Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.02.2001

22:04 Uhr

Endgültige Entscheidung fällt am 27. Februar

Zukunft der Sabena weiter ungewiss

Die vom Konkurs bedrohte belgische Flugesellschaft Sabena wird vorerst bis Ende Monat weiter fliegen. Die Sabena-Aktionäre haben am Donnerstag vorläufig für eine Weiterführung des Flugbetriebs des Carriers gestimmt.

rtr ZüRICH/BRüSSEL. Die Entscheidung über eine Finanzspritze über 250 Mill. ? solle aber erst am 23. Februar gefällt werden. Die Sabena-Aktionäre wollen aber nur zahlen, falls die Gewerkschafen dem Kostensenkungsplan zustimmen. Damit ist die Gefahr eines möglichen Konkurses der Gruppe nur kurzfristig vom Tisch. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft von Sabena wird für den 27. Februar erwartet. Sabena-Verwaltungsrat Valere Croes erklärte nach der ausserordentlichen Verwaltungsratssitzung, "die Generalversammlung hat, basierend auf den Vorschlägen des Verwaltungsrates, entschieden, die Aktivitäten weiterzuführen. Sabena wird weiter existieren". Croes machte aber klar, dass die Aktionäre noch nicht ganz bereit seien, eine Entscheidung über die Finanzspritze zu fällen. Die ausserdentliche Generalversammlung habe von Rechts wegen stattfinden müssen, da das Netto-Vermögen der Gruppe unter 50 % des Kapitals gefallen sei, erklärte er. Dem Sabena-VR gehören die SAirGroup mit 49,5 % und der belgische Staat als Mehrheitsaktionär an. Nach der Ratifizierung der bilateralen Verträge zwischen der Schweiz und der EU will die SAirGroup einen Mehrheitsanteil von 85 % an Sabena übernehmen, falls Sabena nicht vorher in Konkurs geht.

Die Zukunft Sabenas hängt gemäss Angaben der Firmenspitze von der Annahme aller Kostensenkungspläne durch die Gewerkschaften ab. Bislang hätten die Gewerkschaften Kostensenkungen von rund 27,5 Mill. ? von insgesamt 52 Mill. ? zugestimmt, erklärte Sabena. Erst wenn die Kostensenkungen in vollem Umfang angenommen werden, würden die Sabena-Aktionäre die nötigen 250 Mill. ? zur Finanzierung der weiteren Aktivitäten der Gruppe bezahlen, hiess es. Gemäss Firmenangaben wird sich der Verwaltungsrat am 19. Februar treffen, um über die Kostensenkungsmassnahmen zu entscheiden. "Die Aktionäre werden eingeladen, über die Rekapitalisierung über 250 Mill. ? zu entscheiden, wenn der Verwaltungsrat von Sabena sagen kann, dass das Ziel der 52 Mill. ? erreicht ist", hiess es.

Falls die Gewerkschaften dem Sanierungsplan der Sabena nicht zustimmen, ist ein Konkurs der belgischen Fluggesellschaft nach den Worten von Firmenchef Christoph Müller wahrscheinlich. "Falls es keine Vereinbarung gibt, dann ist der Konkurs der Gesellschaft möglich", sagte Müller in Brüssel. Bei einer vollen Umsetzung des Restrukturierungsplanes aber will die belgische Fluggesellschaft Sabena die Gewinnschwelle im Jahr 2003 erreichen. "Profitabilität ist für das Jahr 2003 vorgesehen", erklärte Müller weiter. Der Break-even-Point solle gegen Ende 2002 erreicht werden, erklärte er weiter. Im Rahmen des Restrukturierungsprogramms haben die Hauptaktionäre der Sabena, der belgische Staat sowie die Schweizer SAirGroup, ihre Absicht erklärt, dass Sabena Kapital von 1,2 Mrd. sfr erhalten soll. Dabei solle die SAirGroup 240 Mill. sfr bereitstellen, während der belgische Staat rund 160 Mill. sfr einschiessen soll. Das Restrukturierungsprogramm sieht allerdings auch die Streichung von rund 700 Stellen von 12 000 Stellen vor, die Einsparung von rund 560 Mill. sfr bringen soll. Dies hatte zu Beginn vor allem die Gewerkschaften verärgert. Am Mittwoch, einen Tag vor der entscheidenden Sitzung über die Zukunft der Airline, hatten die Piloten der Sabena noch zu einem Streik aufgerufen, diesen aber später wieder abgebrochen.

Gemäss SAirGroup-Sprecherin Beatrice Tschanz wird der Schweizer Luftfahrtkonzern, der sich gegenwärtig selbst in einer Umstrukturierungsphase befindet, in den weiteren Verhandlungen über die Restrukturierungsmassnahmenm der belgischen Fluggesellschaft hart bleiben. In einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen erklärte Tschanz, "die SAirGroup wird in der Sache hart bleiben". Tschanz erklärte, die Führung der Sabena und die Sozialpartner seien sich bis auf die Hälfte näher gekommen. Die SAirGroup werde aber an ihren Forderungen festhalten. Gemäss einer SAirGoup-Mitteilung erklärte SAirGroup-Chef Eric Honegger, dass der Vertrag zwischen SAirGroup und der Sabena über die Rekapitalisierung der Gruppe am 27. Februar ausläuft. "Die SAirGroup ist nicht dazu bereit, diese Frist zu verlängern".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×