Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.01.2001

20:08 Uhr

Energiekrise im "Goldenen Staat" hält an

Neue Serie von gezielten Strom-"Blackouts" in Kalifornien

Hunderttausende Einwohner und Unternehmen im US-Staat Kalifornien waren am Donnerstag erneut vorübergehend ohne Stromversorgung.

dpa SACRAMENTO. Wegen der seit Monaten andauernden Energiekrise im so genannten "Goldenen Staat" gab es den zweiten Tag hintereinander gezielte "Blackouts" im Rotationsverfahren, um kostbar gewordenen Strom einzusparen.

Bereits am Vortag hatten sich zahlreiche Bürger vorübergehend mit kalter Küche abfinden müssen, nachdem zum ersten Mal seit 50 Jahren Elektrizitätssperren verfügt worden waren. Gouverneur Gray Davis rief angesichts der zugespitzten Lage am Mittwochabend (Ortszeit) den Notstand aus. Das ermöglicht es den Behörden, auf dem freien Markt Strom zu kaufen. Dadurch sollten weitere Stromabschaltungen zumindest in Grenzen gehalten werden.

Die "Blackouts" im Rotationsverfahren dauerten jeweils 60 bis 90 Minuten. Ausgenommen waren nur wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei und öffentliche Nahverkehrssysteme. Autofahrer wurden zur Vorsicht gemahnt, weil vielerorts auch die Ampeln außer Betrieb waren.

Zu den betroffenen Städten gehörten San Francisco, San Jose und Oakland in Nord- und Mittelkalifornien. Im Hightech-Paradies Silicon Valley gingen ebenso teilweise die Lichter aus wie an der Touristenattraktion Fisherman's Wharf in San Francisco. Viele Firmen konnten sich mit Notstromaggregaten helfen, doch die von der Zivilisation verwöhnten Kalifornier reagierten auf das Fiasko meist ungläubig und unvorbereitet. "Alles ging ohne Warnung aus," sagte eine Cafe-Managerin in San Francisco hilflos. "Man kann nicht viel tun, wenn der Strom ausfällt."

Dabei ist in dem Staat schon lange die Energie knapp. Seit zehn Jahren sind aus Umweltschutzgründen keine neuen Kraftwerke mehr gebaut worden, während der Strombedarf drastisch stieg. Die beiden wichtigsten Stromversorger des Bundesstaates stehen am Rande des Bankrotts.

Eine vor vier Jahren eingeleitete Liberalisierung der Stromwirtschaft hatte die Marktpreise in die Höhe getrieben. Der Staat legt seit vier Jahren keine Strompreise mehr fest; der Wettbewerb sollte den Kunden niedrigere Preise bescheren. Das klappte anfangs. Allerdings stieg der Elektrizitätsbedarf dann in den vergangenen Jahren unerwartet stark. Die höhere Nachfrage sorgte im freien Wettbewerb für immer höhere Stromrechnungen.

Verschärft wird die Lage durch das Winterwetter und den jüngsten Ausfall mehrerer Kraftwerke durch Reparaturarbeiten. Früher produzierten die Kraftwerke Kaliforniens in der kühleren Jahreszeit so viel überschüssige Elektrizität, dass damit auch der Bedarf der Bundesstaaten Washington und Oregon gedeckt werden konnte. Jetzt müssen im Pazifischen Nordwesten eigene Notreserven aktiviert werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×