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18.03.2004

16:56 Uhr

„Ende gut“ ist ein literarisches Ereignis und ein intellektuelles Erlebnis

Sibylle Berg kämpft gegen das Phlegma

Sibylle Bergs neuer Roman "Ende gut" ist schlicht eine Provokation und eine Bestandsaufnahme der aktuellen Befindlichkeiten, wie sie treffender nicht sein könnte.

HB KÖLN. Gnadenlos seziert sie die Dumpfheit der an alltäglichen Pflichten klebenden Deutschen, ohne Mitleid entblößt sie das Phlegma hinter der hektischen Geschäftigkeit auf der Jagd nach Geld und Erfolg. Das Buch ist eine Bestandsaufnahme der aktuellen Befindlichkeiten, wie sie treffender nicht sein könnte. Es ist bedrückend und belustigend zugleich, denn bei aller Härte im Urteil über ihre Mitmenschen hat die Autorin ihren schwarzen Humor nicht verloren. "Ende gut" ist ein literarisches Ereignis und ein intellektuelles Erlebnis. "Ich denke nicht, dass meine Bücher böser sind als die Realität", meint die umstrittene Autorin: "So gut bin ich nicht."

Die Heldin ist eine Frau jener Kategorie, die ihr Alter auf Partys, "zu denen einer keiner einlädt", mit "so um die 40" angibt. Sie lebt allein, die Jahre sind einfach so vorbei geplätschert: "Wenn man isst, schläft, keine Drogen nimmt, sich sauber hält und nicht weiter auffällt, dann passiert es einem so, das Leben." In dem Bewusstsein, dass die Welt demnächst untergehen wird, lässt die Frau aber schließlich Besitz und alte Gewohnheiten hinter sich und macht sich auf die Suche nach dem, was so etwas wie eine heile Welt sein könnte.

Doch bevor sie ihr stilles Glück an der Seite eines Taubstummen findet, trifft sie auf ihrer Odyssee durch Städte und Bundesländer etliche Prototypen aus allen sozialen Schichten Deutschlands - Soldaten und Spekulanten, Ökofreaks, Professoren, Gummifetischisten, Hausfrauen und Möchtegernpopstars. Und je schneller sich alles um sie herum auflöst, was einmal in bester Ordnung schien, desto mehr befreit sich die Heldin aus Selbstmitleid und Lethargie. Sie sieht: "Wie schnell können Menschen kaputtgehen. Hast du nicht gesehen, können Beine und Arme fehlen." Genau diese Botschaft will Berg unter die Leute bringen: "Jeder sollte das Ruder "rumreißen und es sich ein bisschen nett machen."

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