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20.01.2003

09:05 Uhr

Energiekonzern sucht bei der Fusion nach Ruhrgas nach Alternativen zum Gerichtsverfahren

Eon erwägt Gang nach Brüssel

VonJ. Flauger und H.J. Schürmann (Handelsblatt)

Der Druck auf Eon wächst, den langwierigen Gerichtsprozess um die Übernahme der Ruhrgas AG abzubrechen: Offenbar verspricht sich der Konzern von einem Gang nach Brüssel mehr Erfolg. Ganz zurückziehen wird sich Eon vermutlich nicht. Ansonsten könnte ein Konkurrent bei Ruhrgas zugreifen.

DÜSSELDORF. Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon will sich offenbar die durch Gerichtsverfahren blockierte Übernahme der Ruhrgas AG von der Europäischen Kommission genehmigen lassen. "Eon prüft verschiedene Optionen", hieß es in Unternehmenskreisen, "der Weg über die EU ist zwar nicht einfach, verspricht aber mehr Erfolg."

Sollte das vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) anstehende Hauptverfahren scheitern, könnte der Genehmigungsantrag beim Kartellamt zurückgezogen und ein neuer bei der EU-Kommission eingereicht werden. Bislang werde die Möglichkeit aber noch geprüft, hieß es. Noch hoffe man auch auf Unterstützung aus Berlin. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement - er gilt als Befürworter der Fusion - hatte angekündigt, dass er das Kartellrecht ändern möchte, um den Weg für politisch gewollte Großfusionen zu erleichtern. gilt als entschiedener Verfechter der Eon-Ruhrgas-Fusion.

Ein Verfahren bei der EU ließe sich innerhalb von sechs Monaten abschließen, hieß es, eine Berufungsverhandlung vor dem Bundesgerichtshof (BGH) könnte sich nach Einschätzung von Juristen dagegen bis Mitte 2004 ziehen. Die 10 Mrd. Euro schwere Übernahme von Deutschlands größter Ferngasgesellschaft hängt derzeit vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf fest. Dieses hatte Eon im Eilverfahren den Vollzug der Fusion wegen gravierender Verfahrensmängel bei der Genehmigung untersagt. Am 29. Januar beginnt die Hauptverhandlung.

Eons Hoffnungen stützen sich darauf, dass die EU-Kommission weniger auf die starke Stellung der Ruhrgas im deutschen Markt abzielen wird sondern Europa als relevanten Markt heranziehen wird. Mit der jüngst verabschiedeten neuen Energierichtlinie hat die EU die Voraussetzung für eine vollständige Öffnung der Gas- und Strommärkte gelegt. Dies könnte Eon und Ruhrgas die Argumentation erleichtern.

Eon und Ruhrgas hatten bislang zwar immer wieder argumentiert, dass für die Genehmigung ihrer Fusion der deutsche Markt relevant sei. Allerdings haben sich seit dem Antrag im Jahr 2001 die Rahmenbedingungen geändert: Mit der inzwischen abgeschlossenen Übernahme der britischen Powergen ist derAnteil des Auslandsumsatz so stark gestiegen, dass nun die EU zuständig sein könnte.

Ein Verfahren vor dem BGH könne nicht durchgestanden werden, ist vermehrt bei Eon und Ruhrgas zu hören. Insbesondere bei der Münchner Eon Energie AG wächst der Unmut über den Monate langen Rechtsstreit. "Wir sind nicht unglücklich, wenn die Sache scheitert", sagte ein ranghoher Manager des Unternehmens, in dem die deutschen Energieaktivitäten gebündelt sindund das um seinen Einfluss bangt.. Und Ruhrgas-Chef Burkhard Bergmann ging in der vergangenen Woche auf der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft 2003 in die Offensive: Sein Unternehmen sei trotz der Hängepartie handlungsfähig. Auch Ruhrgas ist an einer schnellen Lösung gelegen, denn während sich Eon und Ruhrgas mit Verfahrensfragen beschäftigt, positioniert sich die europäische Konkurrenz. Zuletzt hatte sich die Gaz de France mit Preussag Energie auf dem deutschen Markt verstärkt.

Zudem droht der Ruhrgas bei einem Scheitern der Fusion die Übernahme durch einen Konkurrenten. Jahrelang war das Unternehmen durch eine komplizierte Aktionärsstruktur gegen Übernahmen so sehr geschützt, dass Eon ein ganzes Jahr brauchte um sich die Anteile von BP, Shell, Exxon Mobil, RAG, Thyssen-Krupp RWE und TUI zu sichern. Nachdem die Struktur nun aufgebrochen ist, ist Eon angreifbar. Da die Anteile vorrangig den anderen Aktionären angeboten werden müssen, gilt Exxon gilt in der Branche als potenzieller Interessent. BP hat angekündigt, sich auf eigene Faust zu engagieren und Shell hat mit der norddeutschen BEB bereits ein starkes Standbein.

Vor diesem Hintergrund werde sich Eon auf keinen Fall komplett aus der Ruhrgas zurückziehen, heißt es in Branchenkreisen. Denkbar sei, dass der Eon-Konzern den 38-%-Anteil, den er bereits fest erworben hat, auf rund 25 % verringert, erläutert der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt. Zusätzlich zu dem direkten Einfluss könne Eon indirekt bei den 34 % mitsprechen, die die Bergemann-Holding halte. Sie wird mehrheitlich von der RAG, der ehemaligen Ruhrkohle, kontrolliert, an der wiederum Eon mit 40 % als größter Aktionär beteiligt ist. "Zumindest könnte Eon so den Zugriff eines Konkurrenten verhindern", sagte Schmitt.

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