühjahr 2001 den Börsengang, bestätigte der EM.TV-Vorstandsvorsitzender Thomas Haffa gegenüber dem Handelsblatt. Die Vorbereitungen laufen bereits. EM.TV ist seit September 1999 mit 45 % an TMG beteiligt.

TMG-Gründer und-Mehrheitsgesellschafter Herbert Kloiber, der sich als mittelständischer Unternehmer versteht und in der Öffentlichkeit sehr zurückhaltend agiert, hatte sich lange gegen einen Börsengang gesträubt. Jetzt hat ihn Haffa offensichtlich von den möglichen Vorteilen eines Going Public überzeugt. Nach Angaben von Haffa wird TMG wahrscheinlich an den Neuen Markt gehen. Dabei würden die derzeitige Gesellschafter - EM.TV (45 %) und Kloiber (55 %) - Anteile abgeben. Gleichzeitig sei eine Kapitalerhöhung zur Stärkung des Unternehmens geplant. Mit dem Börsengang wird Kloiber dann unter die Marke von 50 % rutschen. EM.TV und Kloiber zusammen würden weiter die Mehrheit behalten, betonte Haffa.

Die Bewertung von TMG werde mit Sicherheit höher als zum Zeitpunkt des Einstiegs von EM.TV sein, betonte Haffa. EM.TV hatte im vergangenen September für das 45 %-Paket rund 850 Mill. DM an Kloiber gezahlt. Damit errechnete sich für TMG ein Wert von 1,8 Mrd. DM. Umstritten war damals insbesondere die Bewertung des TMG-Programmstocks. Das Going Public könne relativ schnell durchgeführt werden, da schon damals verschiedene Investment-Banken die Möglichkeiten eines Börsengangs geprüft hätten, hieß es. Zur Vorbereitung und angesichts der geplanten Umwandlung in eine Aktiengesellschaft wird Kloiber dem Vernehmen nach in Kürze einen renommierten Finanzvorstand einstellen.

Für das Geschäftsjahr 1999 hat TMG noch keine Zahlen vorgelegt. Deshalb wurde die Beteiligung auch noch nicht in der EM.TV-Bilanz berücksichtigt. Der Umsatz dürfte aber in der Nähe von 500 Mill. DM liegen. 1998 wäre nach Pro-forma-IAS-Bilanzierung bei einem Umsatz von 380 Mill. DM ein Vorsteuergewinn von rund 200 Mill. DM erzielt worden. Zuletzt hatte TMG seine 34 %-Beteiligung am Spartensender TM 3 für 350 Mill. DM an Rupert Murdoch verkauft. Dank dieses außerordentlichen Ertrags dürfte TMG in 2000 mehr Gewinn als Umsatz machen.

TMG hat ein riesiges Potenzial an Rechten

TMG besitzt die Rechte an rund 2 700 Spielfilmen sowie an bekannten TV-Serien. Zudem ist das Unternehmen am deutschen Privatsender RTL 2 sowie an Privatstationen in Österreich und Ungarn beteiligt. TMG will künftig verstärkt in das internationale Geschäft expandieren, sagte Haffa. Zudem wolle man einen günstigen Zeitpunkt für einen weiteren Einstieg in das Fernseh-Geschäft abwarten.

Neben TMG will Haffa weitere Beteiligungen in Kürze an die Börse bringen. Im Herbst 2000 geht die israelische EM-Talit, an der EM.TV 50 % hält, an die Börse Tel Aviv. Auch der erst vor wenigen Wochen erworbene Entertainment-Vermarkter Dolce Media soll "sobald wie möglich" an die Börse. Das Unternehmen, das zuvor in Alleinbesitz von Thomas Gottschalk und seinem Bruder Christoph war, vermarktet unter anderem Verona Feldbusch oder die "Wetten, dass"-Show. Auch für die Jim Henson Company gibt es Börsenpläne.

EM.TV plane noch für dieses Jahr den Start eines speziellen Internet-Angebots für Kinder und Jugendliche, sagte Haffa weiter. Das Projekt, das unter dem Titel "Junior-Web" läuft, soll im November starten. Kinder bis 14 Jahren gelangen damit nur in das Junior-Web mit speziellen Inhalten. Eltern haben Zugang zum vollen Internet. Bis Ende 2001 wird mit einem Kundenstamm von 500  000 Haushalten gerechnet. Dann soll auch die Gewinnzone mit einem Vorsteuer-Gewinn von 23 Mill. DM erreicht werden. Offen ist noch, mit welchem Partner das Projekt realisiert werden soll. Auch Junior-Web sei ein potenzieller Börsenkandidat, sagte Haffa.

Für das Jahr 2000 rechnet EM.TV mit einem Umsatz von über 1,6 Mrd. DM (1999: 317 Mill. DM). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll 2000 bei etwa 800 Mill. DM liegen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×