Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2003

07:32 Uhr

Ende des Irak-Krieges

Kommentar: Riskantes Solo

VonGeorg Watzlawek

War?s das? George Bush spricht zwar nicht von Sieg, sondern vom Ende der Kampfhandlungen. Und Donald Rumsfeld konstatiert allein die Befreiung des Iraks. Doch die Bild- und Körpersprache lässt keinen Zweifel, dass sie ihren Triumph auskosten: Der US-Präsident feiert auf dem Flugzeugträger "Abraham Lincoln" seine Truppen, der Verteidigungsminister wendet sich aus einem Palast Saddam Husseins an die Iraker.

Es stimmt, die schlimmsten Horrorszenarien sind ausgeblieben. Der Diktator Saddam ist verjagt. Und genau dies sei das Ziel des Krieges gewesen, sagt nun Rumsfeld offen. War da nicht noch etwas? Doch: Zuvor hatte Washington die Notwendigkeit eines präventiven Angriffs mit der akuten Gefahr von Massenvernichtungswaffen und Terrorismus begründet. Nun wird deutlich, dass dies vorgeschobene Motive waren und es allein um den Regimewechsel ging.

Angesichts dieser Täuschung des eigenen Volkes und der Welt über die wahren Kriegsgründe ist es alles andere als kleinlich, Bush & Co. an ihre dramatischen Warnungen zu erinnern. Der Präsident selbst hatte die Gefahr eines "Atompilzes" beschworen. Doch bisher wurden weder chemische noch biologische, geschweige denn atomare Waffen gefunden. Sollten diese nicht in signifikanter Menge existiert haben, war der Krieg illegitim.

Das versucht die US-Regierung vergessen zu machen, indem sie Saddams Ende mit der Öffnung des Ostblocks vergleicht. Man sollte das Ereignis nicht kleinreden, aber vom Denkmalsturz bis zur Etablierung eines freien und stabilen Iraks ist noch ein langer Weg. Und auch hier klaffen Ankündigungen und Absichten auseinander. Mit ihren Worten verkünden Bush und Rumsfeld, das Land und sein Öl gehörten allein den Irakern; niemand wolle die politische und kulturelle Unabhängigkeit einschränken. Doch ihre Taten widerlegen sie.

Einerseits unternehmen die US-Besatzer viel zu wenig, um ein Minimum an Ordnung im Land herzustellen. Andererseits zeigt das Wenige, was sie machen, dass sie dem Land ein System nach US-Vorbild überstülpen und den Ölsektor kontrollieren wollen. Nicht zufällig bewachten die GIs das Ölministerium vom ersten Tag an, sahen der Plünderung von Krankenhäusern und Museen aber lange tatenlos zu. Gleichzeitig bedrängen Washingtons Diplomaten die Uno schon wieder massiv, diesmal, um dem Sicherheitsrat die Verwaltung des irakischen Öls abzuringen. Auch liegen die Blaupausen für ein marktwirtschaftliches System bis hin zur Massenprivatisierung unter der Ägide von US-Beratern bereits vor. Gelangt der irakische Ölsektor auf diesem Weg in die Hände amerikanischer Konzerne, ist die Glaubwürdigkeit der USA endgültig dahin.

Das wird nicht nur im alten Europa und im Orient so gesehen: Amerika laufe Gefahr, als "Paria-Staat" alleine zu stehen, der trotz aller Macht unfähig ist, seine Ziele zu erreichen, warnt der liberale, aber keineswegs linke Washingtoner Think Tank Brookings. Bushs Regierung ist dabei, alle Vorurteile über die arrogante Hypermacht zu bestätigen und sich zu isolieren. Ein Sololauf beim Versuch, den Mittleren Osten zu modernisieren, würde aber selbst das neue amerikanische Imperium überfordern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×