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19.01.2001

20:18 Uhr

EM.TV standen im Blickpunkt

Neuer Markt: Kurse im Bann der Nasdaq fast unverändert

Die Wachstumswerte konnten am Freitag die hohen Kursgewinne aus dem Vormittagshandel nicht in den Abend retten. Der Nemax 50 ging mit einem Plus von 1,1 Prozent ins Wochenende, der Nemax All Share legte um 0,52 Prozent zu.

dpa-afx FRANKFURT. Die Wachstumswerte am Neuen Markt konnten am Freitag die Kursgewinne aus dem Vormittagshandel nicht in den Abend retten. Am Vormittag profitierte das Wachstumssegment noch von den Vortagsvorgaben aus den USA und kletterte kräftig ins Plus. Mit der Eröffnung der US-Börsen kippte allerdings die Stimmung. Die US-Technologiebörse gab innerhalb weniger Handelsminute seine Anfangsgewinne ab und der deutsche Markt folgte dem großen Bruder aus den USA. Zum Wochenausklang notierte der Nemax 50 mit einem Plus von 1,10 % bei 2 813,97 Zählern. Ähnlich sieht es beim marktbreiten Nemax-All-Share-Index aus. Er ging mit einem Gewinn von 0,52 % bei 2 828,93 Zählern ins Wochenende.

"Wir sind halt einfach nicht flügge", sagte ein Händler am Frankfurter Aktienparkett. Der Neue Markt folge der Nasdaq fast auf Schritt und Tritt. Nach den Kursgewinnen der vergangenen Tage seien die Verluste an der Wall Street das Signal für Gewinnmitnahmen gewesen. Zu Handelsbeginn habe es so ausgesehen, als ob sich der Aufwärtstrend vom Beginn der Woche fortsetzen könnte, doch im Tagesverlauf habe man gesehen, dass sich der Markt zuerst wohl noch eine Verschnaufpause gönne, sagte ein weiterer Händler.

Im Mittelpunkt des Interesses stand wieder einmal das Münchner Medienunternehmen EM.TV . Der einstige Börsenliebling stand nach den vielen schlechten Nachrichten in den vergangenen Wochen am Freitag wieder einmal hoch in der Gunst der Anleger und Investoren. Nach Spekulationen über einen weiteren potenziellen Käufer neben Leo Kirch war der Kurs gleich zu Handelsbeginn förmlich nach oben geschossen und durchbrach die 10 Euro-Marke. Im Tagesverlauf musste die Aktie allerdings wieder etwas von den satten Gewinnen am Vormittag abgeben und schloss mit einem Plus von 22,83 % bei 7,80 Euro. "Alle wollen bei dem Spiel um EM.TV mitspielen - und am Ende wird keiner reich", sagte ein Händler ein deutschen Großbank.

Während EM.TV am Freitag von einem Gerücht profitierte, litten die Aktien von Gauss Interprise unter dem so genannten Parkett-Geflüster. Die Tageszeitung "Die Welt" hatte am Freitag gemeldet, dass die Hamburger Softwareschmiede ein Liquiditätsproblem habe. Der Kurs brach in der Folge ein und konnte sich trotz des Firmen-Dementi nicht mehr erholen. Am Ende verzeichnete die Gauss-Aktie ein Minus von 14,76 % auf 4,39 Euro.

Bei der internationalen Mediengruppe IN-motion wirkten die Hollywood-Schauspieler Robert Redford, Al Pacino und Kim Basinger als Kurstreiber. Das Unternehmen wolle künftig neben Fernseh- auch Kinofilme produzieren und hat als ersten Film eine Produktion mit den genannten Schauspielern angekündigt. Er soll "People I know" heißen und rund 42 Mill. Kosten. Die Investoren und Anleger bewerteten den Anstieg am Freitag positiv - der Kurs stieg zum Wochenausklang um 6,14 % auf 34,55 Euro.

Die krisengeschüttelte Infomatec ging trotz einer Klage der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) mit einem Plus von 2,27 % auf 2,25Euro aus dem Markt. Am Donnerstagabend hatte die SdK Schadensersatzklage gegen die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder Alexander Häfele und Gerhard Harlos eingereicht. Dabei soll es unter anderem um falsche Angaben bei Ad-hoc-Mitteilungen gehen.

Verlierer des Tages waren Intertainment. Nach den starkem Kursanstieg von mehr als 270 % in den ersten vier Handelstagen kam es zum Wochenausklang zu Gewinnmitnahmen. Vor allem die Kleinanleger hätten bei Interntainment die Zuwächse der vergangenen Tage versilbert. Der Kurs verlor bis Handelsschluss 29,85 % auf 13,70 Euro.

Ein Minus von 8,46 % auf 11,90 Euro verbuchte die Splendid Medien AG . Der Rechtehändler hat mit der AOL/Time Warner Germany, Hamburg, die Warner Vision Vertriebs GmbH gegründet. Das neue Unternehmen soll im deutschsprachigen Raum gemeinsam DVDs und Kaufvideos vertreiben, teilte das Unternehmen mit. Im Vormittagshandel beflügelte diese Meldung den Kurs der Aktie noch, doch im Laufe des Tages bröckelten die Kurse ab und kehrten sich ins Gegenteil um.

Bergab ging es auch mit dem Index-Schwergewicht T-online . Nach Marktspekulationen über einen möglicherweise höheren Verlust bei der Deutschen Telekom-Tochter purzelte der Aktienkurs im frühen Nachmittagshandel ins Minus. Der Wert des Internet-Providers konnte sich zwar bis Börsenschluss wieder leicht erholen, ging aber dennoch mit einem Minus von 4,10 % bei 15,90 Euro aus dem Markt.

Die Aktien des vom Konkurs bedrohten Internet-Händlers Letsbuyit.com wurden auch am Freitag wieder lebhaft gehandelt. Ein Gericht in Amsterdam hat die Entscheidung über den Konkurs des niederländischen Unternehmens auf den 25. Januar verschoben. Bis dahin werde die Aktie wohl ein Spielball der Zocker und Spekulanten sein, sagte ein Händler in Frankfurt. Am Freitag ging es nach dem kräfigten Kursrutsch vom Vortag zur Abwechslung mal nach oben. Der Titel kostete zum Wochenende 28 Cent und damit 3,70 % mehr als am Vortag.

Eine interne Untersuchung gegen den bisherigen Vorstandsvorsitzenden Peter Wirtz brachte den Kurs der Saltus Technology-Aktie ins Straucheln. Das Papier verlor 2,22 % auf 11 Euro. Das Unternehmen hatte am Donnerstagabend nach Börsenschluss bekannt gegeben, dass es intern gegen Wirtz ermittle. Vor allem die Finanzgeschäfte des Managers, der am Mittwoch zurück getreten war, sollen überprüft werden, hieß es.

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