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18.02.2002

00:57 Uhr

Endgültige Ablehnung des Bundeskartellamtes rückt näher – Liberty lehnt Zugeständnisse ab

Kabel-Deal der Telekom vor dem Aus

Der US-Konzern Liberty Media bleibt hart: Das Unternehmen macht keine Konzessionen gegenüber dem Kartellamt. Damit braucht die Deutsche Telekom offenbar einen neuen Käufer für ihr Fernsehkabelnetz.

John Malone; Foto: dpa

John Malone; Foto: dpa

slo DÜSSELDORF. Die bisherigen Pläne der Deutschen Telekom zum Schuldenabbau kommen ins Wanken. Der vorgesehene Verkauf des TV-Kabels an den US-Medienkonzern Liberty Media für 5,5 Mrd. Euro steht offenbar kurz vor dem Aus, denn Liberty-Chef John Malone weicht nicht von seinem Konfrontationskurs gegenüber dem Bundeskartellamt ab. Damit rückt ein endgültiges Verbot des Kabel-Deals durch die Behörde näher. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der verbliebenen sechs Kabelregionalgesellschaften wollte die Telekom ihre Schulden von etwa 65 Mrd. Euro reduzieren.

Wie die Liberty Media Corp. am Wochenende mitteilte, halte man an dem ursprünglichen Geschäftsmodell für die Telekom-Kabelnetze fest. Das schließt beispielsweise den Kauf kleinerer Kabelnetzbetreiber ein. Nur so seien die Investitionen in die Aufrüstung der Kabelnetze zu rechtfertigen, so Liberty. Diesen Standpunkt habe man auch gegenüber dem Kartellamt bekräftigt und Zugeständnisse abgelehnt. Eine entsprechende Stellungnahme habe Liberty der Behörde fristgerecht zukommen lassen. Das Unternehmen hatte bis Freitag die Gelegenheit, auf eine Abmahnung der Wettbewerbshüter zu reagieren. Diese Antwort im Umfang von etwa 70 Seiten hält dem Kartellamt zudem "offensichtliche" Fehleinschätzungen des Marktes vor, heißt es aus dem Umfeld der Beteiligten.

Das Kartellamt lehnt es bisher ab, den Kabel-Kauf durch das US-Unternehmen zu genehmigen. Die Behörde fürchtet, dass der Deal die dominante Stellung von Liberty auf dem Kabelmarkt verstärkt. Das könnte das Amt nur akzeptieren, wenn Malone in einem anderen Bereich für mehr Wettbewerb sorgt: beim Telefonieren und bei schnellen Internetzugängen. Doch dazu müsste er zügiger als geplant viele Milliarden investieren. Das lehnt Malone ab. Das Kartellamt hat bis 28. Februar Zeit, um endgültig über die Liberty-Pläne zu entscheiden.

Nach Informationen aus Branchenkreisen wird Liberty diese Entscheidung abwarten und erst nach einem Verbot der Behörde den Rückzug von dem Vorhaben antreten. Der Vertrag mit der Telekom erlaubt einen solchen Ausstieg unter bestimmten Bedingungen. "Wirft Liberty die Brocken vor dem endgültigen Nein des Kartellamtes hin, riskiert das Unternehmen eine Vertragsstrafe", sagt ein Branchenkenner. Eine Klage des US-Konzerns gegen die Untersagung oder der Antrag beim Bundeswirtschaftsminister auf eine Ministererlaubnis gelten als unwahrscheinlich.

Die Telekom stellt sich unterdessen offenbar darauf ein, einen neuen Käufer für das Kabelnetz suchen zu müssen. Das verlautete aus dem Umfeld des Bonner Konzerns. Man prüfe zwar noch die Möglichkeit, anstelle von Liberty selbst eine Ministererlaubnis zu beantragen, aber setzte keine großen Hoffnungen auf diese Lösung.

Der britische Finanzmakler Compere Associates könnte der neue Kabel-Käufer sein. Tom Crema von Compere sagte dem Handelsblatt am Sonntag: "Wir stehen weiter bereit, mit der Telekom über den Kauf des Kabels zu verhandeln, auch für den Preis, den Liberty geboten hat. Denn die Summe ist angemessen." Solange Liberty noch im Spiel sei, gebe es aber keine direkten Verhandlungen. In der Branche heißt es, Compere habe der Telekom eindeutiges Interesse an der Übernahme des Kabels signalisiert und sei dabei, die Finanzmittel aufzutreiben. Noch steht nicht fest, für wen Compere arbeitet.

Ein weitere Alternative: Kleinere Kabelnetzfirmen wie Bosch und Telecolumbus haben Branchenkreisen zufolge ebenfalls Interesse an einigen Kabelnetzregionalgesellschaften der Telekom, um auf diese Weise zu expandieren. Der Nachteil für den Bonner Konzern: Er würde seine verbliebenen Kabelnetze nicht auf einen Schlag und wohl nicht zu den bisher gehandelten Summen los.

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